Comet-Assay (1) (Forschung)

Alexander Lerchl @, Freitag, 25.09.2009, 12:35 (vor 5380 Tagen)

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Der Comet-Assay ist das „Herzstück“ aller Auswertungen zu DNA-Schäden der Wiener Reflex-Studien und soll daher hier beschrieben werden, um dann detailliert auf Unstimmigkeiten einzugehen.

Die Schäden an der Erbsubstanz DNA, die ionisierende Strahlung oder Chemikalien verursachen, können mit verschiedenen Methoden untersucht werden. In Zellen wird dies zum Beispiel durch mikroskopische Analyse des Auftretens von „Mikrokernen“ festgestellt. Mikrokerne sind Abspaltungen von der DNA des Zellkerns. Eine weitere Methode sind aufwändige Untersuchungen von Chromosomenschäden, zum Beispiel der Chromatidentausch.

Eine vergleichsweise einfache und vielfach etablierte Methode ist der Comet-Assay (Assay = Verfahren), der hier kurz beschrieben werden soll. Der Comet („Schweif“) hat der Methode den Namen gegeben. Zunächst werden Zellen, die untersucht werden sollen (zum Beispiel aus einer Blutprobe oder aus einer Zellkultur), mit einer Agarose-Lösung vermischt (Agarose kann man sich vereinfacht wie Gelatine vorstellen). Dann müssen, damit die DNA sich frei bewegen kann und nicht im Zellkern verbleibt, die Zellen „lysiert“ werden, d.h. die Zellmembranen werden zerstört. Anschließend verbringt man die Mischung auf einen Glas-Objektträger. Durch Anlegen einer elektrischen Spannung werden die negativ geladenen DNA-Moleküle bzw. DNA-Bruchstücke zur Anode (positiv geladene Elektrode) „gezogen“. Nach einer gewissen Zeit wird der Vorgang gestoppt und die DNA-Moleküle durch einen speziellen Farbstoff gefärbt.

Der entscheidende Punkt bei dieser Methode ist nun folgender: Normalerweise (wenn keine DNA-Schäden vorhanden sind) bleiben die sehr großen und langen DNA-Moleküle mehr oder weniger an der gleichen Stelle, werden also durch das elektrische Feld nicht oder nur wenig „gezogen“. Wenn hingegen DNA-Bruchstücke vorhanden sind, die Moleküle also kleiner sind, werden sie so zur Anode gezogen, dass ein „Schweif“ (Comet) entsteht. Die kleinsten Bruchstücke wandern am weitesten, größere Fragmente wandern weniger weit.

Ein Beispiel, wie so etwas aussieht, kann man hier betrachten:
[image]
Quelle:
http://www.perceptive.co.uk/img/cometiv/fullscreenshot.jpg

Hier wird auch gezeigt, wie normalerweise ein solcher Assay ausgewertet wird, nämlich durch objektive, Computer-gestützte Verfahren.

Im Gegensatz hierzu wurden die Comet-Assays durch die AG Rüdiger in Wien nicht objektiv, sondern rein visuell und daher subjektiv ausgewertet. Es wurde kein einziger Parameter gemessen (z.B. die Länge der Kometen), sondern die Auswertung erfolgte durch Abschätzung. Dieser Punkt ist von zentraler Bedeutung für die Bewertung der Methode, die in dieser Form in allen weiteren Publikationen angewandt wurde.

Die Erstbeschreibung des Comet Assays, so wie er von der AG Rüdiger seither durchgeführt wurde, erfolgte im Jahr 1999 durch eine Publikation in der deutschsprachigen Zeitschrift „Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin“ (ASU), Band 34, Heft 11, Seiten 437-441. Der Gentner-Verlag hat dankenswerterweise zugestimmt, dass der Artikel aus der Zeitschrift (www.asu-arbeitsmedizin.com) online gestellt werden darf.

(Fortsetzung folgt)

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"Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann." Vince Ebert

Tags:
Reflex, Comet-Assay


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