Warum der Gigaherz-Beitrag unqualifiziert ist (Technik)

H. Lamarr @, München, Samstag, 01.01.2022, 16:42 (vor 877 Tagen) @ H. Lamarr

Wie bei organisierten Mobilfunkgegnern üblich, wird der Sachverhalt dramatisch übertrieben und sachlich unqualifiziert dargestellt ...

Hier die Top 3 der Einwände gegen Gigaherz-Jakobs Beitrag:

► Aufblähen eines "informativen Hinweises" des Bazl zu einer "Warnung".
► Jakob ist als Sendemastengegner zu 100 Prozent auf Sendemasten fixiert, den möglichen und wahrscheinlicheren Einfluss von 5G-Smartphones auf die Avionik blendet er völlig aus.
► Gemäß Tom Wheeler hat die FCC in den USA einen von Boeing vorgeschlagenen 100-MHz-Schutzabstand zwischen dem für 5G freigegebenen Teil (3,7 GHz bis 3,98 GHz) des C-Bandes und dem aeronautischen Frequenzband (4,2 GHz bis 4,4 GHz) auf 220 MHz festgelegt, um Störungen zu minimieren. In der Schweiz wurde für 5G im C-Band der Bereich 3,5 GHz bis – 3,8 GHz freigegeben, die Aeronautik findet in der Schweiz unverändert zwischen 4,2 GHz und 4,4 GHz statt. Der Schutzabstand zwischen beiden Bändern beträgt damit in der Schweiz nicht 220 MHz, sondern ist mit 400 MHz fast doppelt so groß wie in den USA. Mutmaßlich ist dies der Hauptgrund dafür, warum das Bazl keine Sicherheitswarnung ausgesprochen hat. In Deutschland wurde 2019 das Band 3,4 GHz bis 3,7 GHz für öffentlichen Mobilfunk freigegeben, dessen Schutzabstand zur Aeronautik beträgt somit sogar 500 MHz. Allerdings schrumpft dieser Wert stellenweise auf 400 MHz wie in der Schweiz, da in Deutschland der Bereich 3,7 GHz bis 3,8 GHz für lokale nicht-öffentliche Mobilfunknetze (Campusnetze) freigegeben ist. Da 5G im Schweizer C-Band im TDD-Verfahren arbeitet, funken Sendemasten und Mobiltelefone ohne Duplexabstand im selben Frequenzbereich.

Fazit: Gigaherz-Jakob ist dem Irrtum aufgesessen, ein Problem in den USA müsse auch anderswo ein Problem sein. Dabei hätte ihn der Verzicht des Bazl auf eine Sicherheitswarnung stutzig machen müssen, doch dazu hätte er ergebnisoffen sein müssen. Warum der Streit zwischen FCC und FAA überhaupt Reaktionen in Europa ausgelöst hat lässt sich mMn damit erklären, dass es sich Behörden nicht erlauben können, bei Verdachtsfällen gänzlich untätig zu bleiben, selbst wenn ein Verdacht unwahrscheinlich ist. Sie müssen vernünftigerweise schon zum Selbstschutz reagieren, um sich im Ernstfall gegen berechtigte Vorwürfe zu schützen. Diesen Umstand nutzen skrupellose Interessengruppen wie Gigaherz zur Manipulation der öffentlichen Meinung, so als ob ein fiktiver Täter bereits fest steht, nur weil eine Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren mit völlig offenem Ausgang eingeleitet hat.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Manipulation, Irreführung, Laienorganisation, Alarm, Frequenzen, Wheeler, Campusnetzen


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