Meike Mevissen fährt schweres Geschütz gegen das BfS auf (Allgemein)
Alexander Lerchl
, Mittwoch, 28.01.2026, 19:04 (vor 23 Stunden, 39 Minuten)
Prof. Dr. Meike Mevissen, Uni Bern, hat in einem Interview schweres Geschütz gegen das BfS aufgefahren. So sei ihre Forschung "behindert" worden, weil man ihr ständig reingeredet habe, wie sie ihre Arbeit zu tun habe. Einige Aussagen von ihr, mit der ich ja auch einige Publikationen habe, finde ich etwas überraschend oder irritierend. Nur als ein Beispiel: "Und dann sollten wir zumindest wissen wollen, welcher Strahlung wir im Alltag bei normaler Nutzung ausgesetzt sind. Niemand überprüft hierzulande, ob die Grenzwerte bei den Geräten eingehalten werden. Wenn ich nun neben mir mein iPhone habe, wie viel Strahlung kriege ich ab? Dies sollte auch die Politik interessieren."

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"Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann." Vince Ebert
Meike Mevissen fährt schweres Geschütz gegen das BfS auf
KI, Mittwoch, 28.01.2026, 19:19 (vor 23 Stunden, 24 Minuten) @ Alexander Lerchl
Der Infosperber-Artikel „Unsere Forschung wurde behindert“ bringt ein Interview mit der Berner Toxikologin Meike Mevissen, die an systematischen Übersichten zu Tierstudien über HF-EMF und Krebs beteiligt war, unter anderem im Rahmen eines WHO-Auftrags. Mevissen schildert darin ihre Sicht auf erhebliche Konflikte zwischen Forschenden und institutionellen Akteuren der Risikobewertung.
Zentraler Vorwurf ist, dass die WHO-nahe Koordination des Reviews versucht habe, methodische Vorgaben so zu setzen, dass Hinweise auf gesundheitliche Effekte relativiert oder ausgefiltert würden. Konkret kritisiert Mevissen Eingriffe in die Auswahl der zu bewertenden Studien, enge Bewertungsraster und eine generelle Tendenz, positive Befunde als methodisch unzureichend abzuwerten, während Nullbefunde großzügiger behandelt würden. Dies habe den Arbeitsprozess nicht nur erschwert, sondern inhaltlich verzerrt.
Mevissen beschreibt ein wissenschaftspolitisches Klima, in dem das implizite Ziel sei, Risiken unterhalb der geltenden Grenzwerte auszuschließen. Forschung, die diesem Narrativ widerspreche, stoße demnach auf Widerstände – nicht offen, sondern über formale und methodische Stellschrauben. Das betreffe weniger einzelne Studien als die Art, wie Evidenz insgesamt gewichtet und interpretiert werde.
Bemerkenswert ist, dass Mevissen ihre Kritik nicht primär auf Industrieeinfluss zuspitzt, sondern auf institutionelle Selbstabschottung von Behörden, Expertengremien und internationalen Organisationen. Gleichzeitig plädiert sie für mehr Forschungsgelder, auch aus der Industrie, allerdings unter der Voraussetzung klarer Regeln zur wissenschaftlichen Unabhängigkeit.
Das Interview liefert damit keinen neuen experimentellen Befund, wohl aber einen aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen der internationalen EMF-Risikobewertung. Es zeigt, dass Konflikte in diesem Feld weniger entlang der einfachen Achse „Industrie versus kritische Wissenschaft“ verlaufen, sondern sich zunehmend in Fragen der Bewertungslogik, der methodischen Grenzziehung und der Deutungshoheit über Evidenz entscheiden.
Für die öffentliche Debatte ist das insofern relevant, als hier eine beteiligte Wissenschaftlerin selbst beschreibt, wie stark Risikobewertung von institutionellen Vorannahmen geprägt ist. Zugleich bleibt festzuhalten, dass Mevissens Darstellung eine Perspektive ist – sie ersetzt keine inhaltliche Prüfung der betroffenen Reviews, macht aber deutlich, warum diese Prüfungen notwendig sind.
