Fabrizieren von Weichmachern als Methode (Allgemein)
Wenn ich aber davon ausgehe, dass es keinen Zusammenhang gibt, ist DECT nicht mehr eine potentielle Störvariable als etwa die CDU/SPD-Präferenz. Ich kann dann nicht kritisieren, dass diese nicht berücksichtigt wurde.
Ich versuche, mich präziser auszudrücken:
Falls es (realiter) keinen Zusammenhang gibt, ist DECT keine Störvariable. Wenn es sonst keine Störvariablen gibt, erhält man dann Zufallsergebnisse, d.h. beim üblichen Signifikanzniveau kommt in einem von 20 Fällen ein falsch positives Ergebnis heraus - egal, ob man DECT berücksichtigt oder nicht. Jedenfalls ändert es nichts an der Wahrscheinlichkeit für ein falsch positives Resultat.
Wenn eine Studie nun positiv ausgefallen ist und ich argumentieren möchte, dass dieses Ergebnis falsch ist, dann kann ich den Kritikpunkt, dass DECT nicht berücksichtigt wurde, nicht als Argument dafür heranziehen. Dann müsste ich nämlich begründen, dass die Nichtberücksichtigung von DECT gerade dann, wenn es keinen Zusammenhang gibt, zu einem (falsch) positiven Resultat geführt haben könnte. Unter dieser Annahme aber hat die Berücksichtigung von DECT keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit eines falsch positiven Ergebnisses (siehe Absatz oben).
Ich denke, das war genau der Punkt, denn im ursprünglichen Text hat Moribund diesen Kritikpunkt so verwendet, dass es so wirkte, als wolle er damit argumentieren, die positiven Ergebnisse könnten deswegen falsch sein.
Natürlich ist die Nichtberücksichtigung von DECT eine methodische Schwäche (die jeder kritisieren darf, unabhängig von seinem Glauben). Das erkennt man, wenn man sich vorstellt, welche Ergebnisse auftreten könnten, wenn es tatsächlich einen Zusammenhang gibt. Und da beschreiben wir beide zunächst nur im Detail Unterschiedliches:
Sie:
Was aber wenn ich zwar davon ausgehe, dass es keinen Zusammenhang gibt (Arbeitshypothese) in Wirklichkeit existiert aber einer? Dann würde das Risiko für die BTS überschätzt werden, der Trend (meine Arbeitshypothese ist falsch) würde jedoch trotzdem bemerkt werden, das ist korrekt.
Warum sollte das Risiko gerade überschätzt werden?
M.E. wird es eher unterschätzt, falls DECT nichts mit der Exposition durch die Basisstation zu tun hat. In diesem Fall stimmt jedoch der Trend. Die Wahrscheinlichkeit, ein falsch negatives Ergebnis zu erhalten wäre allerdings größer.
Falls DECT aber mit der BTS-Exposition zusammenhängt, kann man nicht einmal sagen, dass der Trend stimmen sollte.
... Was aber wenn in realiter einer existiert? Gehen wir mal von dem Extremfall aus, dass alle DECT in meiner Kontrollgruppe sind, dann bekomme ich in der Untersuchungsgruppe Krebsfälle durch den BTS in der Kontrollgruppe welche durch DECT. Dabei ist aber noch nicht mal gesagt, dass beide gleich stark Krebs verursachen, es ist also nicht abzusehen ob ich das Risiko unter- oder überschätze.
Aus mobilfunkkritischer Sicht könnte das bedeuten dass ich einen sehr starken Zusammenhang nur noch als schwachen Zusammenhang feststellen kann, obwohl dieser starke eben in der Realiät existiert! Den Trend würde ich zwar auf alle Fälle richtig erkennen aber eben nicht das exakte Ausmaß des Zusammenhangs. Damit wird mein Ergebnis weniger belastbarer und damit auch die Folgerungen, die ich daraus ziehe.
Dass man den Trend sicher richtig erkennen würde, glaube ich nicht (siehe oben). Widersprechen Sie sich nicht selbst? ("...ist also nicht abzusehen ob ich das Risiko unter- oder überschätze" )
Ich:
Wenn ich davon ausgehe, dass es einen Zusammenhang gibt, dann ist DECT eine Störvariable und könnte bestenfalls nichts mit der Exposition durch die Basisstation zu tun haben, so dass evtl. nur schwache Wirkungen der BTS maskiert würden, die man bei Berücksichtigung von DECT vielleicht noch erkennen würde, schlimmstenfalls könnten die Ergebnisse völlig verzerrt werden. Solange aber das Ergebnis 'stimmt', wie in den beiden Studien, macht 'mir' das erstmal nicht so viel aus.
Mit Doris überstimmen würde ich allerdings, dass dies nicht der Hauptkritikpunkt sein sollte, sondern eher die anderen nicht erfassten Faktoren wie Alter, Rauchen, Ernährung etc... sowie natürlich die mangelhafte dosimetrische Erfassung der exakten Exposition.
Ausgangspunkt war nicht nur die Naila-Studie, sondern auch die Wiener Studie. Und da sind soziodemographische Daten, EMF-Quellen innerhalb des Haushalts und regelmäßige Handynutzung erhoben worden. Als potenzielle Störfaktoren sind ländliche/städtische Gegend, Alter, Geschlecht, regelmäßige Handynutzung und die subjektive Bewertung negativer Einflüsse der Basisstation auf die Gesundheit berücksichtigt worden.