Was Mobilfunkgegner von der Tabakindustrie gelernt haben (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 22.05.2016, 11:59 (vor 2926 Tagen)

Rauchen macht krank. Im Gegensatz zu Mobilfunk ist dies eine unstrittige Tatsache, die mittlerweile jeder kennt. Eigentlich dürfte es unter diesen Umständen keine Raucher mehr geben, die sich ganz und gar freiwillig selbst schaden. Und doch wird auch in Deutschland weiter geraucht, am meisten (rd. 40 %) unter jungen Männern zwischen 30 und 40.

Da stellt sich die Frage, was Mobilfunkgegner von ihrem Treiben erwarten, sind sie nicht von verdeckten Geschäftsinteressen oder persönlichen Neurosen getrieben, sondern ausnahmsweise von echter Sorge ums Gemeinwohl. Wer Mobilfunkgegner nach konkreten Zielen fragt, bekommt meist nur diffuse oder fantastische Antworten.

Doch wie ist es möglich, dass Menschen allen Warnungen zum Trotz in großer Zahl weiter rauchen? Werbeforscher Guido Zurstiege erklärt in einem Interview mit der Süddeutschen, mit welchen sprachlichen Tricks sich die Tabakindustrie gegen Kritik abschottet.

Die folgende Kostprobe zeigt Parallelen zu Anti-Mobilfunk-Vereinen:

Die Tabakwerbung gibt ihnen [Jugendliche, Anm. Spatenpauli] kleine, aber hocheffektive argumentative Waffen an die Hand, mit denen sie sich abschotten können. Und natürlich ist Tabakwerbung nach wie vor Lifestyle-Werbung: Es wird ein Lebensgefühl von Freiheit, Abenteuer und Gemeinschaft transportiert.

Auch wer auf Anti-Mobilfunk-Vereine hereinfällt, bekommt gratis diese "kleinen hochwirksamen argumentativen Waffen an die Hand geliefert", mit denen sich unvorbereitete Laien leicht beeindrucken lassen. Typisch etwa das Argument: Zuhause neben dem Sendemasten leide ich an allerlei Beschwerden, im Urlaub aber sind alle diese Beschwerden plötzlich weg. Welcher Ahnungslose kann sich diesem Pseudoargument, das mit dem Nocebo-Effekt plausibel zu widerlegen ist, schon entziehen? Mobilfunkgegner haben ein ganzes Bündel solcher Scheinargumente, um zu beeindrucken. Und statt "Lifestyle" vermitteln die Gegner ihren Opfern das Gefühl "Speerspitze in einer guten Sache zu sein". Dass die Sache alles andere als gut ist und die Speerspitze nur die nette Umschreibung des Dummen ist, der sich willig vor den Karren Anderer spannen lässt, bemerken angeworbene Mobilfunkgegner der Gattung "nützlicher Idiot" erst nach geraumer Zeit. Sie gegen der Szene dann verloren und werden durch neue "nützliche Idioten" ersetzt, die sich landauf landab dort erheben, wo ein Sendemast errichtet oder modernisiert werden soll. Wer Mobilfunkgegner wird begibt sich in einen "Durchlauferhitzer". Dies erkannte der Mobilfunkgegner Gerrit Krause bereits vor mehr als zehn Jahren, geändert hat sich seither nichts.

Bis das Reservoir aller aufgeregten "nützlichen Idioten" erschöpft ist und die Betroffenen keine mehr sind, werden schätzungsweise noch 30 Jahre vergehen. Dann sind die Mobilfunknetze final ausgebaut und Mobilfunkgegner am Ende.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Durchlauferhitzer, Tabakindustrie, Mobilfunkgegner, Krause

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