2026-06-09: Mutige Mobilfunkpolitik für fleckenfreien Empfang (Allgemein)

H. Lamarr, München, (vor 40 Tagen) @ H. Lamarr

Publikationsdatum: 9. Juni 2026
Titel: Mutige Mobilfunkpolitik könnte graue Flecken per nationalem Roaming beseitigen
Inhalt: Der Anti-Mobilfunkverein Diagnose-Funk drängt auf bundesweites nationales Roaming. Ein Netz für alle wäre so einfach – bei Strom, Straßen oder dem Internet gäbe es auch jeweils nur ein Netz, das dann alle nutzen könnten. Dies müsse auch fürs Mobilfunknetz umgesetzt werden, technisch möglich sei dies ja. Ein positiver Nebeneffekt wäre, dass dort, wo vier parallel betriebene wenig ausgelastete Mobilfunknetze unrentabel wären, der Ausbaudruck entfiele. Das spare Ressourcen und Energie bei den Netzbetreibern ein, weil weniger Masten gebaut und versorgt werden müssten. Nationales Roaming wäre eine echte Win-win-Situation für alle.
Kommentar: Eine Win-win-Situation für uns alle? Diese vereinfachende Behauptung ist nicht haltbar. Wäre nationales Roaming tatsächlich eine Lösung, von der alle Beteiligten profitieren, darüber würde nicht seit vielen Jahren gestritten. Die anhaltende Debatte zeigt vielmehr, dass die Sache komplizierter ist, als der Verein einem glauben machen möchte.

Die eigentliche Frage lautet nicht, ob nationales Roaming technisch möglich ist. Das steht seit Jahrzehnten außer Frage. Umstritten ist vielmehr, welche Folgen ein verpflichtendes nationales Roaming hätte für den Wettbewerb, die Investitionen und den weiteren Netzausbau.

Hier einige Aspekte, die Diagnose-Funk in seiner Pressemitteilung unerwähnt lässt:

► Nationales Roaming kann die Versorgung in grauen Flecken schnell bessern, gleichzeitig kann es jedoch den Anreiz für die eingemieteten Netzbetreiber verringern, in wenig frequentierten Gegenden selbst neue Standorte zu errichten.
► Der Stuttgarter Verein sieht in dem dadurch sinkenden "Ausbaudruck" ausdrücklich einen Vorteil. Eben dieser Effekt wird von Regulierungsbehörden, Wettbewerbsökonomen und großen Netzbetreibern jedoch seit Jahren als risikobehafteter Nachteil für den Ausbau in strukturschwachen Regionen gesehen.
► Die zuweilen in Kreisen der Industrie geäußerte Befürchtung, Betreiber müssten ihre Infrastruktur dann kostenlos mit Konkurrenten teilen, trifft nicht zu. Roaming wird vergütet. Die Streitfrage lautet vielmehr, wie solche Entgelte festgelegt werden sollen, ohne Investitionen zu bremsen oder Wettbewerb zu verzerren.
► Je umfassender nationales Roaming praktiziert würde, desto schwieriger wird es für Kunden zu erkennen, welcher Anbieter die bessere Infrastruktur aufgebaut hat. Der für Netzbetreiber bedeutsame Zusammenhang zwischen Netzausbau und Kundenbindung ginge dadurch schleichend verloren.
► Die von Diagnose-Funk verwendete Analogie zu Stromnetzen oder Straßen ist irreführend. Die Existenz mehrerer Mobilfunknetze ist kein Betriebsunfall, sondern von Anfang an nach der Liberalisierung der Deutschen Bundespost politisch gewollter Infrastrukturwettbewerb.
► Regulierungsbehörden in aller Welt beschäftigen sich seit Jahren mit den Vor- und Nachteilen nationalen Roamings. Dass sich bis heute kein allgemeiner Konsens herauskristallisierte, spricht gegen die Darstellung des Vereins, hier liege eine offensichtliche Lösung auf der Hand.

Die "Pressemitteilung" beantwortet ausführlich die Frage, was nationales Roaming leisten könnte. Sie verliert hingegen kein Wort darüber, weshalb Regulierungsbehörden, Wettbewerbsökonomen und Netzbetreiber seit Jahren über genau dieses Modell streiten. Nationales Roaming kann durchaus sinnvoll sein, insbesondere in dünn besiedelten Regionen oder bei lokalen Netzausfällen. Es befeuert jedoch einen klassischen Konflikt zwischen Versorgungsqualität, Wettbewerb und Investitionsanreizen. Die Darstellung des Stuttgarter Vereins verkürzt diesen Konflikt auf die populistisch vereinfachte Botschaft "Ein Netz für alle". Doch diese Simplifizierung wird der Komplexität des Themas in keiner Weise gerecht.
Google-News: Die Abfrage bei der Nachrichten-Suchmaschine Google-News erfolgt nach angemessener Wartezeit in ein paar Tagen. Am 15. Juni ergab die nachgeholte Abfrage mit diesem Suchbegriff null relevante Treffer.
Hintergrund: Der Stuttgarter Verein hat sich 2025 die Herausgabe einer "Pressemitteilung" zur noch immer ungelösten Streitfrage des nationalen Roamings anscheinend für Juni auf Wiedervorlage gelegt.
- 2025-05-25: Nationales Roaming schließt sofort Funklöcher
- 2025-06-03: National Roaming oder "Ein Netz für alle"

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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Roaming


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