Etain-Projekt: schnüffelt die App? (Forschung)
Etain ist ein von der EU finanziertes ziemlich großes Projekt, das darauf abzielt, Ansätze zur Bewertung der Auswirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (HF-EMF) aus menschlicher und planetarischer Sicht zu entwickeln, zu validieren und gleichzeitig Möglichkeiten zur Verringerung der Exposition zu erkunden. Der gesamte Prozess fördert die Interaktion mit Bürgern und Interessenvertretern, um die Expositionswerte und mögliche damit verbundene Risiken besser zu verstehen. Etain entwickelt eine App und ein Portal, die es ermöglichen, die persönliche Exposition gegenüber HF-EMF zu ermitteln und die Expositionswerte in europäischen Städten zu kartieren.
Derweil ich Etain für eine gute Sache halte, habe ich die App schon seit langem auf meinem Android-Smartphone installiert. Und ich freue mich verwundert immer wieder über konstant gemeldete nur 0,2-Prozent-W-Lan-Grenzwertausschöpfung, obwohl ich meinen PC-Arbeitsplatz nur 1 Meter neben einem W-Lan-Dualband-Repeater habe.
Heute aber gab es eine unangenehme Überraschung. Seit Android 12 zeigt ein grüner Punkt oben rechts in der Statuszeile jedes Android-Smartphones an, dass eine App auf Mikrofon oder Kamera des Mobiltelefons zugreift. Die Neuerung dient dem Zweck, z.B. heimliches Mitschneiden von Gesprächen sichtbar zu machen.
Um zu sehen, welche App momentan zugreift, muss man am Display von der Statuszeile nach unten wischen. Dann wird unter anderem auch der Name der zugreifenden App angezeigt. Und was lese ich da? Etain! Da habe ich nicht schlecht gestaunt, denn die App soll meine HF-EMF-Exposition abschätzen und nicht mein Mikrofon oder die Kamera anzapfen. Doch da stand zweifelsfrei "Etain", obwohl ich die App gar nicht gestartet hatte. Probehalber öffnete ich die App kurz, schloss sie gleich wieder und rief sie erneut auf. Beim zweiten Aufruf erlosch der grüne Punkt.
Eine Prüfung der App-Berechtigungen ergab, die Etain-App hatte erwartungsgemäß keine Berechtigungen auf Mikrofon oder Kamera zuzugreifen. Auch unter "Einstellungen" --> "Datenschutz" zeigten sich keine auffälligen Einträge.
Ich gehe nicht davon aus, dass die App eines EU-Forschungsprojekts eine verkappte Wanze ist. Es könnte mMn aber sein, dass eine bösartige andere App sich für dubiose Zwecke unautorisiert bestimmter Funktionen der App Etain bedient. Oder es war schlicht und einfach ein Fehlalarm, der auf das Konto meines Smartphones geht. Was es auch war, die Faktenlage ist dünn. Doch jetzt sensibilisiert, werde ich den grünen Punkt künftig ernster nehmen. Sollte Etain dann erneut auffällig werden, erzähle ich die Geschichte hier weiter.
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –
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