Wissenschaft als Lobby-Instrument (Allgemein)
Der Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler veröffentlichte 2008 den Artikel Nicht öffentlichkeitsfähig. Hier ein Auszug daraus:
Mit Fachveranstaltungen, (halb-) wissenschaftlichen Publikationen, Medienauftritten von glaubwürdigen Botschaftern/Fürsprechern und PR-Kampagnen soll die öffentliche und wissenschaftliche Debatte beeinflusst werden. In der englischen lobbykritischen Debatte hat sich in den letzten Jahren dafür der Begriff "deep lobbying" etabliert. In Deutschland wird demgegenüber euphemistischer vom Wandel der Politik- zur Gesellschaftsberatung gesprochen. Gemeint ist jedenfalls die mittel- und langfristige Beeinflussung politischer Entscheidungen auf indirektem, häufig mehrfach vermitteltem Weg, z.B. über die Stationen Wissenschaft und Medien.
Kommentar: Aus meiner Sicht wird beim Thema Lobbyismus den selbsternannten "Lobbyisten der Bevölkerung" zu wenig Beachtung geschenkt. Ich meine diese Leute, die sich vordergründig in Vollendung des Edelmuts selbstlos fürs Gemeinwohl aufopfern, hintenherum aber total unedle Motive haben wie verdeckte finanzielle Interessen oder die Bewältigung ureigenster Persönlichkeitsstörungen auf Kosten der Gemeinschaft. Nach mehr als zehn Jahren in der Mobilfunkdebatte kann ich nur leidenschaftslos sagen: Die wenigsten der Akteure, die wir kennenlernten, hatten bei genauerem Hinsehen ehrliche Motive. Wobei der Selbstreinigungseffekt der Debatte dabei schon berücksichtigt ist. Soll heißen, "normale" Mobilfunkgegner verabschieden sich in aller Regel aus der Anti-Mobilfunk-Szene so schnell, wie sie eingetreten sind (nur leiser), so dass diese Gruppe beim "genaueren Hinsehen" stark unterrepräsentiert ist. Diese "normalen" Leute sind einfach schon wieder weg, bevor man sich über deren Motivation im Klaren werden konnte. Für alle Verbliebenen eröffnet dies keine besonders schmeichelhafte Perspektive
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –