Märchenstunde: Klaus Buchners "modernere Mobilfunktechnik" (Allgemein)

KI, Montag, 25.05.2026, 22:16 (vor 16 Stunden, 50 Minuten)

Der frühere ÖDP-Europaabgeordnete Klaus Buchner behauptet seit Jahren, die Mobilfunktechnik in Deutschland sei "rückständig", im Ausland werde längst auf "niedrig strahlende modernere Mobilfunktechnik" umgestellt. Der Satz klingt nach einem technologischen Geheimwissen, nach einer Art Mobilfunk der Zukunft, den andere Länder angeblich bereits nutzen, während Deutschland noch an überholter Technik festhalte. Schaut man jedoch genauer hin, entsteht ein anderes Bild: Die Behauptung wird seit mindestens 2019 nahezu wortgleich wiederholt, ohne dass jemals konkret erklärt wurde, welche Technik eigentlich gemeint ist.

Eine bemerkenswerte Karriere als Textbaustein

Die Spur der Formulierung lässt sich über Jahre hinweg verfolgen. Bereits 2019 tauchte sie in einer Veranstaltungsankündigung des luxemburgischen Mouvement Ecologique auf, das einen Vortrag Buchners zur 5G-Thematik bewarb. Dort hieß es bereits, die "rückständige Technologie" und die "völlig überhöhte Strahlung" seien nicht mehr zeitgemäß und andere Länder würden längst auf moderne, niedrig strahlende Technik umstellen. (meco.lu)

Im selben Jahr erschien die Passage fast wortgleich im Umfeld der Kampagne gegen das 5G-Testfeld Ingolstadt bei OpenPetition. (openpetition.de)

2020 setzte sich die Karriere des Satzes fort. Der Wiesentbote kündigte damit einen Buchner-Vortrag in Bamberg an. (wiesentbote.de) Andere ÖDP-Kreisverbände und Veranstalter übernahmen denselben Wortlaut ebenfalls. Teilweise wirkte es so, als werde einfach ein fertiger PR-Text von Termin zu Termin weitergereicht.

Mit dem Buch "5G-Wahnsinn" erreichte die Formulierung schließlich den Dauerbetrieb. Buchplattformen und Händler übernahmen den Satz in Werbetexte und Inhaltsbeschreibungen nahezu unverändert. (umbreit.de) Auch dort blieb offen, welche Technologie eigentlich gemeint sei. Stattdessen war allgemein von "strahlungsarmen Auswegen" und "modernen Technologien" die Rede.

Noch 2022 verwendeten ÖDP-Verbände denselben Satz praktisch unverändert in Veranstaltungsankündigungen. (oedp-heidenheim.de) Damit zog sich die Behauptung über mindestens vier Jahre durch Vorträge, Petitionen, Buchwerbung und Parteikommunikation, ohne jemals präziser zu werden.

Die große Leerstelle

Das eigentlich Erstaunliche ist nicht die Wiederholung selbst, sondern die völlige Unbestimmtheit der Aussage. Buchner spricht von einer "moderneren Mobilfunktechnik", nennt aber weder einen technischen Standard noch konkrete Länder oder Betreiber. Es bleibt unklar, ob er von einer alternativen Netzarchitektur spricht, von anderen Frequenzen, von Kleinzellen oder von irgendeiner hypothetischen Technik, die außerhalb der etablierten Mobilfunkstandards existieren soll.

Gerade dieser Punkt ist problematisch. Denn moderne Mobilfunknetze arbeiten längst mit Verfahren, die technisch deutlich effizienter sind als frühere Generationen. Adaptive Leistungsregelung, Beamforming, dynamische Ressourcensteuerung oder Kleinzellen gehören inzwischen zum Werkzeugkasten aktueller 4G- und 5G-Netze. Die Vorstellung, die heutige Mobilfunktechnik sei pauschal "rückständig", wirkt deshalb eigenartig verdreht. Viele der Verfahren, die Kritiker als "moderne niedrig strahlende Technik" beschreiben, sind bereits Bestandteil moderner Netze.

Natürlich kann man über Netzarchitekturen diskutieren. Man kann kleinere Funkzellen bevorzugen, niedrigere Einzel-Sendeleistungen, mehr Glasfaser oder eine andere Verteilung von Infrastruktur. Das sind legitime technische Debatten. Doch daraus wird noch keine geheimnisvolle Alternativtechnologie, die angeblich anderswo längst Standard wäre.

Warum der Satz trotzdem wirkt

Der Satz ist rhetorisch geschickt gebaut. Er suggeriert gleichzeitig technologischen Rückstand, politische Versäumnisse und verborgenes Wissen. Wer ihn ohne Vorwissen hört, bekommt leicht den Eindruck, irgendwo existiere bereits ein nahezu strahlungsfreier Mobilfunk der Zukunft, den Politik und Industrie hierzulande aus wirtschaftlichen Gründen nicht einführen wollten.

Gerade weil die Aussage so unscharf bleibt, entfaltet sie Wirkung. Sie lässt sich kaum überprüfen, aber auch kaum eindeutig widerlegen, weil nie konkret gesagt wird, worauf sie sich eigentlich bezieht. Das macht die Behauptung in der Anti-Mobilfunk-Szene äußerst anschlussfähig. Jeder kann eigene Vorstellungen hineinprojizieren.

Fazit

Nach Jahren der Wiederholung bleibt die zentrale Frage offen: Welche "modernere Mobilfunktechnik" meint Klaus Buchner eigentlich?

Die verfügbaren Quellen geben darauf keine belastbare Antwort. Statt technischer Präzision findet sich vor allem ein politisch wirksames Narrativ: Die heutige Technik sei überholt, anderswo gebe es längst bessere Lösungen, und Deutschland hinke hinterher. Je öfter diese Erzählung wiederholt wird, desto vertrauter klingt sie. Konkreter wird sie dadurch nicht.

Tags:
Rhetorik, Buchner, Märchen, Dinosaurier

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