Netzausbau in Deutschland stockt, Strafzahlungen drohen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 21.01.2023, 19:15 (vor 1137 Tagen)

Traut man den Pressemitteilungen der großen deutschen Mobilfunkunternehmen, schreitet der Netzausbau zügig voran. Bei 500 bislang nicht versorgten Gebieten aber hakt es, schreibt das Handelsblatt und spricht von drohenden Strafzahlungen für die Netzbetreiber. Die wiederum wenden ein, an hartnäckigen "weißen Flecken" seien nicht sie schuld.

Auszüge aus dem Artikel im Handelsblatt vom 20. Januar 2023:

Haben die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 das Land ausreichend mit Mobilfunknetzen versorgt? Dieser Frage geht zurzeit die Bundesnetzagentur nach und will am Montag einen Bericht vorlegen.

Die Antwort dürfte kostspielig für die Unternehmen werden. Denn für sie gelten seit 2019 Auflagen, die die Unternehmen samt wertvollen 5G-Frequenzen erhielten. Für jeden fehlenden Mast droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro, je nach Verschulden.
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Laut Agenturchef Klaus Müller lagen Anfang Dezember erst für 173 Flecken konkrete Verträge für Masten vor, bei 153 fehlten über drei Jahre nach der Auktion noch immer geeignete Standorte. Bei den restlichen Funklöchern seien die Anbieter indes „relativ weit fortgeschritten“. Ebenso gibt es Probleme in den Tunneln der Bahn.
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Vor allem die Bilanz von United-Internet-Gründer und CEO Ralph Dommermuth ist dürftig. Der Newcomer unter den Netzanbietern, der seit 2019 an einem vierten Mobilfunknetz in Deutschland arbeitet, kommt nicht voran. Von den tausend Funkstationen, die Dommermuths Unternehmen 1&1 bis Ende 2022 in Betrieb hätte nehmen müssen, standen Anfang 2023 lediglich drei.
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Dommermuths Hauptlieferant ist die formal unabhängige Vodafone-Tochter Vantage Towers, die allerdings statt der garantierten 650 Masten Branchenkreisen zufolge offenbar keinen einzigen fertig anschloss. [...] Im Gespräch mit dem Handelsblatt gab sich Dommermuth nun zuversichtlich: Mittlerweile seien mehr als drei Standorte in Betrieb. Die 1000 Masten, die 2022 stehen sollten, will er bis Ende des Jahres anschließen.
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Telefónica-Chef Markus Haas etwa hatte erklärt, dass 1000 Standorte nötig seien, um die Schienen ausreichend zu versorgen. Bisher könne die Bahn aber nur circa 30 bereitstellen. Es werde bis 2025 dauern, Zugang zu allen Tunneln zu erhalten, klagte Telekom-Deutschlandchef Gopalan. Hinzu kämen Probleme mit dem Bahnfunk, der in allen Zügen erst bis 2024 modernisiert werde. Auch Philippe Rogge von Vodafone stellte klar, dass die Verzögerungen „unverschuldet“ seien.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Netzausbau, Funklöcher


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