Karl Hecht: Keine Angst vor Millimeterwellen! (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 23.05.2026, 17:22 (vor 3 Tagen)

Der 2022 im 99. Lebensjahr verstorbene DDR-Wissenschaftler Karl Hecht gehört zu den Säulenheiligen der deutschen Anti-Mobilfunk-Szene. Denn Hecht wertete die sowjetische Originalliteratur zu den gesundheitlichen Folgen von HF-EMF-Befeldung aus und mahnte unermüdlich Grenzwertsenkungen auf sowjetisches Niveau an. Doch was kaum einer weiß: Hecht sprach 2001 in einem Fachartikel Millimeterwellen frei, indem er verkündete, aus den sowjetischen Tierexperimenten geht eine Zunahme der Intensität der bioaktiven Wirkung elektromagnetischer Felder mit steigender Wellenlänge hervor. Heißt im Umkehrschluss: Je kürzer die Wellenlänge, desto unbedenklicher ist ein HF-EMF-Signal.

Hecht wertete die russischsprachige Fachliteratur von 1960 bis 1996 aus und schrieb 2001, biologische Wirkungen von elektromagnetischen Feldern (EMF) bestünden unbestreitbar. Gegenwärtig werde in der Öffentlichkeit diskutiert, ob und in welchem Maße die elektromagnetischen Felder der Handys gesundheitsschädigende Wirkungen hätten. Zahlreiche Studien in verschiedenen Ländern, die gewöhnlich eine Untersuchungszeit von zirka zwei Jahren auswiesen und sich vorwiegend an strukturellen Veränderungen orientierten, hätten häufig keine überzeugenden Beweise erbracht für eine gesundheitsschädigende Wirkung. Über eine deutlich längere Zeitspanne und unter Berücksichtigung funktioneller Veränderungen sei dagegen die Einwirkung elektrischer, magnetischer und elektromagnetischer Felder in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion untersucht worden. Die Auswertung von 878 Aufsätzen aus etwa 1'500 russischsprachigen Originalliteraturquellen der Jahre 1960 bis 1996 habe dazu beigetragen, wesentliche
Ergebnisse über Langzeitwirkungen elektromagnetischer Felder aus der ehemaligen Sowjetunion zu erschließen.

In seinem Resümee schreibt Hecht

Die Dauer der Einwirkungen von EMF erweist sich aufgrund der Literaturstudien als dominierender Faktor für bio-aktive Wirkungen. Im Wesentlichen lassen sich drei Einwirkungsdauer-Bereiche benennen, innerhalb deren objektive Befunde oder/und subjektive Beschwerden beschrieben werden:

► Einwirkdauer bis zu 5 Jahren: leichte Veränderungen, z. T. sogar Aktivierung der physiologischen Reaktion;
► Einwirkdauer ab 5 Jahren bis 10 Jahre: prämorbide Zustände bzw. Anfangsphase pathologischer Veränderungen;
► Einwirkdauer über 10 Jahre: Manifestation verschiedener funktioneller und struktureller Veränderungen bis zur Krankheit.

Es ist besonders darauf hinzuweisen, dass die Grenzwerte für die Einwirkung der EMF im betrachteten Gebiet bei einem Zehntel der US-amerikanischen und westeuropäischen Werte lagen. Aus den Tierexperimenten geht eine Zunahme der Intensität der bio-aktiven Wirkung elektromagnetischer Felder mit steigender Wellenlänge (mm- bis m-Bereich) hervor.

Quelle: Nachzulesen ist Hechts überraschende Feststellung in Ausgabe 3/2001 des Magazins "Strahlenschutzpraxis", dem Organ des Fachverbands für Strahlenschutz e. V.

Kommentar: Würde die Behauptung Hechts zutreffen, ionisierende Strahlung mit ihren sehr kurzen Wellenlängen wäre biologisch unbedenklicher als z.B. Rundfunksender auf Mittelwelle. Da dies bekanntlich nicht zutrifft, kann an Hechts Darstellung etwas grundsätzlich nicht stimmen. Ich behaupte, er hat sich äußerst unglücklich ausgedrückt und meinte das glatte Gegenteil: Die bio-aktive Wirkung elektromagnetischer Felder nimmt mit abnehmender (kürzerer) Wellenlänge zu. Denn so modifiziert kollidiert seine Behauptung nicht mehr mit der Tatsache, dass die Wellenlänge eines Signals umgekehrt proportional zu dessen Frequenz ist, hohe Frequenzwerte also mit kurzen Wellenlängen einhergehen.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum