Ärzte und Mobilfunk: schlechte Noten für Mediziner (Forschung)

spatenpauli @, München, Sonntag, 07. Dezember 2014, 19:46 (vor 842 Tagen)

Regelmäßig versuchen Mobilfunkgegner Ärzte für ihre Interessen einzuspannen und zur Teilnahme an Petitionen, Appellen und Initiativen zu bewegen. Ärzte sind zwar nicht mehr die Halbgötter in Weiß, jedoch noch immer respektierte Meinungsmacher. Und wenn ein junger Mediziner sagt "Mobilfunk macht krank", dann glauben ihm dies mehr Leute, als wenn selbiges z.B. ein alter Literaturprofessor behauptet.

Doch wie steht es wirklich um die Kompetenz von Ärzten in der Mobilfunkdebatte, wissen Mediziner wovon sie reden, wenn sie nach den Risiken elektromagnetischer, elektrischer oder magnetischer Felder gefragt werden? Dazu gab es in Deutschland und Österreich wissenschaftliche Untersuchungen, die ein ernüchterndes Ergebnis zeigten.

An dieser Stelle nur einige Auszüge aus diesen Untersuchungen.

Leitgeb schreibt in der Zusammenfassung seiner öffentlich nicht unentgeltlich zugänglichen Arbeit:

Es ist eher einzigartig, dass es einen derartig weit verbreiteten Widerspruch zwischen den Meinungen von Ärzten und der anerkannten nationalen und internationalen Risikobewertung gibt. Angesichts der Häufigkeit der Begegnung mit dieser Thematik zeigen die Ergebnisse einen dringenden Handlungsbedarf auf.

Das Bundesamt für Strahlenschutz kommentiert die Arbeit von Berg-Beckhoff für ein Amt ebenfalls ungewöhnlich deutlich:

Ein beträchtlicher Anteil der Ärzte hat im Vergleich zu der aktuellen wissenschaftlichen Risikobewertung eine zu hohe Risikowahrnehmung bzgl. EMF. Dies kann u. a. auf die selbst geäußerte schlechte Informiertheit der Ärzte zurück zu führen sein. Es gilt, den Ärzten die aktuelle wissenschaftliche Risikobewertung zu EMF näher zu bringen, damit die Ärzte darauf bei ihrer beratenden Tätigkeit zurückgreifen können.

Und C. Gruber schreibt in seinem Spiegel-Artikel:

Viele Mediziner sind nicht in der Lage, Statistiken richtig zu lesen. Berliner Wissenschaftler fordern deshalb eine verbesserte Ausbildung von Ärzten. Problematisch wird das fehlende Know-how bei der Beratung von Patienten. Denn falsche Auskünfte haben manchmal dramatische Folgen.

Eines aber haben alle diese Arbeiten nicht untersucht: Die kommerziellen Interessen, die einige Ärzte verfolgen, indem sie sogenannte "Elektrosensible" mit mehr oder weniger anerkannten alternativen Heilmethoden als Privatpatienten mehr oder weniger erfolgreich behandeln. Wer glaubt, unter Elektrosmog(-Phobie) zu leiden, findet auch jede Menge Heilpraktiker, die jeden "elektrosensiblen" Patienten begeistert behandeln. Schlimm ist das alles nicht, trifft es doch nur selbst diagnostizierte "Elektrosensible" (EMF-Phobiker). Schlimm sind dagegen die Hinweise, dass sich diverse der Heiler nach Kräften mühen, die Angst vor Elektrosmog tief in der Bevölkerung zu verankern, um langfristig ein sicheres Einkommen mit immer neu aufkreuzenden vermeintlichen "Elektrosensiblen" zu haben. Auch andere Berufssparten rechnen sich Umsatz mit EMF-Ängstlichen aus, es gibt daher auch Hinweise auf ein organisiertes kooperatives Vorgehen von Profiteuren. Unter Medizinern sind besonders niedergelassene "Umweltärzte" auf dem Gebiet "Elektrosmog" aktiv. Die Bundesärztekammer formulierte dazu 2012 eine klaren Standpunkt:

Mit Sorge wurde die Ausübung der Umweltmedizin in Arztpraxen betrachtet, die vielfach durch dubiose Diagnoseverfahren neue Umweltprobleme und -belastungen erst generieren, z. B. die Umweltbelastung durch Arsen. Hier bedarf es einer klaren Abgrenzung zur seriösen Umweltmedizin. [...]

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Ärzte, Mobilfunk, Umweltmedizin, Elektrosmog, Psychische Krankheit, Ärzteappelle, Kommerzialisierung, Risikowahrnehmung


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum