Die Lust am Frust (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 17.05.2011, 10:09 (vor 5423 Tagen) @ Alexander Lerchl

Wenn man Leute auf der Straße fragt: Glauben Sie, dass Mobilfunkstrahlungen schädlich sind, würden wahrscheinlich mehr Leute mit "Ja" antworten als wenn gefragt wird: Glauben Sie, dass Mobilfunkfelder schädlich sind?

In diese Abteilung passt auch das Presseecho zum Abschluss des NFP 57. Was hat dieses Forschungsprogramm in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit nun bewirkt?

Der kleine Pressespiegel macht es deutlich.

Ich weiß nicht wie Sie das auffassen, aus meiner Sicht kommt da mit den Schlagzeilen ganz klar eine überraschend alarmierende Botschaft rüber, die mMn von den tatsächlichen Inhalten des NFP 57 so nicht gedeckt ist.

Wäre ich NFP-57-Verantwortlicher, ich wäre über das verzerrte Presseecho, an dem die Schweizer Nachrichtenagentur ebenso beteiligt ist wie die eigene Medienmitteilung, wenig amused. Denn es erweckt fast den Eindruck, Mobilfunkgegner hätten eine Pressekonferenz gehabt und nicht die NFP-57-Leitebene.

Ob das mit dem Hang der Presse zum Dramatisieren zusammenhängt, jeder Textchef würde wahrscheinlich bei der Schlusskorrektur "Felder" in "Strahlung" ändern, oder mit einer nach so vielen Jahren der Desinforamtion herrschenden stillen Sehnsucht aller Irritierten, es möge doch endlich bestätigt werden, an den weit verbreiteten irrationalen EMF-Ängsten sei etwas dran, weiß ich nicht. Beständiges Nagen bringt auch dicke kerngesunde Bäume zu Fall. Aus meiner Sicht kann die Anti-Mobilfunkszene die NFP-57-Berichterstattung durchaus als Erfolg ihrer langjährigen Vorarbeit buchen. Trotz ein paar investierter Millionen Franken bleibt draußen bei den Leuten das "ungute Gefühl" erhalten, ich möchte wetten, die nächste Umfrage nach "irgendwie besorgt wegen EMF" wird trotz NFP 57 keinen deutlichen Einbruch zeigen, z.B. ein Absacken von 30 % auf 20 %.

Die Forschungsbetriebe in aller Welt können an einer endgültigen Klärung allerdings auch kein Interesse haben, das wäre ja wie beim IZgMF, nämlich selbstzerstörend. Ein bisschen Zweifel im Raum stehen zu lassen erhält dann zwar Arbeitsplätze, sollte dies aber tatsächlich ein Grund für die Endlosigkeit der Ja-Aber-EMF-Geschichte sein, dann gute Nacht, dann wird keiner von uns zu Lebzeiten das Finale erleben.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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