Kopfschmerzen: Hochspannungsleitung unter Verdacht (Allgemein)
Im Zuge eine Umstrukturierung musste ein Kollege, ein sportlich wirkender Mittdreißiger (Konstrukteur), sein Büro aufgeben, und gemeinsam mit anderen in ein Gemeinschaftsbüro umziehen.
Etwa drei Wochen nach dem Umzug, klagte er über häufige Kopfschmerzen. Sie kämen regelmäßig am späten Vormittag, nachdem er sich drei oder vier Stunden im neuen Büro aufgehalten habe.
Aufmerksam wurde ich, weil er den Verdacht äußerte: "Wenn das mal nicht die Hochspannungsleitung ist!"
Tatsächlich liegt das Gebäude, in dem er arbeitet, dicht neben einer Hochspannungs-Freileitung. Sein neuer Arbeitsplatz ist in dem Foto hinter dem gekippten Fenster. Mit Google-Earth vermessen hat er jetzt nur noch 16 Meter horizontalen Abstand bis zum ersten Hochspannungsseil, sein bisheriges Büro lag horizontal gut 52 Meter weit weg. Da die Hochspannungsseile ungefähr 15 Meter über dem Boden verlaufen, ist der tatsächliche Abstand nach Pythagoras etwas größer.
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Ich versuchte dem Kollegen klar zu machen, dass es gefährlich sei, sich etwas auf bloßen Verdacht hin einzureden, er käme dann womöglich von dieser Idee nicht mehr los. Gemeinsam diskutierten wir dann andere mögliche Verursacher, von denen es einige gibt:
- neues Büro mit möglichen Ausdünstungen aus Bodenbelag und Möbeln
- neue Arbeitssituation mit mehreren Kollegen im selben Raum
- Verdunkelung, weil sonst einige Computermonitore spiegeln
- berufliche Stresssituation
Wir verständigten uns darauf, dass er im Ausschlussverfahren versuchen sollte, der Reihe nach einen Verdachtsmoment nach dem anderen zu beseitigen.
Doch soweit kam es nicht: Als ich ihn zuletzt traf war er putzmunter. "Und die Kopfschmerzen?", fragte ich ihn. Die sind so plötzlich verschwunden, wie sie kamen. Was die Ursache war ist unklar, die Nähe zur Hochspannung scheidet mit großer Sicherheit aus, denn sein Arbeitsplatz ist an Ort und Stelle geblieben.
Gegenüber dem Firmengebäude steht ein anderes Haus direkt unter des Seilen der Freileitung. Bei Gelegenheit will ich dort mal fragen, wie es sich damit lebt.
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –