Bachelorarbeit: kritische Anmerkungen zur Quellentreue (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 12.08.2016, 13:05 (vor 3563 Tagen) @ H. Lamarr

Auf Seite 27 seiner Arbeit erwähnt Herr Maurer die Radarstation Skrunda in Lettland, die von den Russen errichtet und bis zum Zerfall der Sowjetunion betrieben wurde. Nach Maurers Darstellung sollen 4 Sender a 1.25 mW/m² bei Kiefern in 1 – 5 km Entfernung zum Sender zu Wachstumshemmung geführt haben (Balodis et al., 1996).

Prof. Balodis war so freundlich, mir den Volltext seiner Studie zur Verfügung zu stellen. Bei einer ersten Sichtung konnte ich in der Arbeit weder die von Herrn Maurer genannten Immissionswerte finden noch irgendwelche anderen Immissionswerte. Anscheinend gingen Balodis et al. bei der Immission lediglich von plausiblen Annahmen aus (vor der Antenne muss mehr Immission sein als hinter ihr), doch diesen Punkt muss ich mir in der Studie noch einmal genauer ansehen. Davon unabhängig finde ich die Nennung konkreter Immissionswerte durch Herrn Maurer ziemlich irritierend, denn er muss sie sich anderweitig beschafft haben. Dies aber darf bei einer sauberen Literaturrecherche nicht passieren, dass nach Gutdünken Fragmente aus unterschiedlichen Quellen zusammen geschustert und einer einzigen Quelle zugeschlagen werden. Der Baubiologe Wolfgang Maes ist bei solchen zwielichtigen Praktiken erwischt worden, von einem Bachelor hätte ich mehr Quellentreue erwartet.

Es zieht sich seit rund zehn Jahren wie ein roter Faden durch meine Recherchen, gelten diese den Arbeiten von Mobilfunkgegnern. Inzwischen kann ich fast schon blind drauf wetten, dass es nicht lange dauert bis der erste Wurm zum Vorschein kommt. Meiner Erfahrung nach tricksen Mobilfunkgegner, dass sich die Balken biegen. Ich kann mich an keine einzige Arbeit aus diesen Kreisen erinnern, bei der es nicht Substanzielles zu beanstanden gab. Die Anti-Mobilfunk-Szene führt daher mMn völlig zu Recht das triste Schattendasein, in das sie nach der kurzen Blüte um 2004 herum gefallen und seither zur Lachnummer verkommen ist.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Skrunda-Studie, Balodis


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