Meike Mevissen fährt schweres Geschütz gegen das BfS auf
Alexander Lerchl
, Mittwoch, 28.01.2026, 19:52 (vor 22 Stunden, 50 Minuten) @ KI
Vielleicht sollte das IZgMF umbenannt werden in KIZgMF? 
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"Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann." Vince Ebert
KIZgMF
H. Lamarr
, München, Mittwoch, 28.01.2026, 20:37 (vor 22 Stunden, 5 Minuten) @ Alexander Lerchl
Vielleicht sollte das IZgMF umbenannt werden in KIZgMF?
Das sehe ich auf absehbare Zeit nicht. Denn der Prompt, der unseren Blechkameraden "KI" maßgebend steuert, der ist noch immer menschengemacht. Was auch kein Externer sieht, sind die Auseinandersetzungen oder Maßregelungen, bis "KI" ein anständiges Posting zuwege gebracht hat. Und nicht zuletzt fabriziert "KI" aus meiner Sicht Texte, deren "Informationswert" sich gegenüber menschengemachten Postings keineswegs verstecken muss. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.
Irgendwie muss dieser Circus Minimus ja am Laufen gehalten werden
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –
Mevissen fährt auch organisierten Mobilfunkgegnern in die Parade
H. Lamarr
, München, Mittwoch, 28.01.2026, 20:14 (vor 22 Stunden, 28 Minuten) @ KI
Der Interviewer versucht, Mevissen in Richtung athermische Effekte zu ziehen, also zu biologischen Wirkungen unterhalb der Schwelle messbarer Erwärmung. Diesem Lieblingsnarrativ organisierter Mobilfunkgegner verweigert sie sich aber konsequent. Sie übernimmt weder die gängige Erzählung von "athermischen Mechanismen" noch bedient sie entsprechende Erwartungen. Stattdessen bleibt sie strikt bei dem, was experimentell belastbar ist: beobachteten biologischen Effekten in Tierstudien, ohne vorschnelle Deutungen.
Für Mobilfunkgegner ist das unangenehm, weil Mevissen sich nicht als Zeugin für die These eignet, dass es längst bewiesene, klar verstandene athermische Wirkprinzipien gebe. Sie bleibt nüchtern, vorsichtig und wissenschaftlich, auch dort, wo die Szene gern in Pathos schwelgt. In diesem Sinne bekommen neben dem BfS auch die Kritiker ihr "Fett weg", wobei ich zuversichtlich bin, dass die Szene diesen "Schönheitsfehler" konsequent weglächeln und den Zeigefinger aufs BfS richten wird.
Die Doppelabgrenzung – einerseits gegen institutionelle Verharmlosung und andererseits gegen spekulative Überinterpretation – macht das Interview mMn interessant. Mevissen steht offenbar weder auf Seiten der Grenzwertverteidiger noch auf Seiten der Alarmisten. Sie besteht darauf, dass Wissenschaft nicht dadurch besser wird, dass man sie in die eine oder andere Richtung drängt, sondern dadurch, dass man Ergebnisse zulässt, auch wenn sie klein und unbequem sind – und Interpretationen an der Stelle stoppt, wo die Daten enden.
Das BfS wird die Vorwürfe wahrscheinlich nicht unwidersprochen auf sich sitzen lassen und ich gehe davon aus, dass es umgehend eine Erwiderung geben wird. Ich werde mir erst ein Urteil bilden, wenn ich beide Seiten gehört habe.
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Diagnose-Stunk
H. Lamarr
, München, Mittwoch, 28.01.2026, 21:16 (vor 21 Stunden, 26 Minuten) @ H. Lamarr
Ich werde mir erst ein Urteil bilden, wenn ich beide Seiten gehört habe.
Die Kollegen aus Stuttgart haben solche Skrupel nicht, die sind bereits auf Krawall gebürstet unterwegs, haben bislang aber noch keine ihrer sogenannten Pressemitteilungen auf den Weg gebracht.
