Zehn provokante Thesen zum SAR-Wert

Die spezifische Absorptionsrate, kurz SAR, gilt in der Funktechnik als Mutter aller Grenzwerte zum Schutz der Bevölkerung vor elektromagnetischen Feldern. Aber: hält die SAR auch, was sie verspricht? Studienkritiker W. Kuhn beantwortet in seinem Beitrag diese Frage mit einem klaren “nein”. Für ihn beschreibt die SAR allein die thermischen Wirkungen starker Funkfelder korrekt, nicht aber die athermischen Wirkungen schwacher Funkfelder – dafür sei die SAR völlig ungeeignet und besser heute als morgen gegen die elektrische Feldstärke zu ersetzen. Warum die SAR dennoch weltweit als Intensitätsmaß für starke und schwache Funkfelder in Gebrauch ist, darüber hat Kuhn zehn Thesen formuliert, die auf wissenschaftliche Bestätigung oder Widerlegung warten (20.09.08).

Erstaunliches

Der interdisziplinäre Wissenschaftszweig Bioelectromagnetics, an welchem hauptsächlich die Wissenschaften Biologie und Physik beteiligt sind, untersucht mögliche biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder. Die Fragestellung wiederum, ob solche Wirkungen gesundheitlich relevant seien, wird dann unter Mitwirkung von Medizin, Statistik und Psychologie zu beantworten gesucht.

These 1

SAR ist Historie

These 2

SAR ist Politik

These 3

SAR ist Interessenpolitik

These 4

SAR ist private Wissenschaftspolitik

These 5

SAR ist geheime Phantomwissenschaft

These 6

SAR ist wissenschaftsfeindlich

These 7

SAR ist vage, unbestimmt, fiktiv und imaginär

These 8

SAR ist irreführend und täuschend

These 9

SAR ist Herrschaftsinstrument

These 10

SAR ist ersetzbar

Während sich die Physik hauptsächlich mit exakt Messbarem befasst, erfassen und beschreiben Biologie und Medizin ihren jeweiligen Ausschnitt aus der Wirklichkeit mit deskriptiven und statistischen Methoden. Eigentlich wäre zu erwarten, dass der Beitrag der Physik zu Bioelectromagnetics die exakte Messung der physikalisch wirksamen Feldstärke der elektromagnetischen Felder, die auf biologisches Material einwirken, wäre. Die erstaunliche Tatsache, dass dem nicht so ist, wollen wir hier etwas genauer betrachten.

Statt mit den elektrischen und magnetischen Feldstärken befassen sich die in Bioelectromagnetics involvierten Physiker mit einem Maß namens SAR, abgekürzt für spezifische (Wärme-)Absorptionsrate. Dass es zu diesem Maß kein Messinstrument gibt, führt nur zu einem ersten Stirnrunzeln. Tiefe Furchen aber graben sich ein, wenn ersichtlich wird, dass dieses Maß völlig ungeeignet ist, eine mögliche Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen schwachen elektromagnetischen Feldern und biologischen Effekten zu beschreiben, zu erklären oder gar zu quantifizieren.

In jedem anderen Wissenschaftszweig würde ein derartiger Missstand sofort behoben. In Bioelectromagnetics gelang es jedoch Außenstehenden, den forschenden Wissenschaftlern dieses ungeeignete Maß bis heute als Standard aufzuzwingen, ohne dessen Anwendung ihre Arbeiten nicht als wissenschaftlich anerkannt werden. Wie es so weit kommen konnte, und welches die Auswirkungen sind, fassen wir in zehn Thesen zusammen.

These 1: SAR ist Historie

Als sich in den 1990er Jahren die Sprachübermittlung durch Mobilfunk, der auf Mikrowellen basiert, rasant verbreitete, musste die sichere Verwendung dieser Technik geklärt werden. Einige – angeblich mobilfunknahe – Wissenschaftler, hauptsächlich Physiker, schlossen sich 1992 als Nachfolgeorganisation einer früheren Organisation zu einem Verein nach deutschem Vereinsrecht zusammen, und ernannten sich selbst zur Internationalen Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung, besser bekannt unter dem englischen Kürzel ICNIRP. Eines der Gründungsmitglieder war der australische Physiker Michael Repacholi.

Wer vor wenigen Jahrzehnten oder Jahren das Wort "Mikrowelle" hörte, dem fiel nur sein Mikrowellenofen ein, der wasserhaltige Nahrungsmittel schnell und stark erhitzen kann. Der damalige Kenntnisstand verlangte nach Richtlinien, welche den menschlichen Körper vor Beschädigung durch die von den Antennen abgestrahlten Mikrowellen schützen, namentlich durch Erhitzungsfolgen wie Fiebertemperaturen, Koagulation oder Verbrennung. Da war es nahe liegend, die abgestrahlte Strahlungsenergie so zu begrenzen, dass nicht zuviel davon im menschlichen Körper in Wärme umwandelt wird. Als Maß für die Erwärmung des Körpers und für deren Begrenzung schlug die ICNIRP die spezifische Absorptionsrate SAR vor, die in Watt pro Kilogramm Körpergewicht (W/kg) ausgedrückt wird, wobei "Watt" die absorbierte Strahlungsleistung bedeutet, und "kg" anzeigt, dass diese Leistung in eine Körpermasse eingetragen und dort in Wärme umgewandelt wird. "Spezifisch" bedeutet dabei für eine bestimmte Stoffart geltend, z.B. für Wasser, oder für Hirnmasse. Das Maß SAR ist für das Bestimmen der Erwärmung eines einfach geformten

“Die SAR ist ein rein thermisches Maß und sie ist als solches für andere biologische Wirkungen von Feldern als die der Erwärmung unbrauchbar.”

homogenen Körpers recht gut geeignet. Da der menschliche Körper aber weder von einfacher Gestalt noch homogen zusammengesetzt ist, und darüber hinaus durch den Blutfluss dynamischen Prozessen unterliegt, muss das Maß SAR um Faktoren wie Körperform, Zusammensetzung des Körpers nach Wasser, Fett, Knochen etc. und die Kühlung durch die Blutzirkulation ergänzt werden. Die in SAR ausgedrückten Grenzwerte für die Bestrahlung beschränken mit ihren Sicherheitsmargen die Erwärmung des menschlichen Körpers in einem Ausmaß, dass diese beim lebenden Menschen nicht mehr messbar ist: Sie liegt für Basisstationsstrahlung im Bereich von Tausendstel bis Hundertstel Grad Celsius und für Mobiltelefonstrahlung örtlich bei bis zu vielleicht 1 °C.

Nach Einführung der in SAR ausgedrückten Grenzwerte wurden jedoch unterhalb jeder messbaren Wärmewirkung andere biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder entdeckt. In Bezug auf diese Wirkungen wären die elektrischen und magnetischen Kräfte zu messen und zu begrenzen gewesen, die auf die Masse und die elektrischen Ladungen der Atome der Moleküle des Organismus einwirken, und nicht die Temperatur. Diese Kräfte kann die SAR jedoch in keiner Weise darstellen, auch nicht näherungsweise. Die SAR ist ein rein thermisches Maß und sie ist als solches für andere biologische Wirkungen von Feldern als die der Erwärmung unbrauchbar.

Die Anwendung der SAR ist danach obsolet im Sinne von "durch die Entwicklung überholt" geworden. Die weiteren Gründe dafür, dass das Maß SAR auch heute noch gegen jede wissenschaftlich begründbare Logik bei Studien zu anderen biologischen Wirkungen als zu möglichen Wärmeschäden "angewandt" wird, haben wir in den folgenden neun Thesen zusammengefasst.

These 2: SAR ist Politik

Es ist physikalisch völlig widersinnig, die Kraft der Felder, welche auf die Moleküle und Atome untersuchter Organe wirken, mit einem Erwärmungsmaß statt mit der Feldstärke zu messen. Dass dennoch gegen die Vernunft das Erwärmungsmaß SAR verwendet wird, muss politische Gründe haben.

Den Widersinn der Verwendung von SAR mag ein Beispiel veranschaulichen: Die Anwendung eines Erwärmungsmaßes zum "Messen" von elektromagnetischen, magnetischen und elektrischen Feldern ist vergleichsweise noch verfehlter, als hätte die Gilde der Architekten für die Massgabe der von ihnen geplanten Räume die Anzahl Fledermäuse, die darin Platz fänden, zum Standard erhoben.

Warum haben die Bioelectromagnetics-Wissenschaftler das Erwärmungsmaß SAR nicht längst durch ein Maß ersetzt, das die tatsächlich auf die Moleküle wirkenden Kräfte der Felder darstellt? Bei der Wahl einer geeigneten Masseinheit gibt es den Pol Anschaulichkeit und Praktikabilität und den Pol Wissenschaftlichkeit und Genauigkeit. Auch dieses sei an einem Beispiel veranschaulicht: Das Leistungsmaß Pferdestärke (PS) für Motoren ist durch die mit dem Begriff verbundene Vorstellung von Pferden ein sehr anschauliches Maß. Durch die Möglichkeit, sich selbst und anderen mit der Vorstellung einer großen Zahl von imaginierten Pferden Eindruck zu machen, hat die Pferdestärke überlebt, obwohl PS seit Jahrzehnten bloß eine Ableitung des metrischen Maßes Kilowatt (kW) ist. Durch die Verwendung von PS als Leistungsmaß lässt sich eine Motorleistung von "nur" 74 kW auf rhetorisch imposante 100 PS aufblasen. Das technisch überflüssige Leistungsmaß "PS" dient so nur der Verkaufspolitik der Autohersteller.

Politik ist Machtausübung und durch Machtausübung kann die Vernunft unterdrückt werden. Die Vernunft würde gebieten, dass bei der Erforschung athermischer Wirkungen anstelle des Maßes SAR die Feldstärke angewandt wird. Das Cui bono? wird zeigen, wer SAR anstelle der Feldstärke als Standard eingesetzt hat.

These 3: SAR ist Interessenpolitik

Die heutigen Grenzwerte für Mikrowellenstrahlung aus Mobilfunk und anderen elektronischen Anwendungen wurden vor vielen Jahren durch die ICNIRP vorgeschlagen und sind seither weitgehend unverändert geblieben. Und es ist nicht zu bestreiten, dass eine thermische Größe wie SAR als Grenzwert für rein thermische gesundheitsschädigende Wirkungen von Feldern zweckmäßig ist.

Wenn jedoch die athermischen Wirkungen von elektromagnetischen Feldern betrachtet werden, dann sind es die elektrischen und magnetischen Feldstärken, die auf den menschlichen Körper einwirken, und nicht mehr die Temperaturerhöhung. Wenn einmal wegen neu nachgewiesener athermischer Wirkungen die Grenzwerte für abgestrahlte Leistung um eine ganze Anzahl Zehnerpotenzen oder Größenordnungen abgesenkt werden müssten, dann hätte dieses schwer wiegende finanzielle Auswirkungen auf die Mobilfunkbetreiber, denn die heute angewandte, auf die thermischen Grenzwerte ausgerichtete Technologie müsste ersetzt oder in stark veränderter Weise eingesetzt werden. Unverändert hohe Grenzwerte sind ein existenzielles Interesse der Betreiber.

Im Interesse der Betreiber liegt es, wenn weiterhin nur die thermischen Wirkungen überhaupt als existierend anerkannt werden, und diese können mit der SAR hinreichend genau beschrieben werden. Jede andere als die thermische Betrachtung von Feldwirkungen ist eine potenzielle Gefährdung der geltenden Grenzwerte, auf denen die Wirtschaftlichkeit der heutigen Form des Mobilfunks beruht. Jede Verwendung eines anderen Maßes als der thermischen SAR würde sofort implizieren, dass es noch andere als Wärmewirkungen der Felder geben kann. Aus diesem Grund wäre ein Ersatz der SAR als Standard durch die Feldstärke bei der Forschung und Beschreibung der biologischen Wirkungen der Felder ganz klar gegen das Interesse der Mobilfunkbetreiber.

Die internationale Abstimmung von Grenzwerten zum Schutz der Gesundheit erfolgt meist durch die Weltgesundheitsorganisation WHO. Das ICNIRP-Mitglied Repacholi hatte es während einiger Jahre persönlich übernommen, bei der WHO die internationale Forschung zu allen biologischen Wirkungen von elektromagnetischen Feldern, also auch zu athermischen, zu koordinieren.

Höchste Gefahr schien den hohen Mobilfunkgrenzwerten zu drohen, als sich Gro Brundtland, Direktorin der WHO, als "elektrosensibel" auf Mobiltelefone outete [1]. Die Vorgesetzte Repacholis machte an sich selbst athermische biologische Wirkungen geltend. In seinem WHO Factsheet 296 hatte der Physiker Repacholi die medizinische Diagnose gestellt: "Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass die Symptome [von Elektrosensibilität, Anm. des Verfassers] durch bestehende psychiatrische Bedingungen ... begründet sein dürften, eher als durch die Einwirkung von EMF selbst." [2].

Es wird als Gerücht kolportiert, Repacholi habe seine Vorgesetzte Brundtland wegen ihres Outings vor Dritten als "lunatic" (mondsüchtig, verrückt) bezeichnet. Die "Elektrosensible" Brundtland trat kurz darauf von ihrem Amt bei der WHO zurück. - Ob die Ereignisse genau so stattgefunden haben, und ob sie einen inneren Zusammenhang aufweisen, ist unklar. Fakt ist jedenfalls, dass der heutige ICNIRP-Ehrenvorsitzende Repacholi seine "elektrosensible" Vorgesetzte im Amt bei der WHO überdauert hat. Fakt ist weiterhin, dass Repacholi die Anwendung der SAR als Standard für Forschung im athermischen Bereich vertreten hat, siehe nächste These.

Für die beherrschende Rolle der ICNIRP in Strahlenschutz und Strahlenforschung gibt es auch auf nationaler Ebene Beispiele: Das ICNIRP-Gründungsmitglied Jürgen Bernhardt war auch Mitglied der staatlichen deutschen Strahlenschutzkommission SSK. Das ICNIRP-Mitglied Anders Ahlbom wurde bestimmt, das rein staatlich finanzierte schweizerische Nationale Forschungsprogramm 57 NFP57 zu koordinieren [3].

These 4: SAR ist private Wissenschaftspolitik

Wissenschaft, insbesondere Naturwissenschaft, ist politisch unabhängig und sucht nach allgemein gültigen Erkenntnissen und Wahrheiten. Dieses Regelbild, das man sich von der Wissenschaft macht, kennt eine Ausnahme, und diese heißt: Bioelectromagnetics.

Zur Begründung von Grenzwerten für den Schutz der menschlichen Gesundheit werden wissenschaftliche Erkenntnisse herangezogen. Wem eine Absenkung von gegebenen Grenzwerten schaden könnte und wer rational denkt, der wird versuchen, wissenschaftliche Erkenntnisse herbeizuführen, welche gegen eine Absenkung der Grenzwerte sprechen.

Ein sehr großer Teil der bioelektromagnetischen Forschung wird von der Mobilfunkindustrie bezahlt und auch durch diese koordiniert. So gelangt jährlich eine große Anzahl von Studien mit beruhigendem Inhalt zu möglichen athermischen Wirkungen von Funkfeldern zur Publikation. Diese Studien haben einen gemeinsamen Nenner: Sie beschreiben die Felder durch das wissenschaftsferne thermische Maß SAR. Es scheint, dass das ICNIRP-Mitglied Repacholi persönlich im Namen der WHO für Bioelectromagnetics-Studien vorgab, Studien zu athermischen Wirkungen müssten als eines von vier Kriterien für ihre "Wissenschaftlichkeit" die SAR verwenden [4].

Die Vorschrift, bei Studien zu athermischen Wirkungen die SAR anzuwenden, ist nicht ohne Folgen. Wer heute athermische Wirkungen wissenschaftlich nachweisen will, der muss die Befeldung mit der Größe SAR beschreiben, damit seine Studie und sein möglicher Änderungsvorschlag zu Grenzwerten überhaupt als wissenschaftlich anerkannt werden.

Wie konnte es gelingen, den auf ihre Wissenschaftlichkeit stolzen Naturwissenschaftlern die Verwendung eines wissenschaftsfernen (und unpräzisen, siehe unten) Maßes vorzuschreiben? Repacholi verfügte zu seiner aktiven Zeit als ICNIRP-Mitglied und als Forschungskoordinator der WHO über eine abnorme Machtfülle bei der Verteilung der Forschungsaufträge und -gelder.

Anders als in allen anderen Wissenschaften werden in Bioelectromagnetics die Forschungsziele, Forschungsgegenstände und Masseinheiten nicht durch die “Scientific Community” autonom bestimmt, sondern diese werden hier von außen stehenden Privaten vorgegeben, nämlich vom privaten Verein ICNIRP, der die Interessen von praktisch nur einer einzigen Branche, der Mobilfunkindustrie, vertritt. Faktisch ist Bioelectromagnetics eine Privatwissenschaft mit privat vorgegebenen Regeln. Als solche ist sie die erste Vertreterin einer neuen Art von Wissenschaft (außerhalb dessen, was als im engeren Sinn als Esoterik bezeichnet wird), und als solche harrt sie noch der Erfassung und Beschreibung durch die Wissenschaftstheorie.

These 5: SAR ist geheime Phantomwissenschaft

Zum Maß SAR gibt es keine öffentlich zugängliche Definition, welche gleichzeitig für jedermann praktikabel ist. Und es gibt keine Messgeräte für die SAR. Die SAR ist streng genommen nicht einmal theoretisch genau messbar, denn nur für homogene Körper gibt es eine einheitliche SAR. Da der menschliche Körper aus so heterogenen Teilen wie Fettschichten, Muskeln, mit Wasser oder mit Luft gefüllten Hohlräumen etc. besteht, kann die SAR für einen Menschen oder auch nur für Körperteile lediglich genähert werden – mit großem Aufwand – und die SAR kann nur mit als "Phantom" (sic) bezeichneten Körpermodellen simuliert werden.

Wir zitieren zwei gänzlich unterschiedliche Definitionen aus den USA [5]:

Dabei fällt auf, dass ein und dasselbe Maß SAR unterschiedlich definiert wird. Während die Definition des IEEE mit den Ausdrücken "incremental" und "time derivative" noch anzeigt, dass es mit einer simplen Division von Watt durch Kilogramm nicht getan ist, sondern dass die die Erwärmung ein zeitlich und kleinörtlich dynamischer Prozess ist, dessen mathematische Darstellung neben "Watt" und "Kilogramm" zahlreiche Variablen und Konstanten erfordert, besagt die Definition nach ANSI nur, dass die SAR eine zeitbezogene Energiezufuhr und -weiterleitung in einer nicht näher spezifizierten biologischen Masse beschreibt.

Es fällt weiter auf, dass beide Definitionen das Wort "Zeit" enthalten, dass aber die Zeit in dem gebräuchlichen Maß W/kg überhaupt nicht erscheint, vor allem nicht die in der SAR-Schätzpraxis angewandte Zeitgrenzen von 6 Minuten.

“Die Anwendung des unangebrach-
ten und geheimnisvollen Maßes SAR rückt Bioelectromagnetics in die Nähe esoterischer Geheimwissenschaften.”

Im Zusammenhang mit athermischen Wirkungen ist und bleibt die SAR ein irrelevantes und in der Praxis vom einzelnen Wissenschaftler nicht richtig handhabbares theoretisches Konstrukt. Dennoch haben die meisten Staaten dieser Erde die SAR sogar in ihre Gesetzgebung integriert. Wer die thermische Größe SAR als Maß für Kräfte von Feldern heranzieht, der verwendet letztlich auch ein geheimnisvolles Maß. Die Anwendung der SAR für athermische Effekte unterscheidet sich somit von der Anwendung von Bovis-Einheiten für sogenannte Kraftorte nur graduell. Die Anwendung des unangebrachten und geheimnisvollen Maßes SAR rückt Bioelectromagnetics in die Nähe esoterischer Geheimwissenschaften. Dazu, dass sich heute Bioelectromagnetics-Wissenschaftler in immer genaueren SAR-Angaben zu übertreffen versuchen, sei spontan auf mittelalterliche Scholastiker verwiesen, die sich gegenseitig in der Genauigkeit der Angabe dazu übertrafen, wie viele Engel auf einer Nadelspitze Platz finden.

An die SAR sind in der realen Welt nur Annäherungen möglich, und dieses auch nur mit als Phantom bezeichneten menschenförmigen Puppen oder mit komplexen mathematischen Näherungsmodellen. Der wissenschaftliche Benutzer von SAR als Maß dürfte kaum in der Lage sein, alle Aspekte der Phantome oder der rechnerischen Modelle nachzuvollziehen. Diese Phantome sind das Eigentum privater Dritter, auf deren Nutzung nicht ein bedingungsloser Anspruch durch beliebige Wissenschaftler besteht, während die Wissenschaftler anderer Wissenschaftsrichtungen beliebig über die für ihren Beruf erforderlichen Messeinrichtungen verfügen können, z.B. für Längen- und Zeitmessungen.

Während einige Autoren vertreten, dass es schwierig sei, die Feldstärke im Körperinneren zu berechnen, meinen andere, die Messung der Feldstärke sei das Einfachste, und wieder andere legen dar, die SAR könne nur sehr aufwendig und nur in Labors berechnet werden. Unabhängig davon sind alle aufwendigen Simulationen und Kalkulationen zur SAR müßig, denn die SAR ist und bleibt untauglich zur Beschreibung dessen, was die Felder im Körper außer der Aufheizung durch die Schwingungserregung von Wassermolekülen sonst noch tun.

These 6: SAR ist wissenschaftsfeindlich

In astronomischer Forschung könnten auch Hohlmaße zur Beschreibung von astronomischen Verhältnissen anstelle der Längenmasse verwendet werden. Wer in astronomischer Forschung jedoch tatsächlich Hohlmasse anwendet, der wird nie das All erklären können, weil Massen und Abstände relevant sind, und nicht der Raumbedarf von Himmelskörpern und Zwischenräumen. Wer für seine Forschung zu athermischen biologischen Effekten elektromagnetischer Felder ein Temperaturmaß verwendet, der wird diese Effekte nie erklären können, weil die elektrischen und magnetischen Kräfte, die auf die Zellen und ihre Bestandteile wirken, relevant sind, und nicht geringfügigste Temperaturänderungen. Diese wissenschaftsfeindliche Auswirkung der obligatorischen Anwendung von SAR kommt den Interessen der Mobilfunkindustrie an solchen bioelektromagnetischen Studien entgegen, die keine athermischen Wirkungen von Feldern finden.

In den Naturwissenschaften haben wir nirgends vergleichbar korruptes Denken (korrupt im Wortsinn der Fehlermeldung "korrupte Datenbank") gefunden wie in Bioelectromagnetics im Zusammenhang mit SAR und athermischen biologischen Wirkungen.

Die elektromagnetischen Felder, welche die Antennen von Mobilfunkbasisstationen und von Mobiltelefonen in Mikrowellenfrequenzen abstrahlen, und die auch auf unseren Körper treffen, können wir unterhalb der geltenden Grenzwerte nicht wahrnehmen. Für alle Aussagen zu schwachen Feldern bedarf es technischer Mittel zum Nachweis und zur Messung, wozu es verschiedene Maßeinheiten und Maße gibt:

Für alle angeführten Maße existieren Messinstrumente, außer für die SAR. Wo dennoch von SAR-Messung gesprochen wird, wird tatsächlich die Feldstärke gemessen, und der SAR-Wert wird letztlich aus dieser berechnet (Beispiel [6]: „Mit der eingesetzten Feldsonde werden die drei in der Flüssigkeit auftretenden elektrischen Feldstärkekomponenten Ex, Ey und Ez gemessen. Die Messung erfolgt mit Hilfe dreier senkrecht zueinander angeordneter, kleiner Dipolantennen. Die Gesamtfeldstärke Ei erhält man durch vektorielle Überlagerung der Einzelkomponenten … Die elektrische Feldstärke in einem Material ist direkt über die Leitfähigkeit σ mit der Stromdichte J verbunden: J = σ Ei . Die Spezifische Absorptionsrate berechnet sich dann zu:

SAR = σ Ei² / ρ,

wobei ρ die Dichte des Gewebes ist.“).

