Willkommen, James, im Team Diagnose-Funk (Allgemein)
Diagnose-Funk jauchzt zu Beginn seines Transparenzberichts 2025:
Das Jahr 2025 hat im Bereich Mobilfunk und Gesundheit wichtige neue Erkenntnisse gebracht: Die bestehenden Mobilfunkgrenzwerte schützen nicht vor Gesundheitsschäden, sagt nicht nur diagnose:funk, sondern nun auch der renommierte Hochfrequenz-Experte Prof. Dr. James C. Lin. [...]
Es muss ein bewegender Moment für den Vereinsvorstand gewesen sein. Nach Jahrzehnten wissenschaftlicher Forschung, nach zwölf Jahren in der ICNIRP-Kommission, nach Hunderten Fachpublikationen und unzähligen internationalen Konferenzen gelangt nun auch James C. Lin endlich zu den Erkenntnissen der Stuttgarter.
Doch die eigentliche Pointe steckt gar nicht in der Botschaft, sondern in zwei unscheinbaren Wörtchen:
Die zwei Wörtchen "nun auch" leisten Erstaunliches. Aus einem international renommierten Wissenschaftler wird im Handumdrehen ein Spätbekehrter, der endlich zu Einsichten gelangt ist, über die Diagnose-Funk sich längst im Klaren glaubt.
Nicht James C. Lin entwickelt aufgrund seiner eigenen Analyse der wissenschaftlichen Literatur eine kritische Haltung.
Nein.
Er reiht sich nun unter jene ein, die es schon immer wussten. Der ehemalige ICNIRP-Kommissar wird vom international renommierten Wissenschaftler zum verspäteten Beitrittskandidaten in den Verein degradiert. Fast erwartet man den Satz:
"Willkommen im Team, James."
Dabei hätte man den Sachverhalt auch ohne Selbstbeweihräucherung formulieren können:
"James C. Lin vertritt heute Positionen, die Diagnose-Funk seit Jahren unterstützt."
Das wäre nüchtern, korrekt und frei von der stillen Botschaft, die Welt habe nun endlich zu Stuttgart aufgeschlossen.
Aber vermutlich wäre das kommunikativ weniger befriedigend gewesen. Denn seien wir ehrlich: Wenn sich die Gelegenheit bietet, einen ehemaligen ICNIRP-Kommissar als nachträglichen Kronzeugen der eigenen Weitsicht zu präsentieren, wäre Bescheidenheit nur im Weg.
Und so bleibt der Eindruck, dass Diagnose-Funk weniger James C. Lin entdeckt hat als vielmehr eine weitere Gelegenheit zur aufdringlichen Selbstinszenierung.