ICBE-EMF: Konfliktbelastung von Kommissionsmitgliedern (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 01.06.2026, 12:29 (vor 15 Tagen)

Der Elektroingenieur Alasdair Philips, UK, ist eines der zwölf Kommissionsmitglieder der 2021 gegründeten International Commission on the Biological Effects of Electromagnetic Fields (ICBE-EMF). Sein Foto zeigt einen sympathisch wirkenden Mann zwischen 40 und 50, tatsächlich hat Philips aber schon 75 Sommer erlebt. Dass er jünger wirken will, als er ist, ist nicht weiter schlimm. Auf seiner Profilseite aber ist zu lesen:

Mr. Alasdair Philips was the Director of UK Powerwatch (www.powerwatch.org.uk) since 1988. He was Research Director of EMFields Solutions, Ltd, and Sensory Perspective, Ltd, for about 20 years, commercial enterprises that designed, manufactured, and sold EMF/RF measurement meters for the public, which are no longer trading. [...]

Dort steht also, dass Philips' zwei Firmen inzwischen nicht mehr tätig sind. Das ist auch gut so, denn ein ICBE-EMF-Kommissionsmitglied, das EMF-Messtechnik verkauft, hätte mMn ohne Zweifel einen Interessenkonflikt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Schotte in seiner Erklärung zu Interessenkonflikten einen solchen Konflikt nicht einräumt.

Doch jetzt kommt das Aber: Die Firma EMFields Solutions ist keineswegs stillgelegt, sondern gegenwärtig quicklebendig. Und laut britischem Handelsregister hat Alasdair Philips bei der Firma den Rang eines Directors.

Wie kann Philips unter diesen Umständen ICBE-EMF-Kommissionsmitglied sein? Weil der Verkauf von EMF-Messgeräten an Privatpersonen gemäß ICBE-EMF kein konfliktbehafteter Vorgang ist. So jedenfalls interpretiere ich den Begriff der "Konfliktbehafteten Branchenorganisation (CIO)", wie ihn die Kommission definiert hat. Konfliktbehaftet sind demnach alle, die in der Herstellung, dem Vertrieb, dem Verkauf oder der Wartung von Geräten oder Anlagen tätig sind, die elektromagnetische Felder übertragen oder aussenden. Hinzu kommen einige mMn schwammige Ergänzungen, wie der Verkauf von EMF-Schutzartikeln, von Messtechnik ist jedoch keine Rede. Konfliktbehaftet sind allerdings auch Personen, die therapeutische Behandlungen für elektromagnetische Überempfindlichkeit (EHS) anbieten. Mindestens zwei Vorstandsmitglieder der sogenannten Kompetenzinitiative wären somit konfliktbehaftet, wobei ICBE-EMF allerdings das Hintertürchen offen lässt, dass ein solcher Konflikt eingeräumt werden muss, jedoch nicht automatisch ein Ausschlusskriterium für die Mitwirkung an der Kommission ist.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
EMFields, Philips, Interessenskonflikt, ICBE-EMF

ICBE-EMF: Konfliktbelastung von Kommissionsmitgliedern

Schutti2, Montag, 01.06.2026, 16:39 (vor 15 Tagen) @ H. Lamarr

Der Elektroingenieur Alasdair Philips, UK, ist eines der zwölf Kommissionsmitglieder der 2021 gegründeten International Commission on the Biological Effects of Electromagnetic Fields (ICBE-EMF).

Doch jetzt kommt das Aber: Die Firma EMFields Solutions ist keineswegs stillgelegt, sondern gegenwärtig quicklebendig.

Na ja... Produktion und (eigener) Vertrieb der kleinen "Mess"geräte sind seit 2026 eingestellt.

Und laut britischem Handelsregister hat Alasdair Philips bei der Firma den Rang eines Directors.

