Höhenmesserstreit aus Sicht der FAA (Technik)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 05.01.2022, 10:10 (vor 889 Tagen) @ H. Lamarr

► Gemäß Tom Wheeler hat die FCC in den USA einen von Boeing vorgeschlagenen 100-MHz-Schutzabstand zwischen dem für 5G freigegebenen Teil (3,7 GHz bis 3,98 GHz) des C-Bandes und dem aeronautischen Frequenzband (4,2 GHz bis 4,4 GHz) auf 220 MHz festgelegt, um Störungen zu minimieren. In der Schweiz wurde für 5G im C-Band der Bereich 3,5 GHz bis – 3,8 GHz freigegeben, die Aeronautik findet in der Schweiz unverändert zwischen 4,2 GHz und 4,4 GHz statt. Der Schutzabstand zwischen beiden Bändern beträgt damit in der Schweiz nicht 220 MHz, sondern ist mit 400 MHz fast doppelt so groß wie in den USA. Mutmaßlich ist dies der Hauptgrund dafür, warum das Bazl keine Sicherheitswarnung ausgesprochen hat. In Deutschland wurde 2019 das Band 3,4 GHz bis 3,7 GHz für öffentlichen Mobilfunk freigegeben, dessen Schutzabstand zur Aeronautik beträgt somit sogar 500 MHz. Allerdings schrumpft dieser Wert stellenweise auf 400 MHz wie in der Schweiz, da in Deutschland der Bereich 3,7 GHz bis 3,8 GHz für lokale nicht-öffentliche Mobilfunknetze (Campusnetze) freigegeben ist. Da 5G im Schweizer C-Band im TDD-Verfahren arbeitet, funken Sendemasten und Mobiltelefone ohne Duplexabstand im selben Frequenzbereich.

Am 3. Januar 2022 hat die FAA ihre Sicht der Dinge dokumentiert und macht deutlich, warum Europäer im Höhenmesserstreit entspannter und sogar Vorbild sein können. Des Pudels Kern ist der in Europa deutlich größere Schutzabstand, der die 5G-Funkfrequenzen von denen der Funkhöhenmesser trennt:

Die [US-]Mobilfunkunternehmen haben angeboten, eine Reihe von Abhilfemaßnahmen zu ergreifen, die mit den Maßnahmen vergleichbar sind, die in einigen europäischen Betriebsumgebungen angewendet werden. Obwohl die US-Standards und Betriebsumgebungen einzigartig sind, glauben wir, dass dies die Beeinträchtigungen des Flugbetriebs erheblich reduzieren könnte. Diese zusätzlichen Abhilfemaßnahmen werden sechs Monate lang an 50 Flughäfen gelten, die als diejenigen mit den größten Auswirkungen auf den US-Luftfahrtsektor ermittelt wurden.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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