Die Presse einschalten: Alarmmeldungen in die Medien bringen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 22.07.2012, 13:53 (vor 4326 Tagen) @ RDW

Alleine schon dieser Fehler (es gibt noch mehr) lässt tief blicken, wenn noch nicht einmal einfachst nachlesbare Fakten richtig dargestellt werden, sei es unabsichtlich oder gar gewollt.

Ja, die Wege der "Information" sind in der Mobilfunkdebatte häufig unergründlich.

- Warum beschäftigt sich der Behörden Spiegel ausgerechnet jetzt mit dem Thema Tetra?
- Was bezweckte die Redaktion mit dem ursprünglichen Artikel?
- Wie kamen die beiden Autoren zu ihrer Meinung über das Risikopotenzial von Tetra?
- Wurde die Redaktion von interessierter Seite "gebrieft", mal was in Sachen Tetra zu bringen?

Aus meiner Erfahrung mit Redaktionen weiß ich, dass Impulse von außen schon einmal vorkommen, und auch bis ins Heft durchschlagen können. Da muss nur jemand gut mit dem Verleger oder dem Chef-/Ressort-Redakteur stehen, dann geht da was. Ich meine damit nichts Krasses, sondern kleine Gefälligkeiten, etwa das Veröffentlichen einer Meldung, die ohne Vitamin B nicht erschienen wäre und dergleichen.

Nehmen wir als konkretes Beispiel die überzeugte elektrosensible Richterin, die ihren Urlaub in einem Wohnmobil in einem abgelegenen badischen Funkloch verbringt. Daran gibt es nichts auszusetzen: Wenn die Frau glaubt, dass ihr das gut tut, soll sie es meinetwegen in jedem Urlaub so handhaben. Aber, so ist es eben nicht!

Die "Story" der Richterin erschien auf wundersame Weise noch während ihres Urlaubs in einer örtlichen Zeitung. Wie kommt sie dorthin, die Story, und wer hat beim Lancieren der Geschichte die Finger mit im Spiel gehabt? Nur durch Zufall kam ich bei der Richterin dahinter, dass es jemand war, der a) politisch engagiert ist, b) die Richterin kennt, und der c) mit dem Verkauf von "vitalisiertem Wasser" Umsatz macht. Dieser Mann, er ist vor Ort öffentlich bekannt, vermittelte die Story zwischen der Redaktion und der überzeugten Elektrosensiblen, da der Mann zudem Mobilfunkgegner ist, greifen da die Zahnräder schön ineinander, denn der Zeitungsbericht über die Richterin ist eines dieser Mosaiksteinchen, die dieses diffuse Meinungsbild unterschwelliger Angst vor Funk schaffen, an dem so viele mitverdienen. Ich kann mir mühelos vorstellen, dass es beim Behörden Spiegel ebenfalls nicht allein der Drang nach objektiver Aufklärung über angebliche Tetra-Risiken war, davon wäre dann ja etwas zu finden gewesen, sondern ein freundlicher Impuls von außen zur Inspiration beigetragen hat. Erfreulicherweise hatte der Beitrag ein offensichtlich geharnischtes Echo, das zu dem Folgeartikel im Behörden Spiegel führte. Die Jungs dort haben sich an dem Thema die Finger verbrannt, dumm ist nur, dass "Zweitverwerter" dem Behörden Spiegel die veraltete Botschaft aus der Tetra-Steinzeit (2001) abnehmen und sie als quasi "halbamtlich zertifiziert" weiter in Umlauf bringen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Ressort, Alarmschmeldung, Behörden-Spiegel


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