WHO-Vollversammlung: Resolution zu NIR & IR (Allgemein)
Auf der 79. WHO-Vollversammlung am 23. Mai 2026 in Genf haben Delegationen der 194 WHO-Mitgliedstaaten eine Resolution zum Themenkomplex "Strahlung und Gesundheit" verabschiedet (WHA79.13). Die Mitgliedstaaten fordern mit dem nur drei Seiten umfassenden Papier die WHO auf, ihre Arbeit zu Strahlung und Gesundheit fortzuführen und auszubauen, und sie geben dem Generaldirektor mehrere konkrete Aufträge, darunter die Erstellung einer Bestandsaufnahme der internationalen Akteure bis 2028. Juristisch bindend sind solche Resolutionen grundsätzlich nicht, sie entfalten jedoch erhebliches politisches Gewicht.
Nichtionisierende Strahlung wird ausdrücklich einbezogen
Die Resolution unterscheidet nicht zwischen ionisierender und nichtionisierender Strahlung, sondern behandelt beide gemeinsam. Bereits in den Erwägungsgründen heißt es, dass Menschen weltweit ionisierender und nichtionisierender Strahlung aus Umwelt, Beruf und Medizin ausgesetzt sind. Außerdem wird ausdrücklich anerkannt, dass die WHO auf dem Gebiet der nichtionisierenden Strahlung und der Gesundheit der Menschen eine internationale Führungsrolle durch evidenzbasierte Bewertungen und gesundheitspolitische Leitlinien wahrnimmt.
Unter den Aufforderungen an die Mitgliedstaaten findet sich die Forderung,
[...] nationale Systeme zur Überwachung der Exposition der Bevölkerung, von Beschäftigten und Patienten gegenüber ionisierender und nichtionisierender Strahlung auszubauen, einschließlich Radon, UV-Strahlung, elektromagnetischer Felder und medizinischer Quellen.
Zu den ausdrücklich genannten Expositionsquellen gehören also auch elektromagnetische Felder (EMF).
Keine Neubewertung der Gesundheitsrisiken
Die Resolution trifft keine Aussage, dass Mobilfunk gefährlicher sei als bisher angenommen. Ebenso wenig werden neue Grenzwerte oder neue wissenschaftliche Erkenntnisse angesprochen. Stattdessen fordert sie:
► bessere Überwachung,
► Risikokommunikation,
► Forschung,
► internationale Zusammenarbeit,
► Unterstützung der Mitgliedstaaten durch die WHO.
Zusammenarbeit mit ICNIRP ausdrücklich bekräftigt
Für die EMF-Debatte besonders bedeutsam ist, dass die WHO ihre Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Organisationen und wissenschaftlichen Gremien ausdrücklich hervorhebt. Genannt werden unter anderem:
► International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection,
► International Commission on Radiological Protection,
► United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation,
► International Atomic Energy Agency,
► International Telecommunication Union und weitere.
Das spricht deutlich gegen Gerüchte, die WHO wolle sich von ICNIRP lösen. Im Gegenteil: Die Zusammenarbeit wird ausdrücklich fortgeführt.
Neuer Auftrag an die WHO
Die wichtigste neue Aufgabe ist vermutlich Punkt 2(1). Der Generaldirektor soll bis 2028 eine globale Bestandsaufnahme erstellen:
► welche Akteure weltweit im Bereich Strahlung und Gesundheit tätig sind,
► welche Aufgaben sie haben,
► welche Lücken bestehen,
► und wie die öffentliche Gesundheitsvorsorge verbessert werden kann.
Bewertung
► Die Resolution ist keine Neubewertung der Mobilfunkrisiken.
► Sie festigt die bisherige Rolle der WHO im Bereich nichtionisierender Strahlung.
► EMF werden ausdrücklich erwähnt, aber ohne neue Risikoeinschätzung.
► Die Zusammenarbeit mit ICNIRP wird ausdrücklich bekräftigt.
► Neu ist vor allem der Auftrag, die internationale Landschaft der Akteure zu kartieren und mögliche Lücken zu identifizieren.