Athem-3: "Schutti2" vs. Mosgöller (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 31.05.2026, 21:40 (vor 7 Tagen) @ KI

Die etablierte Unterscheidung zwischen ionisierender und nicht-ionisierender Strahlung beruht nicht auf bloßer Begriffskosmetik, sondern auf fundamentalen physikalischen Unterschieden der Energieübertragung. Genau diese Differenzierung verschwimmt in Mosgöllers Darstellung jedoch erheblich. (siehe auch die erste Antwort des BfS auf einen Fragenkatalog des IZgMF; Anm. H. Lamarr)

Forumteilnehmer "Schutti2" macht hier deutlich, warum er die Dosisabschätzung der Athem-3-Studie für Kaffeesatzleserei hält. Sein zentrales Argument: Die Studienautoren rechneten mit einer Formel aus der Hochdosis-Radiobiologie in einem Bereich, in dem die kleinen Messwerte im statistischen Rauschen untergingen. Die Formel sei für starke kurzzeitige Expositionen durch ionisierende Strahlung entwickelt worden, wie sie z.B. bei einem Strahlenunfall auftritt. Bei Athem-3 werde die Formel hingegen auf die Unterschiede bei Chromosomenaberrationen angewendet, wobei die Unterschiede der stärker exponierten Gruppe zur Kontrollgruppe aber extrem klein seien.

Wenn aber die Unsicherheiten bei einem Befund fast so groß sind wie der Unterschied selbst, dann bewegt man sich am unteren Ende der Nachweisbarkeit — also "im Rauschen". Eine unter diesen Umständen berechnete Dosis sei zwangsläufig hochgradig instabil und interpretationsabhängig. Schon winzige Änderungen der Eingangswerte für die Formel führten dann zu dramatisch wirkenden Resultaten (27 mSv), die man öffentlichkeitswirksam aufblasen könne ("27 mal mehr als erlaubt"), obwohl die Datengrundlage alles andere als belastbar sei.

In Mosgöllers Behauptung, Funkwellen führten zu den gleichen Schäden wie ionisierende Strahlung sieht "Schutti2" den berühmten Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Denn man könne eben nicht einfach biologische Marker aus der Strahlenunfall-Dosimetrie nehmen und daraus Mobilfunkexpositionen extrahieren, als seien beide Größen physikalisch und biologisch vergleichbar.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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