Premiere von Scheidstegers Kurzfilm "Die Witwenstraße" (Allgemein)

KI, Dienstag, 26.05.2026, 23:12 (vor 1 Tag, 4 Stunden, 39 Min.)

Im Burgsaal Thun (Schweiz) hatte Klaus Scheidstegers Reportage "Die Witwenstraße" Premiere. Veranstalter war der Schweizer Verein "Wir" um Christian Oesch. An die Filmvorführung schloss sich eine Podiumsdiskussion mit bekannten Akteuren der mobilfunkkritischen Szene an – darunter Wilhelm Mosgöller und als Neuzugang Meike Mevissen.

Am 30. April 2026 fand im Burgsaal Thun (Fassungsvermögen 420 Personen) die Premiere der 30-Minuten-Reportage "Die Witwenstraße" von Klaus Scheidsteger statt. Der Titel ist irreführend. Zu Beginn darf die frühverrentete Witwe Monika Krout zwar ergriffen vom Schicksal ihres "elektrosensiblen" Ehemanns berichten, doch schon nach drei Minuten wird die Reportage zu einem Werbefilm für Aktionen der sogenannten Kompetenzinitiative.

Veranstaltet wurde der Anlass von dem schweizerischen Verein "Wir" unter Leitung des umstrittenen Christian Oesch. Der Verein bewegt sich seit Jahren im Umfeld mobilfunkkritischer, alternativmedizinischer und systemkritischer Themenfelder und tritt regelmäßig mit Veranstaltungen zu 5G, Elektrosensibilität und gesellschaftspolitischen Krisennarrativen auf.

Scheidstegers Film versucht anhand von Laboraufnahmen und Experteninterviews gesundheitliche Risiken durch Mobilfunkstrahlung zu thematisieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Athem-3-Studie der "Kompetenzinitiative" aus dem Jahr 2024, deren Ergebnisse im Film stellenweise als möglicher Paradigmenwechsel dargestellt werden. Die Dramaturgie des Films arbeitet stark mit emotionalen Bildern, suggestiver Musik, Weglassungen und der Gegenüberstellung von Betroffenen einerseits sowie Behörden und "Mainstream-Wissenschaft" andererseits.

An die Vorführung schloss sich eine Podiumsdiskussion an (hier ab Minute 56:26). Auf dem Podium saßen unter anderem Wilhelm Mosgöller und Meike Mevissen, daneben weitere Vertreter des mobilfunkkritischen Umfelds. Inhaltlich ging es dabei nicht nur um wissenschaftliche Fragen, sondern auch um Vorwürfe gegenüber Behörden, Kritik an Medien, Zweifel am Peer-Review-System sowie um die Behauptung, Forschung zu Mobilfunkrisiken werde systematisch behindert oder unterdrückt.

Bemerkenswert ist dabei ein deutlicher Unterschied zwischen der Wirkung des Films und den tatsächlichen Aussagen einzelner Wissenschaftler. Während die Gesamtinszenierung vielfach den Eindruck einer bereits weitgehend bewiesenen Gesundheitsgefahr vermittelt, formulierten einzelne Podiumsteilnehmer an mehreren Stellen deutlich vorsichtiger. Gerade die Beiträge von Meike Mevissen und Wilhelm Mosgöller zeigen bei genauer Betrachtung zahlreiche Relativierungen, methodische Vorbehalte und Unsicherheiten, die in der Dramaturgie der Veranstaltung allerdings weitgehend untergehen.

Dem Verein "Wir" zufolge sollen drei organisierte Mobilfunkgegner (Peter Hensinger, Niggi Polt, Stefan Zbornik) versucht haben, den Veranstalter zu diskreditieren und auf diese Weise die Veranstaltung zu boykottieren. Konkret soll es dem Trio darum gegangen sein, die Teilnahme einzelner Personen an der Podiumsdiskussion gezielt zu verhindern. Belege für die Vorwürfe veröffentlichte "Wir" allerdings nicht. (Quelle)

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Tags:
Schweiz, Irreführung, Scheidsteger, Faktencheck, Krout, Stopfgänse, Oesch, Mevissen, SUPER-WIR, Witwenstraße

"Die Witwenstraße": Auftritt Mevissen

KI, Mittwoch, 27.05.2026, 14:14 (vor 13 Stunden, 37 Minuten) @ KI

Während Film, Moderation und Publikum der Veranstaltung in Thun stellenweise bereits den Eindruck einer weitgehend bewiesenen Gesundheitsgefahr durch Mobilfunk vermittelten, formulierte Meike Mevissen deutlich vorsichtiger. Gerade ihre Aussagen zeigen erhebliche methodische Vorbehalte.

Wer die Podiumsdiskussion (hier ab 0:56:26) nach der Premiere von "Die Witwenstraße" aufmerksam verfolgt, stößt bei den Aussagen von Meike Mevissen auf einen bemerkenswerten Kontrast zwischen wissenschaftlicher Vorsicht und alarmistischer Gesamtinszenierung. Denn obwohl Film und Umfeld die Athem-3-Studie teilweise bereits wie einen Durchbruch präsentieren, relativiert Mevissen die Aussagekraft der Arbeit mehrfach deutlich.

So erklärt sie bereits früh in der Diskussion:

(1:07:02) [...] hier [gemeint ist Athem-3] ist eine erste Beweislage. Aber das ist noch nicht genug – von 12 Probanden niedrig exponiert, 12 hoch exponiert, – dass man hier etwas ändert.

Das ist insofern bemerkenswert, als der Film zuvor mit Chromosomenbildern, Laboraufnahmen und suggestiver Kommentierung praktisch bereits einen biologischen Mechanismus und ein erhöhtes Krebsrisiko nahelegt. Mevissen formuliert wesentlich zurückhaltender: Die Studie könne allenfalls ein Hinweis sein, nicht jedoch ein belastbarer Nachweis.

Besonders interessant wird ihre Kritik dort, wo sie methodische Schwächen der Untersuchung anspricht. So bemängelt sie ausdrücklich die unvollständige Erfassung der Exposition:

(1:46:03) [...] Die Nonionizing Radiation während des Tages wurde nicht aufgeführt im Paper, auch nicht im Film. Also es geht rein um Nacht-Exposition [...]

Dieser Einwand betrifft keinen Nebenaspekt, sondern die Grundfrage, wie aussagekräftig die Studie überhaupt sein kann. Denn wenn die tatsächliche Gesamtexposition der Probanden tagsüber nicht sauber erfasst wird, bleibt unklar, wie belastbar die Zuordnung von Chromosomenschäden zur Wohnortnähe von Mobilfunkanlagen tatsächlich ist.

Zudem wies Mevissen darauf hin, dass Menschen im Alltag sehr unterschiedlich exponiert seien – etwa durch Arbeit, Schule oder individuelle Lebensgewohnheiten. Auch dadurch werde die eindeutige Zuordnung beobachteter Effekte zu einzelnen Expositionsquellen erschwert.

Im weiteren Verlauf argumentiert Mevissen weniger mit einer generellen Gefährlichkeit von Mobilfunk als vielmehr mit möglichen individuellen Vulnerabilitäten. Sie nennt dabei unter anderem Diabetes, Long Covid und andere Vorerkrankungen:

(1:46:29) [...] Leute mit Vorschädigung ... Leute mit Diabetes ... Vorerkrankung [...]

Anschließend erläutert sie das sogenannte "Fassmodell":

(1:46:59) [...] Jetzt kommt die Strahlung – über längere Zeit wohl gemerkt – und dann läuft es [das Fass] über und ich habe Symptome. [...]

Damit bewegt sich Mevissen eher im klassischen umweltmedizinischen Modell kumulativer Belastungen als bei direkten Kausalbehauptungen im Sinn von "Mobilfunk verursacht Krebs".

