München hat wieder eine Anti-Mobilfunk-"Bürgerinitiative" (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 27.09.2020, 00:35 (vor 1341 Tagen)

Ungefähr zwölf Jahre blieb München nach dem Untergang der BI "Funkpause" ohne Anti-Mobilfunk-Bürgerinitiative. Im Herbst 2019 will dann, rechtzeitig vor den Kommunalwahlen in Bayern 2020, die Bürgerinitiative Stopp 5G München entstanden sein, die eigenen Angaben zufolge "[...] ein Zusammenschluss von engagierten Bürgerinnen und Bürgern [ist], die sich mit den soziologischen, umweltpolitischen und gesundheitlichen Auswirkungen der neuen Technologie bewusst auseinandersetzen und diese auf Basis wissenschaftlicher Forschungserkenntnisse kritisch hinterfragen."

Mit enorm breiter Brust behauptet diese BI: "Als Bürgerinitiative STOPP5G München bilden wir einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab." Warum dieser Querschnitt dann doch eher präservativer Natur ist, erfahren Wissbegierige <hier>.

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Doch hat München wirklich wieder eine Anti-Mobilfunk-BI?

Nein, nicht wirklich. Denn die Färbung dieser sogenannten Bürgerinitiative ist so unübersehbar orange, dass es sich hier nur um einen Heißluftballon handeln kann, den die ÖDP steigen hat lassen. Zwar schaffte es die "BI" mit einer Anti-5G-Petition sogar in die Süddeutsche Zeitung (SZ), doch wird dort von den drei vorgestellten BI-Köpfen nur Alpan Önder als Stadtratkandidat für München klar der ÖDP zugeordnet. Übersehen hat die SZ, dass auch David Reinholz ein ÖDP-Mann ist. Wahrscheinlich weil er, um beim Termin mit der SZ dabei zu sein, eigens von seiner Wirkstätte Samerberg über rd. 75 Straßenkilometer hinweg in die Bayerische Landeshauptstadt eilte. Reinholz war 2020 (erfolgloser) Kreistagkandidat der ÖDP-Rosenheim. Nur Anja Fabricius, das ist die monumental posende BI-Blondine aus dem SZ-Beitrag, hat keine sichtbaren Kontaminationen zur ÖDP. Sie wohnt nicht in München, sondern in einem Vorort und ist Musikerin am Bayerischen Staatsorchester, was auch sie nicht zwingend für sachkundige Kritik an 5G qualifiziert.

Nach dem Sensationserfolg, von der SZ wahrgenommen worden zu sein, zeigte die ÖDP-Initiative noch ein zweites Lebenszeichen. Sie war aus ihrer Sicht Mitveranstalter des Münchener 5G-Protesttages am 25. Januar 2020. Damals war Corona noch kein Thema. Trotzdem wollten sich nicht mehr als rd. 300 Teilnehmer auf dem Odeonsplatz einfinden. Alpan Önder hielt seinerzeit die Eröffnungsrede. Vergebens, in den Münchener Stadtrat wählten ihn die Münchener wenige Wochen später dennoch nicht.

Nachem die Kommunalawahlen in Bayern am 15. März 2020 vorüber waren, fiel die Website der ÖDP-Initiative bis heute in einen tiefen Dornröschenschlaf. Wer davon unbeirrt bei dieser "BI" mitmachen möchte und unter 33 Jahre alt ist, den lädt diese Seite des Webauftritts nach München in die Wilderich-Lang Str. 10 ein. Besucher treffen dort auf ein ÖDP-Bürgerbüro, das, deshalb die niedrige Altersgrenze, ein Treffpunkt der Jungen Ökologen Münchens ist.

Und was lernen wir daraus?

Wo Bürgerinitiative drauf steht, muss noch lange nicht eine Bürgerinitiative drin sein.

Hintergrund
Kandidaten der ödp inszenieren sich als 5G-Gegner
► Auf die Idee, sich eine "Bürgerinitiative" gegen Mobilfunk zu halten, kam bereits vor etwa zehn Jahren das Institut für Baubiologie + Ökologie (IBN), das heute Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit heißt.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
BI, ödp, Wahlkampf, Reinholz, Önder, Samerberg, Fake-Bürgerinitiative


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