Wahrscheinlich jetzt COS ("Chief of Something")

Mindestens zwei Vorstandsmitglieder der sogenannten Kompetenzinitiative wären somit konfliktbehaftet,

Der zweite versucht erst gar nicht, wie die übrigen Mitglieder auf seiner Vorstellungsseite ein "Interessenkonfliktformular" zu verlinken.
Ist auch besser so.

ICBE-EMF: Konfliktbelastung von Kommissionsmitgliedern

H. Lamarr @, München, Dienstag, 02.06.2026, 21:41 (vor 13 Tagen) @ Schutti2

Doch jetzt kommt das Aber: Die Firma EMFields Solutions ist keineswegs stillgelegt, sondern gegenwärtig quicklebendig.

Na ja... Produktion und (eigener) Vertrieb der kleinen "Mess"geräte sind seit 2026 eingestellt.

Der Vertrieb über Händler läuft anscheinend weiter. In Switzerland z.B. über den Händler Adrian Hauser. Erwähnenswert deshalb, weil Herr Hauser eigenen Angaben zufolge "elektrosensibel" ist.

Den jüngsten Zahlen zufolge gemäß Handelsregister ...

- ist Philips weiterhin Miteigentümer der Firma.
- ist die Firma nicht gelöscht.
- beschäftigt die Firma weder Personal noch zeigt sie erkennbare wirtschaftliche Aktivitäten.

Ein aktuelles kommerzielles Interesse am Verkauf von EMF-Messgeräten lässt sich aus diesen Unterlagen jedenfalls nicht ableiten. Ob dies früher anders war, steht auf einem anderen Blatt.

[...]

Mindestens zwei Vorstandsmitglieder der sogenannten Kompetenzinitiative wären somit konfliktbehaftet,

Der zweite versucht erst gar nicht, wie die übrigen Mitglieder auf seiner Vorstellungsseite ein "Interessenkonfliktformular" zu verlinken.
Ist auch besser so.

Nein, ich hatte nicht den Igor im Sinn, sondern die beiden Ärzte, die derzeit mal wieder im Vorstand der "Kompetenzinitiative" anzutreffen sind. Sowohl Dohmen als auch Mutter verarzten überzeugte Elektrosensible und sind deshalb aus Sicht der ICBE-EMF "konfliktbelastet".

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

ICBE-EMF: Wer steckt dahinter?

KI, Freitag, 12.06.2026, 15:52 (vor 4 Tagen) @ H. Lamarr

Die International Commission on the Biological Effects of Electromagnetic Fields (ICBE-EMF) wird in Medienberichten, Stellungnahmen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen häufig wie eine eigenständige internationale Fachorganisation behandelt. Die genauere Betrachtung der bislang verfügbaren Unterlagen zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. Lesen Sie hier und jetzt eine Zusammenfassung dessen, was sich derzeit belegen lässt – und ebenso wichtig: dessen, was sich bislang nicht belegen lässt.

Zwischen wissenschaftlichem Gremium und Organisation

ICBE-EMF trat 2022 erstmals öffentlich in Erscheinung. Sie veröffentlicht wissenschaftliche Stellungnahmen, Reviews und Kommentare zu Fragen der Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern und den daraus abgeleiteten Grenzwerten. Nach außen präsentiert sie sich als internationale Kommission von Wissenschaftlern und Gegengewicht zu Icnirp. Auf den ersten Blick entsteht dadurch leicht der Eindruck, es handele sich um eine eigenständige wissenschaftliche Organisation, vergleichbar etwa mit einer Fachgesellschaft oder Stiftung. Für eine solche Annahme konnten bislang jedoch keine belastbaren Nachweise gefunden werden.

Die Spur führt zur ESA

Von zentraler Bedeutung sind die Steuerunterlagen der ESA (Electromagnetic Safety Alliance), einer in den USA als gemeinnützig anerkannten Organisation. Die Electromagnetic Safety Alliance ist keine Graswurzelinitiative und auch kein wissenschaftlicher Fachverband im klassischen Sinn. Sie ist eine kleine, professionell geführte US-Non-Profit-Organisation, die sich als Drehscheibe der internationalen Mobilfunkkritik etabliert hat.

