Elektrosmogangst schüren: Krebscluster in Spanien (Allgemein)

H. Lamarr, München, (vor 5269 Tagen) @ H. Lamarr

Wenn in der lokalen Elektrosmogszene nichts los ist, bedient man sich eben an ausländischen Alarmmeldungen.

Heute: Spanien

Ein bislang unbekannter Teilnehmer, der jedoch dem engeren Kreis des hese-Projekts zugerechnet werden darf, hat im hese-Forum eine Meldung aus Spanien eingestellt. Das englische Original wurde der breiteren Wirkung wegen ins deutsche übersetzt. Und die Kernbotschaft lautet:

"Die Einheimischen sind entschieden der Meinung, dass der Sende-Mast, der gerade wenige Meter von ihren Häusern entfernt steht, der Grund für eine häufiges Auftreten neuer Krebstodesfälle war. Von den fast 400 Bewohnern sind unglaubliche 50 Fälle mit Krebserkrankung aufgetreten, von denen mehr als 30 Leute in den letzten Jahren starben."

Die böse Absicht der Teilnehmers ist offenkundig, Krebs soll mit Mobilfunk-Sendemasten in Verbindung gebracht werden. Welche Motive dahinter stecken ist nicht ersichtlich, dagegen ist mühelos abschätzbar, wie diese Meldung auf fachlich unbeleckte Politiker und arglose Bürger wirkt. Und das ist das Hinterhältige an solchen Postings, sie schüren Ängste und Sorgen bei denen, die den Hinterhalt wegen fehlender Kenntnisse nicht erkennen können.

Tatsächlich bewegt sich die Substanz der Meldung auf dem deprimierend niedrigem Niveau einer Boulevardzeitung. Begründung:

  • Allein in Deutschland gibt es rund 70'000 Standorte für Mobilfunk-Sendemasten. Wäre an der Behauptung etwas wahres dran, um Sendemasten herum entstünde vermehrt Krebs, müssten weltweit Millionen Krebscluster um Sendemasten erkennbar sein. Dies aber ist in keiner Weise der Fall.
  • In München gibt es rund 1000 Sendemasten, das örtliche Krebsregister zeigt keinen Anstieg der Erkrankungsrate, der mit Mobilfunk in Zusammenhang zu bringen ist.
  • Krebscluster sind keine Seltenheit, es gibt sie überall, leben z.B. in einem Ort besonders viele alte Menschen, ist dort die Krebrate allein deshalb hoch. In einer Studie wurde untersucht, ob sich zwischen Krebsclustern und deren Nähe zu Sendemasten ein offensichtlicher Zusammenhang herstellen lässt. Dies war nicht der Fall, es gibt Krebscluster sowohl in der Nähe von Masten als auch dort, wo überhaupt kein Mast steht.
  • Auch die Entwicklung der Krebsstatistiken stützen nicht die Behauptung, mit der Einführung von Digitalfunk seinen die Krebsraten nach oben geschnellt.
  • In der brasilianischen Stadt Belo Horizonte wurden von einer Studie (Achtung! mühsam langer aber ergiebiger Strang) auffällig viele Krebsfälle um die Senderstandorte herum gefunden. Betrachtet man die Studie und deren Begleitumstände näher, bleibt von dem Studienresultat nicht mehr viel übrig, Wissenschaftler sprechen sogar von "Schrott".

Ich meine die Belege sind dergestalt, dass die immer wieder neu aufgetischten Meinungen von angeblichen Krebsclustern durch nahe Sendemasten mit Fug & Recht als substanzloses Altweibergewäsch eingeordnet werden dürfen. Dass es dennoch Leute gibt, die dieses Zeugs sogar aus dem Ausland heranschaffen, übersetzen und in den Medien der Szene verbreiten, finde ich wahlweise a) dumm, wenn der Verbreiter es im guten Glauben tut, oder b), hinterhältig, wenn Profitstreben dahintersteckt. Schädlich ist beides.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Krebscluster, Hese-Project, Krebsstatistik, Netzwerk


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