ZDF-Reihe "Zoom": Giftiges Licht (Allgemein)
Ab Minute 11:05 sagt Baubiologe Wolfgang Maes in "Giftiges Licht" während der messtechnischen Beurteilung einer Energiesparlampe:
"Speziell diese Lampe macht jetzt eine Feldtärke von 42 V/m. Der Grenzwert für Computer-Arbeitsplätze liegt bei 1 [V/m], d.h. diese Lampe ist 42-mal so stark wie das, was Sie am PC haben dürften."
Was Baubiologe Maes verschweigt und was von Frau Pfeil unbemerkt bleibt:
- Den von Herrn Maes genannten "Grenzwert für Computer-Arbeitsplätze" gibt es hierzulande gar nicht, er hat ihn aus Schweden importiert. Maes suggeriert, der völlig unverbindliche Empfehlungswert des schwedischen Dachverbands der Angestelltengewerkschaften (TCO) sei ein verbindlich einzuhaltender Grenzwert. Das TCO-Siegel ist jedoch (nur) vergleichbar dem "Blauen Engel" in Deutschland. Die Beantragung ist freiwillig, die Zertifizierung eines Monitors durch TCO kostet bis zu 5700 Euro und ist zwei Jahre gültig.
- TCO kennt keine "Computer-Arbeitsplätze", sondern die hier aufgelisteten Produktgruppen. Wahrscheinlich meint Maes traditionell die Emission von PC-Bildschirmen (Displays).
- Die neueste TCO-Empfehlung für PC-Bildschirme (6.0 vom März 2012) definiert für Niederfrequenz eine zulässige Emission von 10 V/m, für Mittelfrequenz von 1 V/m. Die Grenze zwischen beiden Frequenzbereichen ist 2 kHz. Herr Maes verschweigt den Wert 10 V/m, der für den emissionsstärkeren Frequenzbereich eines Monitors gilt.
- TCO gibt für die Messung an PC-Bildschirmen eine Messeinrichtung vor (Seite 105). TCO hat zu keiner Zeit eine Empfehlung für die zulässige Emission von Energiesparlampen herausgegeben, geschweige denn eine Messeinrichtung dafür definiert. Wie Herr Maes gemessen hat, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass eine Verringerung des Abstands zwischen Messsonde und Messobjekt zu einem raschem Anwachsen der Messwerte führt. 42 V/m zu messen, ohne den Messabstand zu benennen, das ist unprofessionell. Da es keine Messvorschrift von TCO gibt, können grundsätzlich beliebig hohe Werte gemessen und damit Ängste geschürt werden.
- Auch Baubiologen sind sich nicht eins, was sie denn nun als "Grenzwert" für Energiesparlampen/PC-Monitore verkünden sollen. Dieser Baubiologe legt sich wie Maes auf 1 V/m fest und liegt damit falsch (weil er im Tabellenkopf von 50 Hz spricht), der Verband Baubiologie nennt in einem Flyer 10 V/m und widerspricht damit dem eigenen Vorturner Maes.
- Was tatsächlich an unbedenklicher Emission erlaubt ist, regeln verbindlich die ICNIRP-Grenzwerte. Für Niederfrquenz sind das 5000 V/m, für Mittelfrequenz 87 V/m. Soeben noch 42-fach über dem vermeintlichen "Grenzwert" ist die Energiesparlampe jetzt plötzlich mehr als 100-fach unter dem tatsächlichen Grenzwert.
Hintergrund
Wie Elektrosmog von Energiesparlampen dramatisch groß gerechnet wird
Werbesendung des Bayerischen Rundfunks für den Film "Bulb Fiction" (Quer) - Im Bildfenster wird unten ein Text mit einem richtig netten Rechtschreibfehler eingeblendet.
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –