Happy Slapping (Allgemein)

Evi, Sonntag, 05.02.2006, 11:41 (vor 7414 Tagen)

Über Grossbritannien und Deutschland ist das Happy Slapping nun auch in die Schweiz übergeschwappt. Grundlos werden Leute zusammengeschlagen, das Ganze mit Handys gefilmt und auf den Schulhöfen herumgeboten. Die brutalsten Szenen haben den Charakter einer Trophäe. Noch mehr: heruntergeladene Porno- und Gewaltszenen machen ebenfalls die Runde auf Schulhöfen.

Wo sind nun die Behörden, die hier drastisch eingreifen?
Wo sind die Eltern, die sich informieren und ihren Kindern kein Handy mehr schenken?
Wo sind die Stellen, die Kinder und Jugendliche, aber auch völlig unbeteiligte Erwachsene vor solchen Übergriffen zwecks Belustigung der Verursacher schützen?

Wo sind jetzt die eingefleischten Handyfreaks, die uns bei jeder Gelegenheit weismachen wollen, diese Technologie sei nützlich und die die Kritiker mit allen möglichen Mitteln mies machen?

Speziell die letzte Kategorie wäre nun aufgerufen, sich dazu zu äussern.

Irgendwas Tapferes müsste geschehen, damit die jetzigen Kinder und Jugendlichen, aber auch die nachfolgenden Generationen nicht nur vor körperlichem (Strahlung) sondern auch vor seelischem Schaden (Verrohung und Brutalität) geschützt werden.

Evi

Happy Slapping

Raylauncher @, Sonntag, 05.02.2006, 16:23 (vor 7414 Tagen) @ Evi

Wo sind jetzt die eingefleischten Handyfreaks, die uns bei jeder Gelegenheit weismachen wollen, diese Technologie sei nützlich und die die Kritiker mit allen möglichen Mitteln mies machen?

Hallo Evi,

die Ausschreitungen an sich sind zu ahnden.
Aber was haben Handys damit zu tun? Mit den gleichen Argumenten könnten Sie fordern, Messer zu verbieten. Mit derartigen Mordwerkzeugen wurden sicher noch viel schwerwiegendere Verbrechen begangen.

Raylauncher

Happy Slapping

H. Lamarr @, München, Montag, 06.02.2006, 00:04 (vor 7414 Tagen) @ Raylauncher

die Ausschreitungen an sich sind zu ahnden. Aber was haben Handys damit zu tun? Mit den gleichen Argumenten könnten Sie fordern, Messer zu verbieten. Mit derartigen Mordwerkzeugen wurden sicher noch viel schwerwiegendere Verbrechen begangen.

Wer das Messer führt ist ganz klar auch der unmittelbare Täter. Wer daneben steht und nichts anderes macht als gaffen, der ist wegen unterlassener Hilfeleistung dran. Ähnlich sehe ich's beim Handy: Wer reale Gewaltszenen mit dem Handy oder sonstwie aufzeichnet, um diese Aufzeichnung dann zur Begaffung durch intellektuell Unterprivilegierte herumzureichen oder im Internet anzubieten - der begeht zumindest auch die Straftat der unterlassenen Hilfeleistung im erschwerten Fall, weil er sein Handy eben nicht zum Absetzen des eigentlich fälligen Notrufs verwendet hat.

Wikipedia: Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm nach den Umständen zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft" (§ 323c StGB)

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Happy Slapping

Evi, Montag, 06.02.2006, 03:16 (vor 7414 Tagen) @ Raylauncher

Mit den gleichen Argumenten könnten Sie fordern, Messer zu verbieten. Mit derartigen Mordwerkzeugen wurden sicher noch viel schwerwiegendere Verbrechen begangen.

Ich war wírklich neugierig, welche Antwort da kommen würde. Ihre Logik ist umwerfend! Und wenn sie schon das Beispiel mit dem Messer bringen, das man verbieten müsste: Klar, gehören Mordwerkzeuge wie Messer in Schulen und besonders in Kinderhand verboten. Sollen wir jetzt vielleicht froh sein, wenn keine Morde begangen und die Clips sodann mit Handy gefilmt und herumgezeigt werden? Lassen Sie sich also ein anderes Argument einfallen, als diesen albernen Vergleich.

Evi

Schule reagierte mit Disziplinarverfahren

H. Lamarr @, München, Montag, 06.02.2006, 00:22 (vor 7414 Tagen) @ Evi

Wo sind nun die Behörden, die hier drastisch eingreifen?

Wir hatten so einen Fall in einer 5. Klasse (11- bis 12-Jährige!). Ein Kind, das Aufnahmen von Prügelleien am Schulhof wohl nicht zum ersten mal gemacht hat, wurde von einer Lehrerin in flagranti erwischt. Konsequenz: Nach einer Standpauke in der Phonstärke eines Presslufthammers wurde dem Kind das Handy abgenommen, die Eltern ins Rektorat einbestellt und ein Disziplinarverfahren gegen den Schüler eingeleitet (endet im härtesten Fall mit Schulausschluss). Bin nun gespannt, ob die Prozedur beim Kind einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen wird oder gar eine Anordnung betreff Handys auf dem Schulhof zustandekommt.

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– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Gewalt auf dem Kinderhandy

KlaKla, Montag, 06.02.2006, 11:22 (vor 7413 Tagen) @ Evi
bearbeitet von KlaKla, Montag, 06.02.2006, 17:56

Nun reagieren die Medien

Prügelclip auf Schülerhandy

06.02.2006 "Panorama"

Mannsweiber und "Happy Slapping"

Jugendliche prügeln grundlos Passanten oder Mitschüler zusammen, vielfach reine Zufallsopfer, und dokumentieren ihre Überfalle oft mit Handy oder Videokamera.
24.01.2006 Spiegel Online

Gewaltattacke an Schule per Handy aufgezeichnet
19.12.2005 http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=5643

Schüler filmen Misshandlung mit Handy
Unterrichtsausschluss ist rechtmäßig
Bliebe ein derartiges Fehlverhalten ohne massive Strafe, würde die Schule ihre Glaubwürdigkeit und Fähigkeit zur Durchsetzung ihrer Erziehungsziele verlieren, so die Richter.
02.12.2005 Spiegel Online

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