2025-12-16: Bluetooth verzögert Gehirnentwicklung vor Geburt (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 19.12.2025, 23:36 (vor 20 Tagen) @ H. Lamarr

Publikationsdatum: 16. Dezember 2025
Titel: Bluetooth-Strahlung verzögert Gehirnentwicklung vor der Geburt
Inhalt: Der Stuttgarter Verein warnt vor den negativen Auswirkungen von Bluetooth-Strahlung auf die frühe Entwicklung des embryonalen Gehirns. Anlass ist eine aktuelle, aus Sicht des Vereins methodisch sehr gut durchgeführte und ausführlich dokumentierte Studie, die zu den "dramatischen Ergebnissen" gekommen sei: Gezüchtete Gehirn-Gewebestrukturen, wie sie auch im menschlichen Embryo wachsen, entwickeln sich unter alltagsüblicher Bluetooth-Dauerbestrahlung deutlich gestört und verzögert.
Kommentar: Der Pressereferent von Diagnose-Funk lässt in seiner Pressemitteilung den ersten Vorsitzenden des Vereins sagen: "Die Funkstrahlung beeinträchtigt die Biologie bereits weit unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte – in diesem Fall wird die Entwicklung des Gehirns von werdenden Kindern schon in einem sehr frühen Stadium gestört." Das ist natürlich vollendeter Blödsinn. Aus zwei Gründen: a) ist der Vorsitzer kein Mediziner oder Biologe, sondern gelernter Architekt, er hat also keine Ahnung, wovon er redet und b) gilt auch für diese Studie, dass die Übertragbarkeit der im Labor gefundenen Ergebnisse auf Menschen aus Fleisch und Blut mit Vorsicht, Fingerspitzengefühl und profundem Fachwissen vorzunehmen ist. Da dem Vorsitzer diese Qualifikationen fehlen, versucht er, die Lücke mit populistischen Plattitüden zu überbrücken. Wüssten die Autoren der Studie von den überzogenen Behauptungen, sie würden sich mit Sicherheit davon distanzieren.

Da auch ich von dem Thema der Studie herzlich wenig Ahnung habe, holte ich mir Unterstützung durch ChatGPT. Die folgende Liste von Kritikpunkten an der "Pressemitteilung" von Diagnose-Funk ist das Ergebnis mehrerer Sitzungen mit der KI. Die Liste ist nicht der Weisheit letzter Schluss, ich sehe sie als Übergangslösung, bis sich kompetente wissenschaftsnahe Institutionen wie Berenis (Schweiz) oder das Bundesamt für Strahlenschutz mit der Bedeutung der neuen Studie auseinandergesetzt haben:

► Untersucht wurden kortikale Organoide in Zellkultur (wenige Millimeter große Minihirne), keine Feten, keine Schwangeren, keine Gehirne im Organismus.
► Organoide sind stark vereinfachte Modelle ohne Durchblutung, Plazenta, hormonelle Regulation oder Schutzmechanismen des Mutterleibs.
► Die Minihirne repräsentieren ein frühes fetales Stadium, primär aus technischer Notwendigkeit, da reifere Organoide derzeit noch nicht zuverlässig züchtbar sind; zugleich erlaubt das frühe Stadium gezielte Untersuchung empfindlicher Entwicklungsprozesse, mit begrenzter Übertragbarkeit auf spätere Gehirnstadien inklusive postnataler Entwicklung.
► Die Studie zeigt molekulare und zelluläre Veränderungen, keine Fehlbildungen, keine Funktionsstörungen, keine Entwicklungsstörungen beim Menschen. Das Modell ist bewusst stark vereinfacht und dafür optimiert, Effekte sichtbar zu machen.
► Eine direkte Übertragung auf die fetale Hirnentwicklung ist wissenschaftlich nicht zulässig.
► Die Studie ist biologisch sorgfältig durchgeführt, aber die behauptete gleichmäßige Exposition bei 2,4 GHz und 1.Zoll Abstand ist physikalisch nicht haltbar, da das Experiment im inhomogenen Nahfeld stattfand und damit keine fernfeldtypische Umweltbefeldung abbildet.
► Aussagen zu Autismus oder "verzögerter Gehirnentwicklung" sind spekulativ und werden von den Studiendaten nicht gedeckt.
[image] Was Diagnose-Funk verschweigt: Nach zwei Monaten in Kultur unter HF-Exposition erholten sich die Organoide von anfänglich abweichender Morphologie und kleinerer Größe. Um diese positive Entwicklung zu vertuschen, lässt der Verein in seiner gezeigten Grafik "Days of exposure" die im Original (siehe Screenshot rechts) noch enthaltenen Tage 50 und 60 weg. Besser lässt sich der unbedingte Wille des Vereins zur Manipulation nicht dokumentieren.
► Eine einzelne In-vitro-Studie ändert nicht den Stand der Evidenz, wonach für Alltags-HF-EMF keine gesicherten Risiken in der Schwangerschaft belegt sind. Wäre an der überzogenen Studieninterpretation des Vereins etwas dran, es hätte in den vergangenen 30 Jahren weltweit nicht übersehen werden können.
► Die Pressemitteilung des Vereins überinterpretiert Grundlagenforschung und vermischt Mechanismenforschung mit Risikobewertung.

Google-News: Abfrage am 19.12.2025 mit Suchbegriff "Diagnose-Funk Bluetooth Studie Gehirnentwicklung ungeborener" ergab einen (1) relevanten Treffer bei Opposition24. Das alternative Portal bedient sich auch bei Ivo Saseks Kla.tv und verbreitet z.B. die Meldung "Masern-Lüge entlarvt: 99 % der Todesfälle verschwanden ganz ohne Impfung" (Quelle).

[Admin: Link zur Studie nachträglich eingefügt am 21.12.2025]

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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