Behandlung von MCS & EHS: Bayern muss Konzept umsetzen (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Samstag, 27.06.2020, 23:51 (vor 1428 Tagen)

Wichtiger Etappensieg für MCS und EHS im Bayerischen Landtag.

Beschluss des Bayerischen Landtags (Drucksache 18/7485) vom 24. April 2020 auf Antrag von CSU und Freie Wähler.

Umweltassoziierte Erkrankungen

Die Staatsregierung wird aufgefordert, die Umsetzung eines Konzepts zur Behandlung von Menschen, die an umweltassoziierten Erkrankungen (z.B. Multiple Chemikalien-Sensitivität – MCS, Elektrosensibilität – EHS etc.) leiden, im Rahmen der vorhandenen Stellen und Mittel einzuleiten.

Dabei sind folgende Maßnahmen von großer Bedeutung:

► die Erstellung eines regelmäßig zu aktualisierenden Verzeichnisses durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) – mit Anlaufstellen und Spezialisten, die mit dem Thema umweltassoziierte Erkrankungen vertraut sind.

► die Anregung an Universitätsklinika zur Schaffung „Medizinischer Kompetenzstellen“ (mit jeweils einem Arzt plus Sekretariat) in den Ambulanzen für Umweltmedizin Erlangen, München und künftig Augsburg sowie Anwendung der Erkenntnisse und Methoden der praktisch-klinischen Umweltmedizin.

► die Ausweitung der Forschung zu umweltassoziierten Symptomkomplexen (z.B. MCS, EHS) z.B. an den „Medizinischen Kompetenzstellen“.

► der Ausbau der ärztlichen Fortbildungen im Bereich der Umweltmedizin.

► im Sinne der Barrierefreiheit die Prüfung geeigneter Maßnahmen verschiedener Art zur Erleichterung der Meidung der auslösenden Faktoren unter Einbeziehung von Betroffenenvertretern.

Darüber hinaus wird die Staatsregierung aufgefordert zu prüfen, ob mittelfristig ein zentrales Kompetenzzentrum die Versorgung verbessern würde. Auch soll sie sich auf Bundesebene dafür einsetzen, die Umweltmedizin im Leistungskatalog der Krankenkassen aufzuwerten. So sollen beispielsweise fünf Basisleistungen für umweltassoziierte Symptomkomplexe – wie etwa MCS – eingeführt werden.

Hintergrund
- Multiple Chemikaliensensitivität (MCS), Drucksache Nr. 18/5308 vom 24.01.2020, Schriftliche Anfrage BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
- Umwelterkrankungen, Drucksache 17/13175 vom 02.12.2016, Schriftliche Anfrage BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kommentar
Erst im November 2019 bestellte das Maximilianeum auf Antrag von CSU und Freie Wähler bei der Bayerischen Staatsregierung eine Globulistudie (Drucksache 18/4640). Diese soll Auskunft geben, ob mit alternativmedizinischen Methoden und ggf. ergänzend verabreichten homöopathischen Präparaten ein reduzierter Antibiotikaeinsatz im medizinischen Bereich realisiert werden kann, um Todesfälle durch multiresistente Keime zu vermeiden. Bayern belustigte mit diesem Beschluss die Bundesrepublik von Flensburg bis Berchtesgaden, beispielsweise spottete in der "Zeit" ein Glossist Globukalypse now! Die Gunst der Stunde infolge der Coronakrise nutzend landeten die beiden Regierungsparteien im Landtag ihren nächsten Coup im April 2020 hingegen öffentlich gänzlich unbemerkt.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Globukalypse im Bayerischen Landtag nicht zu stoppen

H. Lamarr @, München, Sonntag, 19.07.2020, 23:43 (vor 1406 Tagen) @ H. Lamarr

Erst im November 2019 bestellte das Maximilianeum auf Antrag von CSU und Freie Wähler bei der Bayerischen Staatsregierung eine Globulistudie (Drucksache 18/4640). Diese soll Auskunft geben, ob mit alternativmedizinischen Methoden und ggf. ergänzend verabreichten homöopathischen Präparaten ein reduzierter Antibiotikaeinsatz im medizinischen Bereich realisiert werden kann, um Todesfälle durch multiresistente Keime zu vermeiden.

Das Informationsnetzwerk Homöopathie versuchte noch am 4. November 2019 mit einem Offenen Brief an die bayerischen Landtagsabgeordneten, den irrationalen Beschluss des Bayerischen Landtags zu verhindern. Vergeblich, drei Tage später pressten 120 gegen 47 Abgeordnete bei drei Enthaltungen das von CSU und Freie Wähler (FW) beantragte Kamel durchs Nadelöhr :no:. Eine Abgeordnete der FW, von Beruf Krankenschwester, beschwor unmittelbar vor der Abstimmung das Plenum im Plenarsaal:

[...] Wir Freie Wähler und die auch CSU halten es für erforderlich, alternativmedizinische Methoden genauer zu untersuchen, um den Einsatz von Antibiotika weiter zu reduzieren. Meine Damen und Herren, hören Sie auf, auf die Homöopathen einzuprügeln. Lassen Sie doch endlich Schulmedizin und Homöopathie auf Augenhöhe wirken.

(Beifall bei den Freien Wählern und der CSU – Zuruf des Abgeordneten Florian Ritter (SPD))

Meine Damen und Herren, ich würde mich freuen, wenn das Herr Christian Friedrich Samuel Hahnemann hören würde, der 1755 geboren wurde und die Homöopathie entwickelt und entscheidend beeinflusst hat. Wer heilt, hat recht. Ob es Ihnen passt oder nicht: Dieser Satz stimmt. [...]

