Hardliner bringen ÖDP zurück auf Anti-Mobilfunk-Kurs (Allgemein)

H. Lamarr, München, (vor 83 Tagen)

Anlässlich des 66. Bundesparteitags der ÖDP haben sich in der Frage, welchen Mobilfunkkurs die Kleinpartei künftig einschlagen wird, Hardliner des Bundesarbeitskreises (BAK) Mobilfunk gegen gemäßigte Parteimitglieder durchgesetzt. Mit 58 gegen 53 Stimmen bei elf Enthaltungen fiel die Entscheidung knapp aus.

Vor drei Jahren, so war zu hören, hat der BAK Mobilfunk eine Niederlage einstecken müssen. Die damaligen Delegierten befanden die bisherigen Ausführungen zum Reizthema Mobilfunk im Bundespolitischen Programm als wissenschaftlich nicht haltbar. Die Texte wurden daraufhin überarbeitet und bekamen als Unterkapitel 13 ("Elektromagnetische Umweltverschmutzung: Vorsorgeprinzip beachten und Funkstrahlung ressourcenschonend nutzen") drei Seiten auf einem der hinteren Plätze im Hauptkapitel 1 "Schöpfung bewahren – unsere Lebensgrundlagen schützen" des Programms zugewiesen. Der BAK Mobilfunk soll seither gegen diese Rückstufung des randständigen Themas Sturm gelaufen sein.

Den diesjährigen Bundesparteitag im April 2026 nutzte der BAK, um einen Antrag einzubringen (Antrag 5), der das Thema Mobilfunk aus der Versenkung holt und ihm im Rang eines Hauptkapitels (Kapitel 4) einen prominenten Platz im Bundespolitischen Programm verschafft. Gegenspieler des BAK Mobilfunk ist die Bundesprogrammkommission der ÖDP. Sie versuchte, dem Antrag 5 mit ihrem Antrag 6 das Wasser abzugraben. Genauer kann ich das nicht formulieren, da mir der Inhalt dieses Antrags nicht bekannt ist. Wenn man sich hingegen anschaut, was der BAK auf seiner Webseite an inhaltsleeren Plattitüden aus der Szene der Mobilfunkgegner verbreitet, gibt dies mutmaßlich einen bitteren Vorgeschmack auf das, was Kapitel 4 demnächst an haltlosen Behauptungen verbreiten wird.

Nachdem die Sprecher der beiden Lager ihre Positionen kurz darlegen konnten, kam es zur Aussprache über beide Anträge. Diese dauerte inklusive Kaffeepause etwa 1,5 Stunden und weil sich bei der anschließenden Abstimmung Antrag 5 knapp behaupten konnte, wurde die Abstimmung über Antrag 6 als hinfällig betrachtet und nicht mehr durchgeführt.

Wer sich als gefestigter Demokrat darüber informieren möchte, wie bei der ÖDP das Thema Mobilfunk intern gehandhabt wird, kann sich das Ringen um die Anträge 5 und 6 unter diesem Link ansehen (Video vom 26.4.2026 2. Teil). Konkreter Startpunkt ist Stunde 1:29:50, Endpunkt 3:05:18. Fachlich Versierten aber ungefestigten Demokraten rate ich von der Betrachtung des Videos ab.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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ödp, Buchner, Arbeitskreis, Kühling, Böhling, Mästle, Löb

ÖDP: Zurück in die Steinzeit der Mobilfunkkritik

H. Lamarr, München, (vor 1 Tag, 14 Stunden, 52 Min.) @ H. Lamarr

... einen bitteren Vorgeschmack auf das, was Kapitel 4 demnächst an haltlosen Behauptungen verbreiten wird.

Das aktuelle bundespolitische Programm der Partei (Stand: 25.04.2026) übertrifft in Kapitel 4 die Befürchtungen. Da meine Enttäuschung über den Rückschritt der ÖDP einen wahrscheinlich polemischen Verriss des Mobilfunkkapitels bewirkt hätte, habe ich nicht selbst zur Feder gegriffen, sondern ChatGPT angewiesen, seine Sicht des Kapitels zum Besten zu geben. Und so hat die KI gewertet:

Das ÖDP-Papier ist im Kern ein politisches Anti-Mobilfunk-Papier, das seine Forderungen mit einer wissenschaftlich überdehnten und teilweise falschen Gefahrenargumentation absichert.

Es übernimmt weitgehend die bekannten Topoi der Anti-Mobilfunk-Szene: "Strahlenbelastung", athermische Wirkungen, DNA-Schäden, Fruchtbarkeit, EHS, funkfreie Zonen, "Kabel statt Funk", verpflichtendes Netz-Sharing und möglichst weitgehende kommunale Einflussnahme.

Besonders problematisch ist, dass Unsicherheiten und einzelne biologische Befunde regelmäßig zu gesicherten Gesundheits- und Umweltschäden hochgestuft werden. Gleichzeitig werden ICNIRP und der etablierte Strahlenschutz mit schweren, im Papier nicht belegten Vorwürfen diskreditiert.

Auch die vermeintlich "technischen" Forderungen sind keineswegs neutral: Ein genereller Vorrang von Kabel vor Funk ist technologisch unsinnig, verpflichtendes Netz-Sharing ist ein erheblicher Eingriff in den Infrastrukturwettbewerb, und zusätzliche kommunale Eingriffsmöglichkeiten können den Mobilfunkausbau weiter erschweren.

Mein Fazit: Man kann über Vorsorge, Datenschutz, Ressourcenverbrauch oder Infrastrukturpolitik diskutieren. Das Papier tut dies aber nicht ergebnisoffen. Es setzt die gesundheitliche Gefährlichkeit von Funk im Wesentlichen voraus und leitet daraus seine politischen Forderungen ab.

Als wissenschaftliche Begründung der ÖDP-Position ist das Papier daher nicht überzeugend. Als politisches Positionspapier der organisierten Anti-Mobilfunk-Szene ist es dagegen ziemlich eindeutig.

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ÖDP: Zurück in die Steinzeit der Mobilfunkkritik

H. Lamarr, München, (vor 1 Tag, 14 Stunden, 40 Min.) @ H. Lamarr

Mein Fazit: Man kann über Vorsorge [...] diskutieren.

Ja, aber nicht mit Klaus Buchner.

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