Mit heißer Nadel gestrickter Fragebogen (Elektrosensibilität)

KlaKla, Donnerstag, 21.04.2022, 08:55 (vor 794 Tagen) @ H. Lamarr

Dariusz ist der Überzeugung, dass EHS in der Vergangenheit schlecht behandelt wurden. Er ist auf der Suche, nach neuen wissenschaftlichen Ansätzen und qualitativ hochwertige wissenschaftliche Daten. Er bittet um Mithilfe der Betroffenen, sie sollten seinen Fragebogen ausfüllen. Mir fällt dabei auf, dass dieser Fragebogen nicht gerade professionell aufgemacht ist, was ich als Respektlos seinen Probanden gegenüber betrachte. Eine aneinander Reihung von Fragen, keine Zeilen Vorgabe, um den Fragebogen auszufüllen, keine persönlichen Angaben der Probanden, zu Alter, Beruf, oder Vorerkrankungen, Raucher oder Nichtraucher, keine Abfrage zu den Symptome, keine Zeitliche Eingrenzung, seit wann sie ihre Symptome haben, keine Unterschrift, kein Datum, keine Belehrung, keine Datenschutzerklärung. Dariusz setzt vorausgesetzt, dass die EHS willig und kreativ sind.

Ich bin kreativ und beantworte aus meiner Erfahrung mit EHS seine Fragen wie folgt,

1. Vor- und Nachname (in dem Forschungsbericht werden später nur die Initialen verwendet).

Ich heiße Ludmilla Maier

2. Wo leben Sie - auf dem Land, in der Vorstadt oder in der Stadt? Machen Sie einige Angaben zur Nachbarschaft und zur Umgebung.

Ich lebe in der Großstadt xxx. Links und rechts Häuserschluchten, ein Supermark, ein Friseur und eine Fahrschule. Keine Grünflächen zur Erholung in der näheren Umgebung. Eine viel befahrene Straße drei Block weiter, da ist ein Industriegebiet. Die Straßenbahn fährt durch mein Stadtteil.

3. In welcher Art von Gebäude leben Sie, z.B. in einem Einfamilienhaus, einem Mehrfamilienhaus oder etwas anderem?

In einem Wohnblock mit 12 Parteien, verteilt auf drei Ebenen. Ich wohne im zweiten Stock einer zwei Zimmer Wohnung, habe einen kleinen Balkon den ich nicht nutzen kann.

4. Gibt es Mobilfunksendeanlagen auf dem Gebäude oder in einiger Entfernung (wie weit); nennen Sie bitte Anzahl und wenn möglich die Art der Antennen.

Auf meinem Wohnblock steht keine Antenne aber 5 Eingänge weiter auf dem Nachbargebäude steht eine große Antenne. Sie hat 6 großen grauen Kästen und drei kleine. Ich würde sagen 100 m von meiner Wohnung entfernt. Da denke, da ist UMTS, LTE und 5G drauf.

5. Gibt es in der Nähe Stromleitungen oder Umspannwerke (wie weit entfernt)?

In der Mitte der Straße verläuft eine oberirdische Stromleitungen der Straßenbahn. In meiner Wohnung ein Kabelschacht und in den Wänden Unterputzkabel. Ein Umspannwerk gibt es hier nicht.

6. Kennen Sie die Strahlungswerte innerhalb und außerhalb des Gebäudes und, wenn ja, wer hat und wie wurde die Strahlung gemessen?

Klar kenne ich die Werte, habe ein Messgerät auf Empfehlung gekauft, in meiner Wohnung habe ich 31 – 186 µW/m² draußen im freien 453 µW/m² - 1588µW/m² ist sehr unterschiedlich und abhängig von der Tageszeit.

7. Wie haben Sie von der elektromagnetischen Überempfindlichkeit (EHS) erfahren? Haben Sie von EHS gehört, bevor Sie gesundheitliche Symptome hatten? Oder hatten Sie zuerst gesundheitliche Symptome und haben erst dann nach Informationen darüber gesucht, was Ihre Gesundheitssymptome verursachen könnte?

Bis vor Ort eine Bürgerinitiative auf einen neu zu errichtenden Sendemast aufmerksam machte, in der Regionalen Tageszeitung habe ich von EHS nichts gewusst. Kopfschmerzen und einen hohen Blutdruck hatte ich schon bevor ich von EHS hörte. Ich dachte, ich bin allergisch auf die Ausdünstungen meines Fußbodens. Habe eine Fußbodenheizung in meiner Wohnung. Durch die BI wurden mir die Augen und Ohren geöffnet.

8. Was ist Ihrer Meinung nach die Ursache für Ihre eigenen EHS-Symptome, welche Art(en) der Exposition?

Die Ursache meiner EHS sind sicher die vielen Sendemasten in meiner Umgebung, das WLAN meiner Nachbarn und neu hinzu kamen die Teile die an jedem Heizkörper in meiner Wohnung montiert wurden. Ich habe aufmerksam die Berichte von Mediziner wie Dr. F. Adlkofer, Dr. C. Waldmann-Selsam, Dr. H. Banzhaf, Dr. W. Bergmann, Ulrich Weiner und B. Dohmen gelesen. Habe mich an Infoständen mit Infomaterial eingedeckt und an meine Nachbarn verteilt. Mich einer EHS-Selbsthilfegruppe angeschlossen. Ich habe ein Notfall-Handy welches ich wirklich nur im Notfall benutze. Danach habe ich immer ein rotes brennendes Ohr.

9. Kennen Sie aus eigener Erfahrung Mittel und Wege, wie Sie Ihre eigenen EHS-Symptome verhindern oder lindern können?

Ich habe mir ein Gerät auf Empfehlung gekauft, um immer zu wissen, welcher Strahlungsstärke ich an welchem Ort ausgesetzt bin. Ich trage abschirmende Unterwäsche und eine Schirmmütze wenn ich das Haus verlasse. Ich habe einen Teil meiner Wohnung professionell abschirmen lassen. Früher habe ich immer den Kreis der EHS aufgesucht, heute lasse ich dass, denn nach jedem Treffen verstärkten sich meine Symptome. Ich fühle mich machtlos, ausgeliefert und unverstanden. Wenn ich spazieren gehe, schaue ich nur noch auf den Boden, riskiere keinen Blick gen Himmel, da könnte ich eine Antenne sehen und ich könnte auf der Stelle umfallen weil mir schwindelig wird. Man stelle sich mal vor, dass passiert mir und keiner hilft mir auf, weil die Leute glauben ich bin doch nur betrunken.

10. Wie haben Sie festgestellt, dass Sie an EHS leiden - durch Selbstdiagnose oder durch ärztliche Diagnose?

Durch Selbstdiagnose, im Urlaub, am Mittelmeer bin ich Symptom frei. Erst wieder Zuhause in der Stadt geht mein Martyrium wieder los. Mein Hausarzt machte eine Standart-Blutuntersuchung, ein EKG und frage mich nach Stress Auslösern (Scheidung, Problem mit dem Arbeitgeber, Mobbing etc.). Er schrieb mich 5 Wochen krank, und schickte mich zum Neurologen. Dieser stellte fest, dass ich kerngesund bin. Am Ende empfahl mir mein Hausarzt, die Couch obwohl ich ihn zahlreiches Infomaterial über EHS zum studieren übergab. Ich lasse mich doch nicht psychiatrisiere!

11. Haben Sie sich mit Ihrem Gesundheitsproblem an einen Arzt gewandt? Wenn ja, war Ihr Arzt verständnisvoll und hilfreich, hat er Ihre Symptome bagatellisiert oder war er ratlos über Ihr Gesundheitsproblem?

Mein Hausarzt hatte kein Ahnung, ich musste ihn erst mal aufklären.

12. Hat Ihr Arzt eine Diagnose gestellt oder hatte er Probleme, Ihre Diagnose zu stellen - kennen Sie den Grund dafür?

Er hat mich zum Psychiater geschickt, damit ich mir meine Angst von der Seele reden. Und er hat mir ein Medikament gegen Depressionen verschieben. In der Zeitung habe ich gelesen, dass Ärzte Bonuszahlungen vom der Pharmaindustrie bekommen wenn sie deren Medikamente nur oft genug verschreiben. Das habe ich im Fernsehen gesehen. Und der Mobilfunkindustrie darf ja kein Schaden zugefügt werden durch Grenzwertsenkung. Wir EHS werden in die Ecke der Hypochonder gesteckt.

13. Treten Ihre EHS-Symptome sofort oder mit Verzögerung nach der Strahlenbelastung auf?

Mal sofort und dann wieder erst Stunden später, ich habe kein Muster.

14. Gibt es irgendwelche Faktoren (Wetter, Pollen, UV-Strahlung usw.), die Ihre EHS-Symptome verstärken oder leichter auslösen?

Ja, wenn ich eine Antenne sehe oder wenn ich von meinen Mitmenschen verstrahlt werde. An der Kasse im Supermarkt, führen sie unnötig lange Gespräche oder in der Straßenbahn, wenn ihnen langweilig ist. Heute haben schon Erstklässler ihr eigenes Handy.

15. Falls ein Arzt die Diagnose gestellt hat: Ich muss diesen Arzt kontaktieren, um seine Meinung zu erfahren, wie er die Diagnose gestellt hat. Bitte teilen Sie mir Kontaktdaten des Arztes mit, bevorzugt per E-Mail (diese Daten werden vertraulich behandelt).

Nein, dass geht mir doch etwas zu weit, ich müsste meinen Arzt der Schweigepflicht entbinden. Was weiss ich was sie untereinander reden. Sie müssen mir schon glauben, ich leide seit vielen Jahren und es werden ja auch immer mehr wie ich im Internet lese.

16. Wenn ein Arzt eine EHS-Diagnose gestellt hat: Auf welcher Grundlage wurde sie gestellt - nur auf Grundlage Ihrer mündlichen Beschreibung der Symptome oder hat der Arzt eine Untersuchung und klinische Tests durchgeführt?

Wie ich schon oben beschrieben habe, er hat mein Blut untersucht und ein EKG gemacht. Ach ja, eine Urin und Stuhlprobe musste ich auch abgeben. Tests hat er nicht gemacht, wäre ja auch noch schöner, wenn er mit dem Handy ein/aus spüren sie was kommen würde. Aber auf seinem Tisch hatte er ein DECT-Telefon. Welches ich ihn bat raus zu bringen.

17. Wenn ein Arzt die Diagnose anhand klinischer Tests gestellt hat: Welche Tests wurden durchgeführt und welche Ergebnisse oder Veränderungen wurden beobachtet?

Keine Test, ich bin doch kein Versuchstier.

18. Haben Sie vom Arzt Ratschläge erhalten, wie Sie Ihre Symptome verhindern oder lindern können?

Habe ich doch oben schon beschrieben, er hat mir ein Antidepressiva verschrieben und mich auf die Couch geschickt. Ich soll meine Stress Auslöser meiden.

Kommentar: So oder ähnlich könnten die Antworten ausfallen. Daraus neue qualitativ hochwertige wissenschaftliche Daten zu gewinnen erscheint mir suspekt. Ich bin kein Wissenschaftler, habe aber auch schon mal an einer Studie teilgenommen. Das hier erscheint mir eher eine Ausarbeitung einer BI zu sein, nicht die eines erfahrenen Wissenschaftler. :no:

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Meine Meinungsäußerung

Tags:
EHS, Datenschutz, Probanden, Fallgeschichten, Datenbank, Bagatellisiert, EHS-Fragebogen


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