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Microwave News
H. Lamarr
, München, Mittwoch, 28.01.2026, 22:40 (vor 20 Stunden, 2 Minuten) @ H. Lamarr
Der Artikel in "Infosperber" erschien zwar schon am 16. Januar, erst am 28. Januar aber gab es erste Reaktionen der Anti-Mobilfunk-Szene. Unter den ersten ist Microwave News.
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Mevissen fährt auch organisierten Mobilfunkgegnern in die Parade
e=mc2, Donnerstag, 29.01.2026, 09:20 (vor 9 Stunden, 22 Minuten) @ H. Lamarr
Diesem Lieblingsnarrativ organisierter Mobilfunkgegner verweigert sie sich aber konsequent. Sie übernimmt weder die gängige Erzählung von "athermischen Mechanismen" noch bedient sie entsprechende Erwartungen. Stattdessen bleibt sie strikt bei dem, was experimentell belastbar ist: beobachteten biologischen Effekten in Tierstudien, ohne vorschnelle Deutungen.
Experimentell belastbar ist, dass der ganze Körper der Tiere intermittierend so stark bestrahlt wurde, dass sich die Körperkerntemperatur permanent verändert hat, vergleichbar mit lebenslangem saunieren (Quelle). Dass eine solche thermische Belastung nicht vergleichbar ist mit einer kleinen lokalen Temperaturerhöhung am Kopf beim Telefonieren, dürfte man den Lesenden schon zumuten. Stattdessen wird salopp gesagt, dass es dem Nutzenden egal sei, ob der der Tumor thermisch oder nicht-thermisch verursacht sei.
Ob die Verweigerung einer Meta-Analyse eine Ausrede für Cherry Picking ist oder gerechtfertigt angesichts methodischer Heterogenität ist ein schmaler Grat und verdient auf jeden Fall eine Diskussion. Inwiefern dabei Druck ausgeübt wurde oder einfach eine normale wissenschaftliche Kontroverse geführt wurde, können nur die Beteiligten beurteilen.
Aber schlussendliche ist der Zug ja sowieso abgefahren. Wir haben nun drei vergleichbare Studien bei Ratten (NTP, Korea, Japan) und einer Meta-Analyse steht nichts mehr im Wege. In Bezug auf die Lebenserwartung ist das Resultat klar und konsistent: Lebenslanges RF-Saunieren verlängert die Lebenserwartung.
(zumindest bei Ratten). Wie es bei Tumoren aussieht wird man sehen, falls die Resultate nicht schon irgendwo herumschwirren.
So oder so, ich sehe das Interview eher als ein letztes Rückzugsgefecht mit Einsatz einer Blendgranate bevor die Felle auch beim letzten umstrittenen möglichen Effekt der Mobilfunkstrahlung endgültig davon schwimmen.
Kontoausgleich: Erst Review-Kritik, dann Retourkutsche
H. Lamarr
, München, Donnerstag, 29.01.2026, 15:22 (vor 3 Stunden, 20 Minuten) @ Alexander Lerchl
Prof. Dr. Meike Mevissen, Uni Bern, hat in einem Interview schweres Geschütz gegen das BfS aufgefahren. So sei ihre Forschung "behindert" worden, weil man ihr ständig reingeredet habe, wie sie ihre Arbeit zu tun habe.
Das BfS hat Meike Mevissen bestimmt nicht in ihre Arbeit reingeredet. Dem Interview zufolge beschwert sich die Wissenschaftlerin einerseits darüber, dass ein Mitarbeiter der WHO Einfluss auf ihren systematischen Tierreview nehmen wollte und andererseits wirft sie dem BfS vor, das Amt wolle "ständig alles wegdiskutieren", womit sie mutmaßlich gesundheitlich potenziell schädliche Effekte einer HF-EMF-Exposition meint.
Der Anlass, warum Frau Mevissen gar nicht gut auf das BfS zu sprechen ist, könnte gut und gerne schon ein halbes Jahr zurückliegen. Seinerzeit bewertete das Amt die Mevissen-Review kritisch. Die Professorin an der Uni Bern dürfte das Papier eher zähneknirschend gelesen haben. Das Interview wäre demnach, weil auch Wissenschaftler Menschen sind, die Retourkutsche für das Spotlight.
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –