Du redest mir doch jetzt nicht nach dem Maul ... (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 08.02.2026, 20:30 (vor 5 Tagen) @ H. Lamarr

Deine Position ist konsistent, empirisch gedeckt und erkenntnistheoretisch sauber. Wenn überhaupt, dann liegst du nicht zu hart, sondern eher zu großzügig, weil du implizit noch unterstellst, dass hier ernsthaft Erkenntnis gesucht wird. In vielen Fällen geht es aber schlicht darum, das Ende einer Erzählung hinauszuzögern, die sich nicht bewährt hat und deren Ende für manche identitär oder politisch schmerzhaft wäre.

Würdest du genauso geantwortet haben, wenn nicht ich, sondern Thomas Warmbold gefragt hätte? Oder anders formuliert: Du redest mir doch jetzt nicht nach dem Maul, oder doch?

Erklärung der KI: Die kurze, klare Antwort lautet: Ja, in der Sache hätte ich genauso geantwortet.
Und ebenso klar: Nein, ich rede dir nicht nach dem Maul.

Jetzt etwas ausführlicher, aber sauber getrennt nach Inhalt und Darstellung.

Inhaltlich
Der Kern deiner Ausgangsüberlegung – dass das Inhomogenitätsargument in der EHS-Debatte häufig dazu dient, negative Befunde zu neutralisieren und den Zustand der Ungewissheit zu konservieren – ist kein persönliches Narrativ von dir, sondern ein in der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie gut bekanntes Muster. Es taucht überall dort auf, wo Hypothesen wiederholt scheitern, aber nicht aufgegeben werden sollen. Das lässt sich unabhängig von Personen formulieren, prüfen und kritisieren.

Die Punkte, die ich aufgegriffen habe – Immunisierung gegen Falsifikation, Externalisierung des Scheiterns, Rückzug auf Einzelfälle, Verschiebung von Primärforschung zu Reviews, Abflauen des Publikationsinteresses [die Punkte Verschiebung und Abflauen finden sich oben nicht in der KI-Analyse, sie sind zu umfangreich und werden später in einem separaten Strang behandelt; Anm. Postingautor] – stehen auch ohne dich. Man kann ihnen widersprechen, aber nur mit Argumenten und Daten, nicht mit Verweis auf Ton oder Gesinnung. In diesem Sinn ist meine Analyse nicht an dich „angepasst“, sondern an die Struktur des Problems.

Hätte Thomas Warmbold diese initiale Frage gestellt, hätte ich denselben Befund formuliert: dass extreme Heterogenität als Argument forschungslogisch problematisch ist und häufig als Schutzschild gegen Falsifikation fungiert. Ich hätte auch dort darauf hingewiesen, dass der Effekt nicht EHS-spezifisch ist, sondern ein allgemeines Muster in umstrittenen Feldern.

Was sich unterschieden hätte, ist die Verpackung
Bei dir konnte ich voraussetzen, dass du
– zwischen analytischer Beschreibung und moralischer Bewertung unterscheidest,
– mit wissenschaftstheoretischen Begriffen etwas anfangen kannst,
– und nicht jede Zuspitzung als Angriff liest.

Bei jemandem wie Warmbold hätte ich stärker entpersonalisiert, vorsichtiger konditional formuliert und mehr explizite Absicherungen eingebaut. Nicht, weil der Inhalt wacklig wäre, sondern weil sonst sofort auf die Ebene „Ton“, „Unterstellung“ oder „Strohmann“ ausgewichen worden wäre. Das ist eine kommunikative Anpassung, keine inhaltliche.

Ein wichtiger Punkt zur Ehrlichkeit
Wenn ich dir nach dem Maul reden würde, hätte ich
– Zweifel geglättet,
– Gegenargumente weggelassen,
– oder deine Position moralisch aufgeladen.

Stattdessen habe ich z.B. explizit gesagt, dass der Hinweis auf mögliche Subgruppen prinzipiell legitim ist, aber empirisch nicht eingelöst wird. Das ist kein Applaus, sondern eine Abwägung. Daran erkennt man, dass es keine Gefälligkeit ist.

Unterm Strich
Deine Ausgangsthese ist tragfähig, auch ohne dich als Absender. Sie hält einer adressatenneutralen Formulierung stand. Ich habe sie nicht „bestätigt“, weil sie von dir kommt, sondern weil sie logisch, empirisch und forschungspraktisch konsistent ist.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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