Zur Erholung von so viel kindlich wirkendem Aberglauben im Bayerischen Landtag, dem ein Münchener Dienstmann mit Flügeln offenkundig noch immer nicht die göttliche Eingebung überbracht hat, hier ein Auszug aus dem Offenen Brief des Informationsnetzwerk Homöopathie:

[...] Salopp gesagt, hört hier aber nun wirklich der Spaß auf. Uns ist wohl bekannt, dass immer wieder Homöopathie als Antibiotikaalternative propagiert und auch angewandt wird. Vor allem in der Nutztierhaltung ist dies erschreckend weit verbreitet (und wird von der EU-Tierarzneimittelrichtlinie auch noch befördert). Es gab vor etwa einem Jahr sogar den Versuch, über eine Crowdfunding-Plattform Geld für entsprechende „homöopathische Forschung“ einzubringen, was glücklicherweise im Ansatz steckenblieb. Nun, inzwischen sind wir weiter: Von der Nutztierhaltung zur Humanmedizin, vom Crowdfunding vergleichsweise bescheidenen Ausmaßes zum Anzapfen öffentlicher, durch Steuereinnahmen refinanzierter Mittel. weiter ...

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– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Landtag, Homöopathie, Alternativmedizin, FW, CSU, Crowdfunding, Globuli

Was wurde eigentlich aus Bayerns "Globukalypse"?

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 11.05.2023, 00:08 (vor 381 Tagen) @ H. Lamarr

Erst im November 2019 bestellte das Maximilianeum auf Antrag von CSU und Freie Wähler bei der Bayerischen Staatsregierung eine Globulistudie (Drucksache 18/4640). Diese soll Auskunft geben, ob mit alternativmedizinischen Methoden und ggf. ergänzend verabreichten homöopathischen Präparaten ein reduzierter Antibiotikaeinsatz im medizinischen Bereich realisiert werden kann, um Todesfälle durch multiresistente Keime zu vermeiden. Bayern belustigte mit diesem Beschluss die Bundesrepublik von Flensburg bis Berchtesgaden, beispielsweise spottete in der "Zeit" ein Glossist Globukalypse now!

Der Werdegang der "Globukalypse" vom Antrag bis zum Beschluss des Bayerischen Landtags ist in dieser Vorgangsmappe inkl. der Rededuelle der Landtagsabgeordneten nachzulesen.

Im Juli 2020 gab es dann in einer medizinischen Fachzeitschrift noch einen kritischen Kommentar "Der Bayerische Landtag und die Homöopathie", doch danach wuchs Gras über den eigenwilligen Ausdruck bayerischer Freistaatlichkeit. Gegen Corona hatte die "Globukalypse" keine Chance, das Interesse der Medien weiter am Globulikügelchen zu halten. Also kam ich nicht umhin, die Bayerische Staatsregierung selbst nach dem Stand der Dinge zu fragen, der da gemäß Auskunft lautet:

► Der Forschungsauftrag zur "Globukalypse" wurde nicht etwa an die in Alternativmedizin bewanderten Ärzte der sogenannten "Kompetenzinitiative" vergeben, sondern an keinen Geringeren als die Technische Universität München, Klinikum Rechts der Isar, Abteilung für Nephrologie.

► Die Münchener Nephrologen dürfen jetzt für dieses Forschungsvorhaben bewilligte Haushaltsmittel in Höhe von bis zu 709'480,75 € verforschen. Das sind rd. 34 Prozent der Finanzmittel, welche die EU in Adlkofers berühmt-berüchtigtes "Reflex"-Projekt steckte.

► Wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen kam es zu Verzögerungen bei der Projektumsetzung. Mit abschließenden Ergebnissen ist nicht vor Beginn des Jahres 2024 zu rechnen.

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Hogwarts an der Isar?

H. Lamarr @, München, Samstag, 03.02.2024, 22:16 (vor 112 Tagen) @ H. Lamarr

► Wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen kam es zu Verzögerungen bei der Projektumsetzung. Mit abschließenden Ergebnissen ist nicht vor Beginn des Jahres 2024 zu rechnen.

Noch ist das mit Spannung erwartete Ergebnis der Studie nicht bekannt. Es wird aber langsam etwas heller um das umstrittene Projekt.

► Noch 2019 ließ auch die Süddeutsche wegen des Projekts Dampf ab.
► Hintergrund, warum die Studie ausgerechnet an die TU München (Klinikum rechts der Isar) vergeben wurde: Einrichtung einer Professur für Naturheilkunde und Komplementärmedizin.
► Die Studie heißt "iHome-Studie" und hat eine eigene Website. Dort erfährt man u.a., es geht um eine individualisierte homöopathische Behandlung zur Reduktion des Antibiotikabedarfs bei Patientinnen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten.

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Ergebnisse der "iHom"-Studie nicht in Sicht

H. Lamarr @, München, Montag, 08.04.2024, 14:58 (vor 47 Tagen) @ H. Lamarr

► Wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen kam es zu Verzögerungen bei der Projektumsetzung. Mit abschließenden Ergebnissen ist nicht vor Beginn des Jahres 2024 zu rechnen.

Die "iHom"-Studie lässt weiter auf sich warten. Da auf der Website des Projekts noch immer Probandinnen mit häufigen Blasenentzündungen gesucht werden, ist ein Abschlussbericht in Bälde nicht zu erwarten.

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