Eger: Zweifel an Senderstudie Hennen (Forschung)
Mit dem Design der neuen Senderstudie von Dr. Eger in Hennen komme ich nicht so recht klar. Auf einen Satz komprimiert, lautet das Ergebnis der neuen Studie:
Im Umkreis von 400 Meter um einen 1998 errichteten Sendemasten wurde ab 2003 nicht nur ein signifikanter Anstieg der Krebserkrankungen beobachtet, die Anwohner erkrankten zudem früher als üblich an Krebs.
Das hört sich zunächst einmal ziemlich besorgniserregend an, genauso wie damals bei Dr. Egers erster Studie (Naila-Studie) und auch jetzt sieht der Mediziner Zeitungsberichten zufolge "dringenden Handlungsbedarf".
Unglücklicherweise hat Dr. Eger seine Studie nicht öffentlich zugänglich publiziert, sondern in einem kostenpflichtigen Fachmagazin, so dass wichtige Details der Studie nicht frei verfügbar sind. Ein solches Detail wären etwa Informationen darüber, wie Störfaktoren (Confounder), die das Studienresultat störend hätten beeinflussen können, mit Funk jedoch nichts zu tun haben, ausgeschlossen wurden. So ein (fiktiver) Confounder könnte z.B. Asbest sein, mit dem die Anwohner des Sendemasten privat oder beruflich in Berührung gekommen sind.
Von den Confoundern einmal abgesehen ist das Design der Studie für mich sehr irritierend:
Das folgende Bild zeigt Hennen und die drei dortigen Senderstandorte A, B und C:
![[image]](images/uploaded/2009030815295949b3d667e543f.jpg)
Standort A mit der rot markierten 400-Meter-Zone ist der Standort, der von Dr. Eger untersucht wurde. Dabei fällt auf:
- Standort A ist von den drei Standorten in Hennen der mit den wenigsten Antennen. Wer sich die Daten der drei Standorte bei der BNetzA anschaut, erkennt zudem, dass Standort A mit der geringsten Sendeleistung betrieben wird weil dort der (horizontale) Sicherheitsabstand mit 1,10 Meter klein ist gegenüber Standort B (bis zu 4,16 Meter) und Standort C (bis zu 5,26 Meter). Die Auswahl des Standorts A durch Dr. Eger erscheint unter diesen Umständen willkürlich. Möglicherweise wurde dieser Standort sogar nachträglich den erhobenen Daten zugeordnet - damit es passt.
- Verglich Dr. Eger in Naila noch die Krebsrate in einer Innenzone (<400 m) mit der in einer Außenzone (>400 m), so wird diesmal die Betrachtung einer Außenzone in seiner Studien-Zusammenfassung nicht erwähnt. Warum? Ich meine die Erklärung dazu liefert das Bild: Eger hat außerhalb seiner 400-Meter-Zone um Standort A herum eben keine unbelastete Vergleichsgruppe, sondern allem Anschein nach eine sogar noch stärker mit Funk belastete Bevölkerung. Ohne Vergleichsgruppe ist die Aussagekraft der Studie jedoch fragwürdig, weil der lokaler Bezug fehlt. Ein generell höheres Krebsrisiko der Hennener, z.B. infolge industrieller Luftverschmutzung, ließe sich nur durch eine lokale Vergleichsgruppe mit erfassen und von Krebs infolge Funk trennen. Ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass Dr. Eger als erfahrener Arzt die Kontrollgruppe tatsächlich weggelassen hat, sollte es dennoch so sein, wird er mit dieser Studie schwerlich Ruhm ernten.
- Diesem Zeitungsbericht zufolge vergleicht Eger seine Daten mit denen des saarländischen Krebsregisters. Da die Krebsrate regionalen Schwankungen unterworfen ist, sind solche länderübergreifenden Quervergleiche riskant weil fehlerbehaftet. Immerhin liegen zwischen Hennen und dem Saarland rund 230 km Luftlinie.
- Wenn es zutreffend wäre, dass im Umfeld von bis zu 400 Meter um Mobilfunk-Sendemasten herum generell die Krebsrate 5 Jahre nach Inbetriebnahme der Sender signifikant steigen würde, dann müsste sich dies ab 1997 (5 Jahre nach Start des Mobilfunks in Deutschland) in einem sprunghaften Anstieg der Krebsrate in Deutschland zeigen. Dies aber ist nicht der Fall, obwohl hierzulande etwa 70'000 Mobilfunksender stehen.
- Da Eger bei der Naila-Studie (2004) eine Verdopplung der Krebsrate beobachtet hat, nehme ich an, dass er auch in Hennen in etwa den Faktor 2 gefunden hat. Aber: Einer Publikation des Bayerischen Krebsregisters zufolge ist es völlig normal, dass sogar dort, wo keine Mobilfunksender in der Nähe stehen, die Krebsrate starken Schwankungen zwischen 0 und 2,7 unterworfen ist. Mit anderen Worten: Die Verdopplung der Krebsrate im Umkreis eines Sendemasten ist nicht ungewöhnlich, sondern andernorts ebenfalls zu beobachten, auch wenn kein Sendemast in Sichtweite ist.
- Nicht zuletzt sei die Frage gestellt: Bei nahezu 100 % Marktsättigung mit DECT und viel W-LAN in Haushalten, woher will Dr. Eger da wissen, dass ausgerechnet die Felder des Mobilfunkmasten für den Anstieg der Krebsrate verantwortlich sind?
Weiterführende Links
Die Naila-Studie (2004)
Mehr Krebskranke in Nähe von Sendemast (Der Westen, 7.3.09)
Diskussion: Verantwortungsloser Arzt aus Naila
--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –
und treffsicherste Posting von charles.![[image]](images/uploaded/2009030820114149b4186df2d16.jpg)
.

. Was ist nur so schwer daran zu begreifen, dass im Vergleich zum Hauptstrahl einer Antenne direkt unterhalb einer Antenne das reinste Biotop ist, nämlich erheblich weniger Feldbelastung als im Hauptstrahl - aber eben nicht Null, sondern von Fall zu Fall ein paar Mikrowatt (Regelfall) bis zu einigen Milliwatt pro Quadratmeter (Ausnahme).![[image]](images/uploaded/2009031114305349b7bd0da6087.jpg)
.