Mobilfunk: Mindeststandards wissenschaftlicher Arbeiten (Allgemein)

H. Lamarr, München, (vor 3315 Tagen) @ H. Lamarr

Wenn fachliche Laien Mobilfunkstudien beurteilen, spielen subjektive persönliche Empfindungen, Vorurteile und Interessen häufig eine dominierende Rolle. Solche Bewertungen, wie sie von Anti-Mobilfunk-Vereinen wie Diagnose-Funk, Bürgerwelle oder Gigaherz vorgenommen werden, sind für Ratsuchende gehaltlos (Beispiel).

Wissenschaftliche Arbeiten müssen folgende qualitative Mindeststandards erfüllen:

Dosimetrie

  • Angabe der relevanten Expositionsparameter (Frequenzbereich, Signalform, Expositionsdauer, Expositionsintensität — SAR, Feldstärke)
  • Nachvollziehbarkeit des Versuchs anhand eines entsprechenden Protokolls
  • Wünschenswert: Angabe der Typen der verwendeten Messgeräte, Variabilität der dosimetrischen Größe

Statistische Signifikanz

  • Angabe statistischer Standardkriterien (Konfidenzintervall, p-Wert)
  • Angabe der angewendeten statistischen Verfahren

» Können die Resultate dadurch gegen die Vermutung eines Zufallsergebnisses hinreichend abgesichert werden?

Replikation der Untersuchungsergebnisse

  • Minimalanforderung: mögliche Nachvollziehbarkeit der Studie anhand des Studiendesigns
  • Wünschenswert: Wiederholbarkeit (Replikation) der Studienergebnisse

Kausalität

  • Dokumentation der Versuchs- und Kontrollgruppe
  • Verblindete Exposition und Auswertung
  • Selektionsmechanismen
  • Confounder

» Können somit andere Variablen für den gefundenen Zusammenhang mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden?

Adversität

  • Störung der Organfunktion
  • nicht rückbildungsfähig (nach Wegfall der Exposition) oder
  • Schädigung der Nachkommenschaft

» Hat der gefundene Effekt gesundheitliche Relevanz für den Menschen?

Ökologische Validität

  • Übertragbarkeit der Studiensituation auf die realen Bedingungen, unter denen Mobilfunk stattfindet

Quelle: Wissenschaftlicher Beirat Funk (WBF), Österreich, Stand: Juni 2017

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Wissenschaft, Studie, Forschung, Exposition, Confounder, Dosimetrie, Feldstärke, Transparenz, Replikation, Kausalität, WBF, Verblindung, Bewertung


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