In den öffentlichen Steuerunterlagen der ESA für das Jahr 2022 wird ICBE-EMF ausdrücklich als "a project of ESA" bezeichnet. Die Gründung der Kommission wird dort als Aktivität der ESA beschrieben.

Auch in der Steuererklärung für 2023 erscheint die ICBE-EMF erneut. Dort wird sie als "a major project of ESA" bezeichnet.

Diese Formulierungen sind bemerkenswert. Sie sprechen nicht von einer Partnerorganisation, einer unabhängigen Institution oder einer externen Fachgesellschaft, sondern ausdrücklich von einem Projekt der ESA.

Für das Jahr 2024 konnte in den bislang ausgewerteten ESA-Unterlagen kein vergleichbar ausführlicher Abschnitt zur ICBE-EMF festgestellt werden. Das Fehlen einer solchen Beschreibung ist jedoch kein Beleg dafür, dass die Kommission inzwischen ausgegliedert oder verselbstständigt worden wäre. Ein entsprechender Hinweis findet sich in den bekannten Unterlagen nicht.

Was bislang nicht gefunden wurde

Ebenso aufschlussreich wie die vorhandenen Dokumente sind die Unterlagen, die bislang nicht aufgefunden werden konnten.

Bei den bisherigen Recherchen konnten keine öffentlich zugänglichen Belege gefunden werden für:

► eine eigene Rechtspersönlichkeit der ICBE-EMF,
► eine eigene Satzung,
► eigene Gründungsdokumente,
► eine eigene IRS-Anerkennung als steuerbefreite Organisation,
► eine eigene Employer Identification Number (EIN),
► eigene Steuererklärungen (Form 990).

Natürlich beweist das Fehlen solcher Nachweise nicht zwingend, dass sie nicht existieren. Es bedeutet jedoch, dass bei den bisherigen Recherchen keine öffentlich zugänglichen Belege für eine organisatorische Eigenständigkeit der ICBE-EMF festgestellt werden konnten.

Eine offene Frage bleibt die Satzung

Besonders interessant wäre eine Satzung oder ein vergleichbares Gründungsdokument. Bislang konnte jedoch keine Satzung der ICBE-EMF aufgefunden werden. Weder auf der Website der Kommission noch in den bekannten öffentlichen Dokumenten fanden sich entsprechende Unterlagen. Dadurch bleiben wichtige Fragen unbeantwortet, die bei Icnirp von der Satzung eindeutig beantwortet werden:

► Wer bestimmt die Mitglieder der Kommission?
► Wie erfolgt die Nachwahl neuer Mitglieder?
► Wer kann Kandidaten vorschlagen?
► Welche Regeln gelten für Amtszeiten?
► Welche institutionellen Kontrollmechanismen existieren?

Gerade weil ICBE-EMF häufig Kritik an der Zusammensetzung anderer Expertengremien übt, wäre Transparenz über die eigene Organisationsstruktur von besonderem Interesse.

Zweierlei Maß bei der Beurteilung institutioneller Unabhängigkeit

Bemerkenswert ist ein weiterer Aspekt, der über die reine Organisationsfrage hinausgeht. Seit vielen Jahren wird die International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (Icnirp) von Mobilfunkgegnern und einschlägigen Aktivistengruppen als angeblich industrienah, befangen oder von wirtschaftlichen Interessen beeinflusst dargestellt. Entsprechende Vorwürfe gehören mittlerweile zum Standardrepertoire der Kritik an den Icnirp-Grenzwerten.

Auffällig ist dabei, dass trotz langjähriger Vorwürfe konkrete Nachweise einer Einflussnahme der Mobilfunkindustrie auf die wissenschaftlichen Bewertungen der Icnirp von den Kritikern nicht vorgelegt werden. Stattdessen stützen sich viele Argumentationen auf personelle Überschneidungen, frühere Tätigkeiten einzelner Wissenschaftler sowie auf allgemein oder vage formulierte Verdachtsmomente.

Gegenüber ICBE-EMF ist hingegen ein deutlich anderer Maßstab zu beobachten. Obwohl die Kommission nach bisheriger Aktenlage als Projekt der ESA beschrieben wird, obwohl ihre organisatorische Struktur weitgehend intransparent bleibt und obwohl bislang weder Satzung noch eigenständige Organisationsunterlagen öffentlich bekannt geworden sind, spielt dies in der Wahrnehmung vieler Mobilfunkgegner keine Rolle. In Veröffentlichungen von Mobilfunkgegnern wird ICBE-EMF gerne als unabhängige wissenschaftliche Instanz zitiert, ohne dass ihre organisatorische Einbindung erkennbar thematisiert wird. Dabei wäre gerade dies naheliegend.

Wer von Icnirp detaillierte Offenlegungen zu Strukturen, Entscheidungswegen und möglichen Interessenkonflikten verlangt, müsste dieselben Maßstäbe konsequenterweise auch auf ICBE-EMF anwenden. Die Frage, wer ein Gremium gegründet hat, wer seine Mitglieder auswählt, wer seine Aktivitäten finanziert und welchen organisatorischen Regeln es unterliegt, ist unabhängig von der jeweiligen wissenschaftlichen Position relevant.

Tatsächlich entscheidet jedoch häufig das Ergebnis über die Intensität der Prüfung. Gremien, deren Bewertungen die eigene Überzeugung stützen, werden großzügig behandelt. Gremien, die zu anderen Schlussfolgerungen gelangen, werden dagegen bis ins Detail auf Abhängigkeiten untersucht.

Eben deshalb ist die bislang ungeklärte institutionelle Stellung von ICBE-EMF von Interesse. Nicht weil daraus automatisch Rückschlüsse auf die Qualität ihrer wissenschaftlichen Arbeit gezogen werden könnten, sondern weil sie einen aufschlussreichen Testfall dafür darstellt, ob Transparenz- und Unabhängigkeitsanforderungen tatsächlich prinzipiell gelten – oder nur gegenüber jeweils unerwünschten Akteuren eingefordert werden.

Libby Kelley, graue Eminenz der Szene

Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf die ESA-Präsidentin Elizabeth ("Libby") Kelley. Die gegenwärtig geschätzt zwischen 75 und 80 Jahre alte US-Amerikanerin zählt seit Jahren zu den einflussreichsten Organisatorinnen der internationalen Mobilfunkkritik. Über die von ihr geführte ESA werden wissenschaftliche Publikationen, Konferenzen, politische Initiativen und internationale Vernetzungsaktivitäten koordiniert. Die Organisation bewegt dabei keineswegs nur symbolische Beträge: Die Steuerunterlagen weisen für die ESA Bruttoeinnahmen von rund 100'000 US-Dollar im Jahr 2019, rund 137'000 US-Dollar im Jahr 2023 und rund 74'000 US-Dollar im Jahr 2024 aus. Kelley erhielt von der Organisation unterschiedlich hohe Vergütungen von 27'000 $ (2021), 24'000 $ (2022), 10'000 $ (2023) und 0 $ (2024). Vizepräsident William Dingeldein wurde mit deutlich geringeren Beträgen vergütet.

Diese Zahlen belegen keine unzulässige Einflussnahme. Sie zeigen jedoch, dass auch die organisierte Mobilfunkkritik über personelle Führungsstrukturen, finanzielle Ressourcen und etablierte Netzwerke verfügt. Wer aus solchen Strukturen wie bei Icnirp Zweifel an Unabhängigkeit und Objektivität ableitet, sollte plausibel erklären können, weshalb dieselben Kriterien bei den eigenen Akteuren plötzlich keine Rolle mehr spielen.

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