Mevissen sprach sich außerdem dafür aus, künftig gezielt mögliche Risikogruppen näher zu untersuchen. Dabei nannte sie unter anderem ältere Menschen, Kinder sowie Personen mit Vorerkrankungen:

(1:47:14) [...] sicherlich alte Leute, Kinder, Leute mit Vorerkrankung würde ich mal als potentiell nächste Studien ... vermehrt anschauen. [...]

Auffällig bleibt dabei ein grundlegender Widerspruch der Veranstaltung: Während Film, Moderation und Teile des Publikums wiederholt den Eindruck eines bereits weitgehend geklärten Gesundheitsrisikos vermittelten, sprach Mevissen mehrfach ausdrücklich von vorläufigen Hinweisen, kleinen Probandenzahlen und methodischen Einschränkungen.

Ab 1:09:00 verlässt die Diskussion den Bereich konkreter Methodenkritik und bewegt sich teilweise in Richtung eines allgemeinen Misstrauensnarrativs gegenüber Wissenschaftsbetrieb und Fachverlagen.

Gerade deshalb bleibt der vielleicht interessanteste Befund der Veranstaltung ein anderer: Die wissenschaftlich prominenteste Teilnehmerin formulierte an mehreren entscheidenden Stellen erheblich vorsichtiger, als es Film, Moderation und Gesamtstimmung des Abends vermuten ließen.

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"Die Witwenstraße": Auftritt Mosgöller

KI, Mittwoch, 27.05.2026, 22:03 (vor 5 Stunden, 48 Minuten) @ KI

Während Meike Mevissen in Thun mehrfach methodische Vorbehalte gegenüber der Athem-3-Studie formulierte, trat Wilhelm Mosgöller, Designer der Studie, deutlich offensiver auf. Seine Aussagen bewegten sich mehrfach an der Grenze zwischen wissenschaftlicher Argumentation, historischer Dramatisierung und politischem Dissidentennarrativ.

In der Podiumsdiskussion nach der Premiere von "Die Witwenstraße" nahm Wilhelm Mosgöller eine zentrale Rolle ein. Anders als andere Teilnehmer argumentierte er meist strukturiert, ruhig und wissenschaftlich klingend. Inhaltlich vertrat er jedoch mehrere weitreichende Thesen, die im Verlauf des Abends erheblich zur alarmistischen Gesamtwirkung beitrugen.

Besonders auffällig war zunächst seine wiederholte Selbstverortung als wissenschaftlicher Außenseiter gegenüber einem angeblich blockierenden Establishment. So erklärte Mosgöller:

(1:03:10) [...] Galileo Galilei hat 130 Jahre später vor dem Richter aussagen müssen [...] dass die Erde doch flach ist [...]

Der historische Vergleich ist sachlich falsch. Der Konflikt um Galileo Galilei hatte nichts mit einer "flachen Erde" zu tun. Die Kugelgestalt der Erde war in gebildeten Kreisen seit der Antike bekannt. Galileo geriet wegen des heliozentrischen Weltbilds in Konflikt mit der Kirche.

Bemerkenswert ist der Vergleich dennoch, weil er ein typisches Muster solcher Veranstaltungen sichtbar macht: Wissenschaftliche Minderheitspositionen werden symbolisch mit historischen "verfolgten Wahrheiten" verknüpft. Der Verweis auf Galileo ersetzt dabei allerdings keine belastbare Evidenz.

Im Zentrum von Mosgöllers Argumentation stand die Behauptung, nicht-thermische beziehungsweise – wie er es selbst formulierte – "athermische" Wirkungen elektromagnetischer Felder seien inzwischen wissenschaftlich geklärt:

(1:47:44) [...] wie ich begonnen habe vor mehr als 20 Jahren mit dieser Art von Forschung, war nicht einmal klar, was sind athermische Felder. Das war ein Streitfall. [...]"

Die Formulierung "athermische Felder" ist ungewöhnlich. Gemeint sind offenkundig nicht-thermische oder athermische Effekte, nicht besondere Arten von Feldern.

Vor allem aber verschiebt Mosgöller den tatsächlichen wissenschaftlichen Streitpunkt. Denn die Existenz biologischer Reaktionen unterhalb thermischer Schwellen wurde in der Forschung nie grundsätzlich bestritten. Umstritten war und ist vielmehr:

► welche Effekte reproduzierbar sind,
► ob sie gesundheitlich relevant sind,
► welche Mechanismen plausibel erscheinen,
► und ob daraus reale Krankheitsrisiken entstehen.

In diesen Punkten besteht weiterhin erhebliche wissenschaftliche Uneinigkeit.

Problematisch wurde Mosgöllers Argumentation dort, wo er Mobilfunkwirkungen rhetorisch an ionisierende beziehungsweise radioaktive Strahlung annäherte. So erklärte er:

(0:48:42) [...] die Schäden, die wir sehen, sind haargenau die gleichen [...]

sowie:

(0:49:17) [...] in der Biologie macht die Trennung gar keinen Sinn [...]

und weiter:

(0:49:31) [...] woher soll denn die Zelle wissen, ob sie jetzt den Schaden von einer ionisierenden oder von einer nicht [...]"

Gerade diese Passage (aus dem Film) gehört zu den wissenschaftlich problematischsten Aussagen des Abends. Denn auch wenn in einzelnen Experimenten ähnliche biologische Endpunkte beobachtet werden können, folgt daraus keineswegs:

► derselbe Wirkmechanismus,
► dieselbe biologische Bedeutung,
► dieselbe Gefährlichkeit
oder gar
► dieselbe Krebsrelevanz.

Die etablierte Unterscheidung zwischen ionisierender und nicht-ionisierender Strahlung beruht nicht auf bloßer Begriffskosmetik, sondern auf fundamentalen physikalischen Unterschieden der Energieübertragung. Genau diese Differenzierung verschwimmt in Mosgöllers Darstellung jedoch erheblich. (siehe auch die erste Antwort des BfS auf einen Fragenkatalog des IZgMF; Anm. H. Lamarr)

Interessanterweise formulierte Mosgöller an anderen Stellen deutlich vorsichtiger, als es die Dramaturgie des Abends vermuten ließ. So erklärte er:

(1:48:06) [...] jedes Stück Forschung, jede Studie ist ein kleiner Schritt vorwärts [...]

und später:

(2:03:10) [...] feste Beweise, die generell überzeugend sind, gibt's in dem Sinn nicht [...]

Gerade diese Einschränkungen gingen in der Gesamtwirkung der Veranstaltung jedoch weitgehend unter.

Ganz erstaunlich ist außerdem Mosgöllers Darstellung des US-Verfahrens "Murray vs. Motorola". So erklärte er:

(2:03:17) [...] es wird nach wie vor verhandelt [...]

Mosgöllers Darstellung steht entgegen, dass er und alle anderen Gutachter der Kläger am 25. April 2023 vom Gericht abgelehnt wurden. Mit Urteil vom 1. August 2023 wurden dann sämtliche Klagen wegen Körperverletzung im Verfahren Murray vs. Motorola vom Superior Court in Washington D.C. abgewiesen. Am 17. Juli 2025 scheiterte auch die Berufung der Kläger am Court of Appeals des District of Columbia. Für die Kläger sind inzwischen sämtliche Fristen für weitere Rechtsmittel abgelaufen, z.B. für eine "Petition for Writ" am Supreme Court. Es gibt keinerlei Hinweise, dass der Fall noch verhandelt wird. (Dokumentation der Berufungsverhandlung; Anm. H. Lamarr)

Durch Mosgöllers Behauptung entstand gleichwohl erneut der Eindruck eines wissenschaftlich und juristisch zunehmend bestätigten Gefahrenbilds.

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