Brüssel: Elektrosmog-Messtechnik löste Terroralarm aus (Allgemein)
Auszug aus Blick vom 20. Juli 2016:
Im Zentrum von Brüssel hat ein iranischer Physik-Student vorübergehend Terroralarm und einen Grosseinsatz der Polizei ausgelöst. Der Mann hatte am Mittwoch Verdacht erregt, weil er mit einem langen Mantel unterwegs war, unter dem Drähte herausragten.
Erst nach fünf Stunden konnten die Sicherheitsbehörden Entwarnung geben: es habe ein Verständigungsproblem mit dem Iraner geben, der Radioaktivitäts-Messungen angestellt habe.
So oder so ähnlich ging gestern abend eine AFP-Meldung um die Welt. Das Foto (Quelle: Conflits_FR) macht deutlich, dass die in einigen Berichten gebrauchte Formulierung vom knienden Mann mit verschränkten Armen nur die zweitbeste Übersetzung ist, denn wenn einer die Hände hinterm Kopf verschränkt knien muss, hat dies eine ganz andere Bedeutung. Was genau der Student in Brüssel messen wollte, darüber gingen die Meinungen in den Medien auseinander, anstelle von Radioaktivität ist zuweilen auch von Strahlung die Rede, womit elektromagnetische Felder gemeint sein könnten. Die Welt berichtet unter Berufung auf die Universität Gent, an der der junge Mann studiert:
Die Universität Gent erklärte am Abend, der Mann sei ein iranischer Doktorand. Er habe als Teil einer Studie eine spezielle Ausrüstung getragen, um radioaktive Strahlen in der Stadt und auf dem Land zu messen. Es habe sich um den "Prototyp" eines Messgeräts in Form einer Jacke mit Kabeln und Batterien gehandelt, die Verdacht erregt habe, sagte ein Universitätssprecher der Nachrichtenagentur Belga.
Doch wie kann die Universität etwas erklären, wenn sie seit 16. Juli und noch bis 24. Juli geschlossen ist? Diese Information habe ich vom Autoresponder der Pressechefin der Uni, die ich heute um Auskunft bat, was genau der Student messen wollte und wieso er dazu einen Wintermantel tragen musste. Kurz darauf meldete sich Stephanie Lenoir selbst und widersprach den Medienberichten: Der Student habe elektromagnetische Felder messen wollen, wie sie von Mobiltelefonen ausgehen. Was den Mantel angeht, schreibt sie weiter, habe sie praktisch keine Informationen. Sie könne sich jedoch denken, die Messtechnik benötige Platz, den ein dicker Wintermantel besser böte als eine luftige Sommerjacke.
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –