Demokratie in der Wissenschaft: Mehrheit siegt? (Forschung)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 29.03.2023, 18:48 (vor 451 Tagen) @ H. Lamarr

Die Tabakindustrie, so Vickers weiter, habe dies in den 1960er und 1970er Jahren genutzt, um Ärzte und Wissenschaftler dazu zu bringen, die Verbindung zwischen Rauchen und Krebs in Frage zu stellen. "Hätte es unser geplantes Institut schon gegeben, als die Wissenschaft gegen Big Tobacco kämpfte, wir wären selbst dann, wenn die Tabakfirmen 100 Wissenschaftler den Zusammenhang mit Krebs hätten anzweifelten lassen, in der Lage gewesen zu zeigen, dass die Zweifler nur eine sehr kleine Minderheit waren."

Ja, im Rückblick aus dem Jahr 2023 ist die Sichtweise von Vickers nachvollziehbar. Aber was wäre gewesen, hätte es das Institut damals tatsächlich gegeben? Hätte Big Tobacco dem tatenlos zugeschaut? Wohl eher nicht, wahrscheinlicher ist die Annahme, das wissenschaftliche Stimmvolk wäre unterwandert worden, um das Ergebnis von Abstimmungen vorherbestimmen zu können. Die zweifelsfreie Integrität von 100'000 Wissenschaftlern vor jeder Abstimmung gewährleisten zu wollen halte ich für eine schier unlösbare Sisyphosaufgabe. Und ergäben handhabbare Stichproben bei vielleicht 100 Personen nur zehn faule Eier, das Vertrauen in die Ergebnisse wäre irreparabel geschädigt, zumindest bei knappen Ergebnissen. Dann wäre alles beim Alten, wieder würden Zweifel regieren.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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