Gigaherz-Jakobs Albtraum: Roboterarm richtetet Antenne aus (Technik)
Gigaherz-Jakob ist stets beunruhigt, ob Mobilfunkantennen denn auch genau nach Bewilligung ausgerichtet in die Landschaft strahlen. Den Qualitätssicherungssystemen der Mobilfunknetzbetreiber, die u.a. auch die Ausrichtung dokumentieren, misstraut der Ex-Elektriker seit eh und je. Doch was Vodafone jetzt ankündigt, nämlich einen Roboterarm, der eine Mobilfunkantenne KI-gesteuert in unterschiedliche Richtungen schwenken und kippen kann, dürfte Jakob zum Albtraum gereichen.
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Sektorantenne mit Roboterarm
(Bild: Vodafone)
Künstliche Intelligenz wird eine wichtige Rolle spielen, um Mobilfunknetze noch leistungsfähiger zu machen. Vodafone testet nun erstmals einen Mobilfunk-Mast mit KI-Gehirn und Roboterarm. Gesteuert durch die KI kann der Roboterarm die Funkantennen an Masten innerhalb kürzester Zeit automatisch neu ausrichten. Zweck: Auf kurzfristige Ereignisse – etwa schwierige Wetterverhältnisse oder die Auslastung in einer Mobilfunk-Zelle – zu jeder Zeit schnell reagieren zu können, um die Netzabdeckung für die jeweiligen Bedingungen zu optimieren.
Mithilfe eines von Vodafone-Ingenieuren entwickelten Algorithmus steuert die KI den Roboterarm des südkoreanischen Unternehmens Humax Networks. Dieser ist nahe der Mobilfunkantennen angebracht und dreht oder neigt sie. Das System lernt und passt sich zudem kontinuierlich an und trifft Entscheidungen nahezu in Echtzeit ohne menschliches Eingreifen. Dadurch dauert ein Ausrichtungsvorgang nur 20 bis 30 Minuten.
Das Zusammenspiel aus KI und Roboterarm erprobt Vodafone derzeit an einem Mobilfunkstandort in Tirana, Albanien, mit Blick auf ein belebtes Einkaufszentrum. Tagsüber versorgt die Antenne die Menschen beim Einkaufen. Nachts verlagert sie die Abdeckung automatisch in ein nahegelegenes Wohngebiet. Dort schafft sie zusätzliche Kapazität, wenn die Internet-Nutzung am Abend steigt. Vodafone prüft derzeit, wo sich die Technik in Deutschland versuchsweise einsetzen lässt.
Im Alltag klettern Techniker auf einen Mobilfunk-Mast, um die dortigen Antennen händisch zu justieren – ein Vorgang, der von der Planung bis zur Umsetzung oft Tage dauert. Der Einbau einer zusätzlichen Antenne zieht sich sogar noch länger hin: Behördliche Genehmigungen und Vereinbarungen mit Standort-Eigentümern müssen vorliegen, Straßensperrungen für schweres Gerät eingerichtet und geeignete Wetterbedingungen vorherrschen. Das kann Wochen dauern.
Für Vodafone ist der KI-gesteuerte Roboterarm ein Ansatz, um eine dynamische und autonome Antennen-Steuerung in die unternehmensweite Plattform zur Automatisierung von Komponenten des Funkzugangsnetzes (Radio Access Network, RAN) zu integrieren. Ähnliche Lösungen werden in den kommenden Monaten folgen. Einige davon bewegen beispielsweise nur kleine Komponenten im Inneren der Antenne. Das spart Energie ein und schont die Technik. Bereits im vergangenen Jahr hat Vodafone damit begonnen, satellitengestützte Sensoren in Mobilfunkantennen einzuführen. Per GPS lässt sich so aus der Ferne prüfen, ob Antennen korrekt ausgerichtet sind.
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –