Leserbrief: Wolf Bergmann an Spiegel (Medien)
Leserbrief von Dr. Wolf Bergmann an die Redaktion des Spiegel:
Herrn Manfred Dworschak
DER SPIEGEL
Redaktion Wissenschaft und Technik
Oberlinden 80
60323 Frankfurt / Main
Freiburg, den 02.05.2007
Betr.: Ihr Artikel "Mobilfunk. Der Hamster ist Zeuge" (Spiegel 18/07)
Sehr geehrter Herr Dworschak,
als einer der von Ihnen interviewten Ärzte frage ich mich und hiermit Sie:
Wie ist es Ihnen möglich, nach all dem, was Sie wissen, einen solchen Artikel zu schreiben? Oder wissen Sie wirklich so wenig? Oder dürfen Sie nichts wissen? Haben Sie selber als Journalist und Benutzer der Mobilfunktechnologie Angst? Warum sind Sie so ironisch und zynisch? Was ist Ihr Motiv, was Ihr Auftrag und von wem?
Was ich Ihrem Artikel entnehme:
- Die Interessen der Mobilfunkindustrie sind für Sie unantastbar oder müssen unausgesprochen bleiben oder existieren gar nicht.
- eine unabhängige, seit über 7 Jahrzehnten etablierte Wissenschaft von reproduzierbaren schädigenden biologischen Wirkungen von Mobilfunkfrequenzen auf lebende Organismen existiert für Sie nicht.
- Die ärztliche Beobachtung von Menschen, die subjektiv und objektiv unter Mobilfunkbelastung erkranken und unter Entlastung gesunden, existiert für Sie nicht oder zählt nicht wirklich.
- Die Erfahrungen und Schilderungen von Betroffenen ist für Sie im zu belächelnden Reich des Glaubens angesiedelt.
- Die von Ihnen flapsig beschriebene Möglichkeit der Projektion von anderen Leiden auf den Mobilfunk und die Möglichkeit der Retraumatisierung von durch Mobilfunk Traumatisierten ist real und ein sehr sehr schwieriges menschliches und wissenschaftlich-ärztliches Problem. Für Betroffene. Und für Behandler, an die es sehr hohe Anforderungen an Ausbildung, Erfahrung, Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen stellt. Sie lassen hinter diesem realen Problem die realen Probleme der schweren und schwersten Gesundheitsschäden durch Mobilfunk verschwinden und leisten damit der Diffamierung von Elektrosensiblen Vorschub ebenso wie der Unterlassung von dringend notwendiger Hilfeleistung und Schutz. Sie dienen damit der Mobilfunkindustrie und einer Verdrängung durch die Konsumenten.
- Daraus folgend vermisse in Ihrem Artikel menschliche Betroffenheit und Anteilnahme. Im Telefonat mit mir erklärten Sie, weder auf der einen noch der anderen Seite in diesem Konflikt zu stehen. Ich vermisse Ihre journalistische Unabhängigkeit.
- Sie beteiligen sich als Journalist eines weit verbreiteten Magazins an der Verbreitung und Verharmlosung einer Technologie, die über Resonanzphänomene tief in biologische Regelkreise als permanenter Störsender eingreift und technische Information zu biologischer Desinformation werden läßt. Auf diese Weise werden Sie selbst Teil einer gewollten Desinformationskampagne und fördern gesundheitsschädliche Gewohnheit, Verdrängung und Resignation. Möglicherweise ungewollt.
- Falls Sie sich nicht in Ihrem persönlichen Bereich ganz anders verhalten als aus Ihrem Artikel zu schließen ist, schaden Sie Ihrer eigenen Gesundheit.
- Das Wissen über diese Zusammenhänge ist da und steht Ihnen zur Verfügung. Die Erfahrungen dazu ebenfalls. Wenn Sie den Mut haben hinzuschauen, haben Sie reichlich Möglichkeit dazu. Das erfordert allerdings u.a. kritisches und unabhängiges Hinsehen und etwas Civilcourage.
- Davon wünsche ich Ihnen sehr viel mehr, als ich in Ihrem Artikel erkennen kann.
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Wolf Bergmann