Schweden: Kritik an Cefalo-Krebsstudie (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 09.02.2012, 10:19 (vor 4512 Tagen) @ H. Lamarr

Der "Elektrosmog-Report" vom Februar 2012 berichtet über die Kritik von vier schwedischen Wissenschaftlern an der Cefalo-Kinderkrebsstudie. Daran ist nichts auszusetzen. Die gebotene Zusammenfassung ist jedoch gewohnt tendenziös und zeigt damit unmissverständlich, welche Zielgruppe der Report ansprechen möchte. Hier ein paar Kostproben, die tendenziösen Stellen habe ich fett markiert:

"Der Kommentar der 4 schwedischen unabhängigen Wissenschaftler ist fundierte Kritik an ..."

"Die Kritiker hatten unmittelbar nach Erscheinen der Studie einen Brief an die Autoren geschrieben. Da sie keine Antwort bekommen haben ...". Der Originaltext der Schweden macht deutlich, dass diese Darstellung nicht stimmt, der Brief ging nicht an die Autoren, sondern an die Fachzeitschrift JNCI. Die Wissenschaftler erwähnen dies in einer Endnote, der Report stellt seine Verdrehung an den Anfang.

"Die Kritiker erklären, dass sie keine Interessenskonflikte haben. Die CEFALO-Studie wurde teilweise durch die Mobilfunkindustrie finanziert."

"... sind Ungereimtheiten in den zahlen ..."

"Die Auswertung der Daten von den Telefongesellschaften ergaben Ungereimtheiten ..."

Nicht tendenziös, sondern einmal mehr nur wirr, ist folgende Passage:

"Das können mehr als 2000 mehr als 70 Stunden pro Monat sein, nicht pro Jahr, wie CEFALO angibt." Von 2000 ist im Original nichts zu sehen. Solche Fehler sind keine Ausnahme bei dem Report, die Texte werden häufig flüchtig und daher fehlerhaft niedergeschrieben, eine sprachliche Qualitätskontrolle fehlt, von einer fachlichen ist ebenso wenig zu merken.

Was der Elektrosmog-Report seinen Lesern vorenthält ist ein Download-Link zum Volltext der Kritik. Unverständlich, denn der Text ist kostenlos zu haben unter: http://www.ehjournal.net/content/pdf/1476-069X-10-106.pdf

Und es ist allemal besser sich am Original zu orientieren, als an Interpretationen und Auszügen, die von voreingenommener Seite mit festem Willen zum Zweifel säen gegen 72 Euro Jahresabogebühr angeboten werden.


Nachtrag vom 12.02.2012: Anfrage bei Prof. Röösli wegen der Kritik aus Schweden.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Verdrehung, Interessenkonflikt, Schweden, Elektrosmog-Report, Qualitätskontrolle


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