Drama um tote Kühe – "Wir haben keine Kühe mehr" (Allgemein)
Im Rechtsstreit zwischen dem landwirtschaftlichen Betrieb GAEC de Coupet und mehreren Telekommunikationsunternehmen, darunter Orange France, SFR, Free Mobile und Bouygues Telecom, liegt seit Mai 2023 ein umfangreicher Zwischenbericht des gerichtlich bestellten Sachverständigen Jean-Dominique Puyt vor.
Von einem Abschlussbericht fehlt jede Spur. Und im Dezember 2023 endete in Frankreich die Berichterstattung der Medien über das Drama mit einem Bericht aufzoomdici-fr, aus dessen Übersetzung ich einige Zitate herausgepickt habe.
"Wir hatten vorher etwa hundert Kühe, jetzt gar keine mehr."
"Wir haben alles verloren. Wir haben heute keine Kühe mehr. Wir leben nur noch vom Ackerbau. Kein Vieh mehr. Wir haben keine Tiere mehr", sagte Frédéric Salgues.
"Meine Mandanten stehen dieser Art von Antenne keineswegs feindselig gegenüber; sie verstehen deren allgemeines Interesse voll und ganz. Sie hatten sich auch geweigert, eine Petition gegen die Installation dieser Antenne zu unterzeichnen", erklärt der Anwalt von Gaec de Coupet.
Frédéric Salgues enthüllt verbittert: "Im September wurde uns mitgeteilt, dass wir 7.000 Euro zahlen müssten, wenn wir weitere Analysen durchführen lassen wollten. Zwei Monate später schätzten die Telefonbetreiber die Kosten für ein weiteres Gutachten auf 30.000 Euro, und wir müssten diese selbst tragen!"
Er fügte hinzu: "Ich bin angewidert von diesen Leuten, angewidert von ihren Methoden. Denn für uns ist es unmöglich, eine solche Summe aufzutreiben! Sie haben durch Geld gewonnen."
"Wir wollten die Entwicklung der Milchproduktion nach einer zwei- bis dreimonatigen vorübergehenden Abschaltung (der Antenne, Anm. d. Red.) und deren anschließender Reaktivierung beobachten. (...) Wäre die Abschaltung der Antenne mit einem Anstieg der Milchproduktion und die darauffolgende Reaktivierung mit einem weiteren Rückgang der Milchproduktion verbunden gewesen, hätten wir die Beteiligung der betreffenden Antenne als Ursache angenommen." (Quelle)
Kommentar: Die Verbitterung der Brüder Salgues ist nachvollziehbar. Andererseits ist auch die Entscheidung des Staatsrates nachvollziehbar, die gerichtlich angeordnete Abschaltung des Funkmastes zu kippen. Denn a) ist es extrem unwahrscheinlich, dass der Funkmast kausal die Probleme am Hof verursacht hat und b) ist nicht auszuschließen, dass ein über Funk nicht absetzbarer Notruf ein Menschenleben kostet, denn von der Abschaltung wäre nicht nur ein Netzbetreiber betroffen gewesen, sondern alle auf dem Mast vertretenen. Offenkundig gibt es in dem speziellen Fall keine gute Lösung und bei der Interessenabwägung hat der Rat zugunsten der Allgemeinheit entschieden. Annahme: Wäre gegen Ende einer bewilligten Abschaltphase ein Mensch ums Leben gekommen und die Kühe der Brüder hätten auf die Abschaltung nicht wie erhofft reagiert, wer wollte dann die Verantwortung für den vermeidbaren Tod eines Menschen übernehmen?
Der Verbitterung der Brüder dürfte auch deren Idee entsprungen sein, mit einem weiteren Gutachten zum Erfolg zu kommen. Das ist mMn absurd. Denn der erste Gutachter hat offensichtlich ordentlich gearbeitet und die Tatsachen belegen ohnehin kein Verschulden der Brüder. Die Hoffnung, ein anderer Gutachter könne die Schuld kausal dem Funkmast anhängen, ist unter den gegebenen Umständen eine unerfüllbare Illusion, sie hilft den Brüdern lediglich, mit der erlebten kognitiven Dissonanz besser klarzukommen und Dampf gegen ihre Kontrahenten abzulassen.
Hintergrund
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
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