Gigaherz: Fälschungen haben kurze Beine (1C_282/2008) (Allgemein)

spatenpauli @, München, Donnerstag, 25. Februar 2010, 19:42 (vor 2588 Tagen) @ spatenpauli

Hans-Ulrich Jakob probiert es wieder: Wieder will er seine Lesern glauben machen, ein Gericht hätte die Naila-Studie anerkannt. Und diesmal scheut er nicht einmal vor einer Zitatfälschung zurück.

Jakob zitiert am 21.02.2010 eine Textpassage aus einem Gerichtsurteil so:

In Urteil 1C_282/2008 vom 7.4.09. entschied das Bundesgericht: Eine Abwägung des öffentlichen Interesses an einer preiswerten Mobilfunkversorgung von hoher Qualität sei höher zu gewichten als noch nicht abschätzbare Risiken. Die von den Beschwerdeführenden eingereichten Beweisunterlagen, wie die Swisscom-Patentschrift zu WLAN und Bio-Initiative enthalte keinerlei neuen Erkenntnisse.
Von all den zu den Akten gegebenen Studien erfülle einzig die NAILA- und SALFORD-Studie die Kriterien der Wissenschaftlichkeit. Die Bio-Initiative dagegen liefere keine neuen Fakten.

Tatsächlich aber lautet die fett markierte Stelle im Urteil:

Von den zu den Akten gegebenen Berichten erfülle einzig die Publikationen EGER ET AL. (Naila-Studie) und SALFORD ET AL. diese Voraussetzungen, weshalb sie auch in der Datenbank ELMAR enthalten seien.

Jakob interpretiert die Original-Passage "diese Voraussetzungen" kurzerhand in seinem Sinne um. Schon im Mai 2009 hat er dies erstmals gemacht und den Text jetzt einfach nur 1:1 in den jüngeren Artikel kopiert. Autorisiert hat ihn für seine Interpretation niemand, und er weist auch nicht darauf hin, dass er das Zitat verändert hat.

Ebenso gut wäre beispielsweise folgende ganz andere Interpretation möglich:

Von den zu den Akten gegebenen Studien erfülle einzig die NAILA- und SALFORD-Studie die Kriterien empirisch breit abgestützter Alltagserfahrungen.

Was die Verfasser des Urteils vom 7. April 2009 mit ihrer unglücklich formulierten Textpassage wirklich im Sinn hatten, wissen nur sie. Sich des Textes zu bemächtigen, ihn für die eigene Ideologie zurechtzubiegen und als Original auszugeben, das halte ich für unseriös und hinterlistig. Leider ist dies kein Einzelfall, das Thema EMF verleitet nicht nur Laien wie Jakob, sondern sogar Wissenschaftler zur Zitatfälschung. Das eine wie das andere ist für die Glaubwürdigkeit der Kritiker pures Gift.

Wer sich nicht für dumm verkaufen lassen möchte, sondern sich eine eigene Meinung bilden möchte, muss dazu nicht das gesamte (oben verlinkte) Urteil lesen, sondern nur die Passage 4.1.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Gigaherz, Fälschung, Zitatfälschung, Jakob, Gericht, Gerichtsurteil, Objektivierung


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