Wenn die Grenzwerte von Basisstationen nicht überschritten werden, was kaum je der Fall ist, dann erwärmt sich der Körper des Menschen im Bereich von Tausendstel bis Hundertstel Grad. Diese Erwärmung ist also derart gering, dass sie am lebenden Objekt nicht einmal gemessen werden, und demzufolge auch nicht die Gesundheit beeinflussen oder gar schädigen kann.

Für die Beurteilung, wie die Felder auf die menschliche Gesundheit wirken, sind allein die elektrischen und magnetischen Kräfte, welche auf die Moleküle menschlicher Organzellen einwirken (elektrische und magnetische Feldstärke, V/m bzw. A/m) maßgebend; nur bei außergewöhnlich starken Feldern umschreibt die thermische SAR (W/kg) die Erwärmung des Körpers in sinnvoller Weise.

Es kann, soll und muss auf die SAR, die nur den quasi fiktiven Erwärmungseffekt ausdrückt, bei der Untersuchung von athermischen Wirkungen verzichtet werden.

These 7: SAR ist vage, unbestimmt, fiktiv und imaginär

Zur Unbestimmtheit der SAR im Allgemeinen wurde zuvor dargelegt, dass zur SAR nur Näherungen möglich sind, mit komplexen Näherungsmodellen und mit Körpermodellen ("Phantom"). Die SAR kann in der Praxis nicht einmal gemessen werden, es gibt kein Messinstrument für die SAR.

Das intensive sich Befassen mit der SAR, die nur ein Durchschnittswert über die Zeit und damit über die Pulse der Mobilfunkstrahlung ist, und selbst die Diskussion über die Unzulänglichkeiten dieses Maßes haben einen Ablenkungseffekt. Mit der SAR wird nämlich davon abgelenkt, dass in Wirklichkeit nur die an den betrachteten Körperorganen vorhandenen jeweiligen Spitzenwerte der Feldstärke sowie wahrscheinlich der Rhythmus der Pulsung für die athermischen biologischen Wirkungen zuständig sind. Die durchschnittliche Erwärmung ist im Alltag von Mobilfunk und Elektronik von nicht mess- oder fühlbarer Geringfügigkeit. Wäre es wirklich die Wärme, welche die biologischen Wirkungen auslöst, wie die Verwendung des thermischen Maßes SAR in Studien zu den athermischen Wirkungen suggeriert, dann könnten sich die Wissenschaftler bei ihren Experimenten die simulierte Mobilfunkstrahlung sparen, mit der sie Versuchstiere und -personen befelden, und sie könnten diese statt dessen mit medizinischen Mikrowellen- oder Infrarot-Bestrahlern erwärmen.

These 8: SAR ist irreführend und täuschend

Als Beispiel zu dieser These dienen uns die weit verbreiteten DECT-Basisstationen. Diese senden im Ruhezustand jede Hundertstelsekunde mit 250 mW Leistung einen Puls von 0,083 ms Dauer. Über die Zeit gemittelt beträgt die Leistung 9 mW, was in SAR umgesetzt weniger als 0,1 W/kg sind. Die (gemittelte) SAR liegt weit unter dem empfohlenen thermischen Grenzwert von 2 W/kg. Was heißt hier aber SAR? Der Begriff SAR sagt bei einer frei stehenden Antenne nichts darüber, in welchem Abstand sich die in Kilogramm ausgedrückte menschliche Körpermaße von der Antenne befindet. Von der im Körper des Menschen wirksamen Feldstärke während der sogenannten Bursts spricht kaum je einer überhaupt, denn die Diskussion über die SAR lenkt alle davon ab. Die abgestrahlte Leistung während der Bursts ist jedoch 27-mal stärker als der Durchschnitt, welcher der gemittelten SAR zugrunde liegt. Die starken Felder während der Pulse könnten erklären, weshalb sich Menschen in der Nähe von DECT-Basisstationen über gesundheitliche Symptome beschweren, trotz sehr niedriger SAR. Die SAR ist als Maß für einen Grenzwert, der vor athermischen Wirkungen schützen soll, untauglich. Dieses führt uns zu einer Kernaussage dieser Thesen.

Der logische Ausgangspunkt für Grenzwerte, die vor athermischen Wirkungen schützen sollen, sind die Feldstärken, die an der Stelle des Körpers vorhanden sind und wirksam werden, an welcher die Kräfte des Feldes an einem Zellbestandteil eine Wirkung entfalten, welche dieser als Körpersignal weiter leitet, und der als Störsignal letztlich anderswo im Organismus in Form einer gestörten Körperfunktionen gesundheitlich wirksam wird. Die für den "Empfang" relevanten Körperstellen und die wirksamen Feldstärken sind noch nicht ermittelt worden (Analoges gilt auch für genotoxische Wirkungen).

“Die Verwendung und Nennung der SAR in der Erforschung nicht-thermischer biologischer Effekte muss als krass unprofessionell und unwissenschaftlich bezeichnet werden.”

Der logische Endpunkt der Grenzwerte ist eine Begrenzung der abstrahlten Leistung während der Bursts oder Pulse, welche in Watt ausgedrückt wird, in Abhängigkeit vom gewöhnlichen Abstand und vom Material zwischen der Antenne und der relevanten Körperstelle des Benutzers oder Anwohners. Das zeigt uns, dass die SAR als "Grenzwert" eine berechtigte Funktion nur als oberste Limite von rein thermisch und nicht anders wirksamen Feldern hat.

Ohne dass sich an der These 8 dadurch grundsätzlich etwas ändert, vertiefen wir das Thema Irreführung und Täuschung mit Hilfe von SAR nachfolgend noch etwas.

Die Energie eines von der Antenne abgestrahlten Feldes trifft beim Menschen zunächst auf seine Oberfläche. Mit der Leistungsflussdichte (W/m²) kann exakt messbar beschrieben werden, wie viel Energie auf einer bestimmten Oberfläche ankommt, und dort in den Körper eindringen und im Körperinneren Leistung abgeben kann. Was tut die Strahlung nun im Inneren des Körpers?

Letztendlich wird die meiste Strahlungsenergie in Wärme umgewandelt. Die SAR gibt die von der Antenne stammende Leistung an, welche im Körper in Wärme umgewandelt wird. Die Geringfügigkeit dieser Erwärmung macht die SAR biologisch irrelevant.

Bevor die Felder jedoch in Wärme umgewandelt werden, haben sie im Inneren des menschlichen Körpers mit Kräften an Massen und an elektrischen Ladungen angesetzt. Eine solche Kraft wird als Feldstärke bezeichnet. Die Wirkung dieser Kräfte ist der Gegenstand der Forschung zu den athermischen Wirkungen. Das Maß für die elektrische Feldstärke ist V/m (Volt pro Meter), und das Maß für die magnetische Feldstärke ist A/m (Ampère pro Meter). Nur die Feldstärke drückt aus, welche physikalische Kraft das ursprünglich von der Antenne abgestrahlte Feld an einer ganz bestimmten betrachteten Stelle, zum Beispiel in einer bestimmten Körperzelle auf ein Molekül und seine Bestandteile ausüben kann. Auf die Zellen und auf ihre kleinsten Bestandteile, die Moleküle, wirkt konkret die bei der Zelle jeweils momentan vorhandene Feldstärke ein, nicht etwa eine durchschnittliche Feldstärke. Für die Wirkung der Felder ist also nur die bei der Zelle im Körperinneren während des Bursts oder Pulses vorhandene maximale Feldstärke maßgebend.

Wie groß diese Kräfte tief im Inneren des Körpers noch sind, hängt von mehren Faktoren ab, von denen die maßgebenden die an der Oberfläche ankommende Leistungsflussdichte und die Tiefe der betrachteten Organe unter der Körperoberfläche sind. Verbreitung und Abschwächung der Felder im Körperinneren hängen von der Frequenz der Felder ab und von der Zusammensetzung des untersuchten Körpers nach wässerigen Bestandteilen, Fett, Knochen und gefüllten oder leeren Hohlräumen.

Wenngleich bei Mobilfunkfrequenzen die Energie einzelner Photonen lediglich 0,001 Elektronenvolt beträgt, was normalerweise für physikalische Wirkungen auf Moleküle ungenügend ist, sind biologische Wirkungen beobachtet worden, zu denen der noch unbekannte Wirkmechanismus gefunden werden muss. Mit Sicherheit ist die Ursache aber nicht die gemittelte Wärmewirkung, welche durch die SAR ausgedrückt wird, und lediglich Tausendstel bis Hundertstel Grad beträgt. Die SAR als eine über den Durchschnitt des Körpers und der Zeit oder Pulse gemittelte Größe eignet sich in keiner Weise zu bestimmen oder zu beurteilen, mit welcher Intensität ein bestimmtes Organ im Körper biologisch wirksam befeldet wird, oder mit welcher Feldstärke das Funkfeld im Inneren des Körpers Kräfte auf Massen und Ladungen ausübt.

Da die SAR einzig die durchschnittliche Erwärmung des ganzen betrachteten Körpers oder Körperteils anzeigt, ist sie für die Beurteilung der Wirkung des Feldes auf den Organismus dermaßen ungenau und ungeeignet, dass ihre Verwendung und Nennung in der Erforschung nichtthermischer biologischer Effekte als krass unprofessionell und unwissenschaftlich bezeichnet werden muss. In den Ingenieurwissenschaften wäre beispielsweise ein variables Längenmaß als Standard undenkbar, genauso wie im Sport ein variables Zeitmaß – mit derart absurden Dingen vergleichbar ist die Verwendung des nur ungenau bestimmbaren thermischen SAR-Durchschnittswertes an der Stelle der jeweils momentan an Ort und Stelle wirkenden Feldstärke bei der Erforschung und Messung von athermischen Wirkungen von Feldern.

Zur "Umrechnung" der physikalisch wirksamen Feldstärke (V/m) in die biologisch unwirksame SAR (W/kg) und umgekehrt gibt es "Formeln". In einem ersten Umrechnungsschritt von der Feldstärke zur Leistungsflussdichte entspricht eine Feldstärke von z.B. 0,6 V/m einer Leistungsflussdichte von 1 mW/m². Im zweiten Umrechnungsschritt von der Leistungsflussdichte (W/m²) in die SAR (W/kg) entspricht im Fall von Wasser und unter der Annahme einer vollständigen Absorption der Energie, ohne Reflexion und ohne Austreten an der Rückseite, eine Leistungsflussdichte von 1 W/m² einer SAR von 1 mW/kg. Die Täuschung bei derartigen Umrechnungen besteht darin,

– dass die Feldstärke richtig angibt, welche Kraft in einem bestimmten Moment an einer ganz bestimmten Stelle physikalisch wirksam ist, beispielsweise während einer Leistungsspitze 10 mm unter der Haut,

– dass die Leistungsflussdichte richtig angibt, welche Leistung an der Oberfläche (m²) eines Körpers ankommt, manchmal für den Moment, manchmal für einen Zeitdurchschnitt,

– dass die SAR in aller Regel in Bezug auf athermische Wirkungen irreführend stets nur angibt, wie viel Strahlungsenergie der Körper pro Masseeinheit (kg) im Durchschnitt in einem ganzen Zeitabschnitt absorbiert und über den Durchschnitt des ganzen Körpers oder Körperteils bei der Absorption in Wärme umwandelt.

Mit der SAR als Durchschnittswert ist es auch nicht näherungsweise möglich, Auskunft darüber zu erhalten, wie hoch die physikalisch wirksame Feldstärke an der exponierten Oberfläche ist, und auch nicht wie hoch sie 5, 10 oder 50 mm darunter ist, und noch viel weniger darüber, welche maximale Feldstärke, z.B. während eines Pulses bei getakteter Übermittlungsweise an einer bestimmten Stelle am oder im Körper vorhanden ist. Mit der "Umrechnung" von SAR in Feldstärke und umgekehrt wird vorgetäuscht, die biophysikalische Wirksamkeit der Felder sei durch die Angabe einer SAR überhaupt und darüber hinaus auch noch genau erfasst und dokumentiert worden – was jedoch in keiner Weise zutrifft.

Gleich hohe angegebene SAR-Werte können – für athermische Wirkungen relevant – in der Praxis ...

– abhängig von der Pulsung um den Faktor 27 unterschiedliche Feldstärken an der Oberfläche bedeuten.

– abhängig vom Betriebszustand oder vom Abstand zwischen Mobilteil und Basis um den Faktor 1000 unterschiedlich hohe tatsächlich auftretende Feldstärken umfassen.

– abhängig von der Tiefe des betrachteten Organs im Körperinneren um viele Zehnerpotenzen unterschiedlich hohe in der Tiefe des Köpers wirkende Feldstärken bedeuten.

In der Summe ist SAR als Indikator und als Vergleichsmaßstab für an menschlichen Organen wirksame Feldstärken viel zu ungenau. Das Produkt aus allen Fehlern dürfte sich geschätzt auf bis zu 10 Zehnerpotenzen belaufen.

These 9: SAR ist Herrschaftsinstrument

Wer sich als Naturwissenschaftler, als Physiker oder Biologe zwingen lässt, mit einem widersinnigen Maß zu arbeiten, der wird sich auch dazu zwingen lassen, widersinnige Fragestellungen zu bearbeiten und widersinnige Resultate abzuliefern und zu vertreten. Wer genügend lange ohne Murren mit der SAR exerziert hat, der beweist seine Zuverlässigkeit in der Vertretung des festen Glaubens, dass es gesundheitlich relevante Wirkungen von Feldern weder geben kann noch geben darf, und dass es solche demzufolge nicht gibt. Wer als Naturwissenschaftler so fest in diesem Glauben ist, der wird an dessen Inhalten nicht zweifeln, und auch nicht aus eigenem Antrieb ernsthaft nach einem Zusammenhang zwischen Feldern und Symptomen forschen, oder einen solchen auch nur als möglich erwägen.

These 10: SAR ist ersetzbar

Wie jede naturwissenschaftliche Forschung braucht auch die Forschung zu biologischen Wirkungen von Feldern einen standardisierten Satz von Masseinheiten. Bioelectromagnetics benötigt ein Maß für die Stärke der auf die untersuchten Körperstellen einwirkenden Kräfte aus elektromagnetischen Feldern. Dieses Maß muss von jedem beliebigen Dritten reproduzierbar sein. Wenn ein solches Maß fehlt, dann sind Forschungsergebnisse weder miteinander vergleichbar, noch durch spätere Experimente widerlegbar, noch sind sie für praktische Folgerungen wie Grenzwertfestlegungen verwendbar. Heute wird in Bioelectromagnetics als "Vergleichsmaßstab" die vage, unbestimmte und nicht messbare SAR verwendet. Richtig wäre die Angabe der an der untersuchten Körperstelle angetroffenen Feldstärke, mit Angabe weiterer Charakteristika des oder der vorhandenen Felder. Diese Angabe müsste die über den ganzen Körper oder einen Körperteil gemittelte geringfügige simulierte Erwärmung gemäß SAR, ersetzen.

“Wenn ein solches Maß fehlt, dann sind Forschungsergebnisse weder miteinander vergleichbar, noch durch spätere Experimente wider-legbar, noch sind sie für praktische Folgerungen wie Grenzwert-festlegungen verwendbar.”

Es ist die maximale Feldstärke während der Pulse, welche auf die Masse und auf die elektrischen Ladungen im untersuchten Körper einwirkt und biophysikalisch als Auslöser von Symptomen auf Organ- und Organismusebene in Frage kommt, nicht der über die Zeit gemittelte, oft sehr weit darunter liegende Durchschnitt. Die für die biologische Wirkung allein zuständigen Spitzen-Feldstärken, die bildhaft gesprochen gleichsam nadelförmig aus dem Durchschnitt oder aus den Pausen hervorragen, können in der Praxis bei identischer SAR beispielsweise um den Faktor 1000 variieren. Jedermann kann ohne weiteres nachvollziehen, dass die SAR selbst mit Umrechnungsformeln als Ersatz-Vergleichsmaßstab für die biologisch wirksame Feldstärke untauglich ist, weil sie eben nur einen vagen Durchschnitt ausdrückt. Dazu kommt, dass bei Anwendung der SAR jede Information zur Frequenz und zur Modulation der Felder, sowie zum Rhythmus und zur Dauer der Pulse, welche wahrscheinlich für bestimmte biologische Effekte entscheidend sind, verloren geht.

Die SAR ist nicht nur bezüglich der Pulsung ein Durchschnittswert, er ist es auch bezüglich des lebenden Körpers oder Körperteils, auf den sie bezogen wird. Die Erwärmung eines in der Tiefe liegenden Organs ist dermaßen gering, dass sie irrelevant ist, und ihre Schätzung ist daher vollends müßig.

Wenn als weitere Hypothese unterstellt würde, die biologische Wirkung der Felder auf den Organismus sei nicht linear, sondern erfolge erst ab einem bestimmten Schwellenwert, der zudem individuell unterschiedlich sein möge, dann bleibt endgültig nur die Feldstärke der Spitzenwerte der einzige mögliche und gültige Vergleichsmaßstab bei der Interpretation verschiedener Studien, zusammen mit den ergänzenden Informationen zu Frequenz, Pulsrhythmus und allenfalls Modulation der Felder.

Sowohl die Feldstärke im so genannten Nahfeld als auch die SAR können nicht gemessen, sondern nur geschätzt werden. Die Feldstärke beschreibt aber die tatsächlichen Kräfte, welche auf den Untersuchungsgegenstand einwirken, während SAR einen nicht einmal messbaren, biologisch mit Sicherheit unwirksamen Temperaturanstieg beschreibt. Auch wenn nur geschätzt werden kann, dann bitte das Maß für die relevante Kraftwirkung der Felder schätzen und nicht das Maß für eine garantiert biologisch unwirksame, nicht einmal messbare Temperaturerhöhung.

Daß es möglich ist, mit der Feldstärke zu arbeiten, belegen nicht wenige Studien, in denen neben der SAR auch Feldstärke und Leistungsflussdichte genannt werden (Beispiel: [7]). Genauso ist es möglich, im athermischen Bereich die SAR als Standardmaß durch den neuen, der Sache gerechten, genau messbaren metrischen Standard Feldstärke zu ersetzen.

Epilog

Eben fiel noch auf, dass Bernard Veyret vom IMS in Bordeaux beim Abschluss des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms DMF als ungeklärte Frage in den Raum stellte:

"Ist SAR das richtige Maß, selbst wenn die Effekte nur thermisch sind?"
 www.emf-forschungsprogramm.de/abschlussphase/DMF_FinalConference_June2008_Veyret.pdf

Als Antwort zum richtigen Maß mag der Temperaturanstieg oder die Feldstärke suggeriert worden sein. Jedenfalls ist die SAR nicht ein für alle Mal das einzig richtige Maß.

Quellen

[1] http://www.detect-protect.com/k/evidence/gro_harlem_brundtland.htm

[2] www.who.int/entity/peh-emf/publications/facts/ehs_fs_296_german.pdf

[3] http://www.nfp57.ch/d_portraet_organisation.cfm

[4] Huss, ... , Röösli, Source of Funding ..., http://www.ehponline.org/members/2006/9149/9149.pdf: "(iii) reporting of the specific absorption rate (SAR, W/kg tissue) from direct measurement using a phantom head or three-dimensional dosimetric calculations ("appropriate exposure setting"), deutsch: Angabe der spezifischen Absorptionsrate (SAR, W/kg Körpergewebe) durch direkte Messung anhand eines Phantomkopfes oder dreidimensionaler dosimetrischer Berechnungen ("korrektes Setting der Befeldung").

[5] http://ntrg.cs.tcd.ie/mobile/SAR.html

[6] SAR-Messkopf: http://209.85.135.104/search?q=cache:-Am035DGPlQJ:www.mobilfunkundschule.bayern.de/download/strahlung_handy.pdf+sar-messkopf&hl=de&ct=clnk&cd=1&gl=de

[7] http://www.emf-portal.de/viewer_expodata.php?aid=15455

 

 

Meldungen 2008

IZgMF-Website durchsuchen

 

Aktionen zum Mitmachen

Europapetition (FRA)

Krankheitsgeschichten

Ärzteappell organisieren

UMTS-Moratorium (GER)

Downloads

Gratis-Umrechner für Leistungsflussdichte, Feldstärke und mehrUmrechner für die gängigsten Einheiten im Mobilfunk

Miniplakate fürs Auto

An dieser Position blockiert ein Programm zur Unterdrückung von Popup-Fenstern oder ein Werbeblocker die Darstellung von Google-Anzeigen.

Gut zu wissen

Standortdatenbanken

Kein Versicherungsschutz für Mobilfunker

183 Fragen & Antworten
aus Sicht der Netzbetreiber

Mobilfunk-Telefonhotline des Bund Naturschutz in Bayern

Immobilien-Wertminderung

Handy: Mindestens 60 % der Sendeleistung bleibt im Kopf

Der Leuchtturmeffekt will erst noch erforscht werden

Getarnte Mobilfunkmasten

WLAN kontra PLC

Tipps & Tricks

DECT-Basisstationen mit Alufolie entschärfen

Handy klammheimlich auf Sendung? Selber testen mit Kofferradio!

Kinder

Spezielle Information für Kinder und Jugendliche

Britischer Strahlenschutz warnt vor Kinderhandys

Testballon: 3-Tasten-Handy für Kindergartenkinder

Kinderhandy: Diverse Medien werben fleißig für Mobilfunker

Profitsucht von T-Mobile macht vor Kindern nicht halt

Messen

Handystrahlung innerhalb eines Linienbusses

Das Wunder von NRW

Auch Funkmessprojekt Baden-Württemberg mit Verfahrensfehler

SAR-Messungen vor Ort

Funkmessprojekt Bayern

 

 

Zur Inhaltsübersicht Bitte klicken

 

Bürgerinitiativen

Liste der Bürgerinitiativen gegen Mobilfunk: Gleich jetzt hier eintragen!

Mobilfunkgeschichten:
Bürgerinitiativen erzählen

Bürgerkrieg wegen E-Plus-Sendemast

München: Handyverbot in Bussen und Bahnen

Veranstaltungskalender

Wann wo was los ist

Umfragen

Schon abgestimmt?

Forum

Diskutieren & Informieren

Linkliste

Links: Immer frisch & saftig

Gästebuch

Lob & Tadel

Gerichtsurteile

LG Kempten erkennt nicht auf Mietminderung

OVG Hamburg stoppt Baustopp gegen T-Mobile

Nachbar muss Mast dulden

VG Neustadt lehnt Eilantrag gegen Mobilfunkmast ab

Bebauungspläne in Rheinland-Pfalz keine Hürde für Mobilfunker

BVGH: Vodafone unterliegt

Sendeverbot für illegal errichtete Station

Na sowas!

Rätselhaftes Rindersterben auf dem Stengel-Hof

Minister Huber kneift

WLAN schlimmer als DECT

Schnurlostelefone: Auch DECT-Zulassung läuft Ende 2008 aus

Blauer Handyengel in Not

Gefährlich: Dacharbeiten unter Sendemasten

Naila: Krebs um Sender

Schmiergeldverdacht gegen Mobilfunkkonzern Ericsson

Digitaler Behördenfunk

Messtechniker melden “Widerstandsnester”

Spendable Anna Swelund verschenkt wieder Handys

Vorsorge

Mobilfunk-Vorsorgemodelle auf dem Prüfstand

Vorsorgemodell München

Vorsorgemodell Salzburg

Vier Tipps für intelligenten Umgang mit Handys

Telefonieren in Bus, Auto, Bahn doppelt schädlich

PLC: Die W-LAN-Alternative

Günstiges CT1+ Schnurlostelefon bei Conrad

Gut zu wissen

Standortdatenbanken

Kein Versicherungsschutz für Mobilfunker

183 Fragen & Antworten
aus Sicht der Netzbetreiber

Mobilfunk-Telefonhotline des Bund Naturschutz in Bayern

Immobilien-Wertminderung

Handy: Mindestens 60 % der Sendeleistung bleibt im Kopf hängen

BMW erlässt für DECT strengen Vorsorgegrenzwert

Der Leuchtturmeffekt will erst noch erforscht werden

Getarnte Mobilfunkmasten

WLAN kontra PLC