Klaus Buchner: "Wir wissen mehr als genug ..." (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 20.06.2026, 15:51 (vor 1 Tag, 8 Stunden, 6 Min.)

Wer von sich mit dem Pluralis Majestatis in der Mehrzahl spricht, ist mit Vorsicht zu genießen. Buchner sagt "wir", doch faktisch kann er nur über sich behaupten: "Ich weiß mehr als genug". Einem seriösen Wissenschaftler sollten solche überheblichen Worte niemals über die Lippen kommen, so hoch hatte Buchner die Latte allerdings nie gelegt. Über den Abstieg eines altgedienten Mobilfunkgegners ins Reich drittklassiger Medien.

[image]◄ Klaus Buchner im Interview mit Report 24
Bild: Report 24


Der ehemalige Bundesvorsitzende der deutschen Kleinpartei ÖDP punktete mit seinen Beiträgen zur EMF-Risikodebatte zu keiner Zeit bei Leuten vom Fach, sondern immer bei Laien. Vor diesem Publikum kann er ungestraft das Blaue vom Himmel erzählen, denn wer nichts weiß, muss alles glauben. Buchners wichtigste Türöffner ins Hirn seiner Zuhörer sind seine akademischen Titel. Sie verleiten das Publikum zu dem Trugschluss, der Vortragende werde schon wissen, wovon er redet. Dass der gelernte Physiker, der später Studenten Mathematik beibrachte, sich auch gerne als Fachmann in Sachen Biologie, Botanik und Medizin ausgibt, kommt dem titelfixierten Publikum üblicherweise nicht spanisch vor.

Was Journalisten von Buchners Erzählungen halten, durfte ich schon vor ungefähr 25 Jahren erfahren. Seinerzeit war ich noch ein Gefolgsmann des Professors und mir wurde um 2005 herum aus erster Hand zugetragen: Anlässlich einer Veranstaltung über die Schrecklichkeiten des Mobilfunks trat auch Klaus Buchner auf. Unter den Zuhörern war mindestens ein Journalist. Als Buchner ans Rednerpult trat, stand der Mann auf und ging hinaus. Draußen fand eine Gruppe von Rauchern zusammen und der Zeitungsmann wurde gefragt, wieso er ausgerechnet jetzt hinausgegangen sei. Seine Antwort lautete sinngemäß: Er habe Buchner schon früher zugehört und wer einen von dessen Vorträgen gehört habe, habe alle seiner Vorträge gehört. Der Journalist spielte darauf an, dass Buchner seine Vorträge gerne ein bisschen situationsabhängig ausschmückt, im Grunde aber immer das Gleiche erzählt.

Buchners Stern als Referent ist seit langem im Sinkflug. Erkennbar daran, dass er bis vor etwa zwei Jahren zwar häufig öffentlich aufgetreten ist, die Auftritte aber mehrheitlich von Kreisgruppen der ÖDP für ein titelfixiertes Publikum aus dem ökologischen Spektrum organisiert waren.

Der jüngste Tiefpunkt fand am 2. Mai 2026 statt. Buchner folgte dem Ruf eines überzeugten Impfgegners und erzählte anlässlich einer vierstündigen "Pressekonferenz" die Geschichten, die er immer erzählt. Auf ein seriöses oder bekanntes Medium warteten die Teilnehmer der Veranstaltung vergeblich, das Vakuum füllten einige Medien der alternativen Szene. Mit von der Partie war Report 24, ein österreichisches Online-Medium, das sich selbst als "alternatives" und "unabhängiges" Nachrichtenportal versteht. Das Portal ordnet sich selbst ausdrücklich dem Spektrum der alternativen Medien zu und hat deshalb keine Hemmungen, alternative Fakten zu verbreiten. Anlässlich der Veranstaltung im Mai gab Buchner Report 24 ein 15-Minuten-Interview, das man sich hier anschauen kann. Kritische Fragen oder gar Widerspruch musste der 85-Jährige nicht fürchten, er durfte nach Herzenslust seine persönliche Meinung zum Risiko Mobilfunk als gesicherten Stand des Wissens ausgeben. Altersweisheit? Keine Spur!

Hintergrund
Klaus Buchners tiefer Fußabdruck im IZgMF-Forum

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum