Neuropsychologische Beobachtungen um Funktürme (Allgemein)

Gast, Mittwoch, 22.11.2006, 17:25 (vor 6415 Tagen)

Neuropsychologische Auswirkungen bei Menschen rund um Funktürme

Hintergrund: Grund zu der Annahme, dass hochfrequente elektromagnetische Strahlung von Funktürmen gesundheitsgefährdend auf das menschliche Nervensystem wirkt.

Ziel: Mögliche neuropsychologische Defizite bei Personen, die in der Nähe von Funktürmen leben, auszumachen.

Methodik: Es wurde eine Querschnittsstudie bei 85 Personen durchgeführt, die in der Nähe des ersten Funkturms im Gouvernorat Menoufiya in Ägypten leben. Während 37 Personen im Gebäude unter dem Funkturm leben, leben 48 gegenüber der Funkanlage. Eine Kontrollgruppe von 80 Personen wurde mit der bei dem Funkturm lebenden Gruppe auf Alter, Geschlecht, Beruf und Bildungsniveau abgeglichen. Zusätzlich zum Eysenck personality questionnaire (EPQ) füllten alle Teilnehmer einen klar strukturierten Fragebogen aus, der Fragen über die persönliche Entwicklung, die Bildungs- und Krankengeschichte, Grund- und neurologische Untersuchungen und eine neuropsychologische Testbatterie [dies umfasst Tests zur visuell-motorischen Geschwindigkeit, Problemlösungen, Aufmerksamkeit und Gedächtnis] enthielt.

Ergebnisse: Die Prävalenz von neuropsychiatrischen Beschwerden wie Kopfschmerzen (23.5%), Veränderungen im Gedächtnis (28.2%), Schwindel (18.8%), Zucken (9.4%), Depressionen (21.7%) und Schlafstörungen (23.5%) waren bei den in Reichweite des Funkturms lebenden Personen deutlich höher als bei den Kontrollpersonen (10%), (5%), (5%), (0%), (8.8%) und (10%), jeweils (P < 0.05). Die neuropsychologische Testbatterie ergab, dass die in der Nähe des Funkturms lebenden Personen eine deutlich niedrigere Leistungsfähigkeit in einem der Aufmerksamkeits- und auditiven Kurzzeitgedächtnistest [Paced Auditory Serial Addition Test (PASAT)] aufwiesen als die Kontrollpersonen. Die Personen, die gegenüber der Anlage lebten, wiesen weiterhin eine niedrigere Leistungsfähigkeit im Problemlösungstest (Block Design) als die Bewohner unter der Anlage auf. Alle Bewohner erbrachten bessere Leistungen in den beiden Tests zur visuell-motorischen Geschwindigkeit (Digit Symbol und Trailmaking B) und in einem der Aufmerksamkeitstests (Trailmaking A) als die Kontrollpersonen. Die zuletzt gemessenen Werte der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung des ersten Funkturms im Gouvernorat Menoufiya waren niedriger als die erlaubten Höchstwerte ("Digital Symbol" und "Trailmaking" sind zwei spezielle Aufmerksamkeitsteste, d.Hrsg.)

Schlussfolgerungen und Empfehlungen: Personen, die in der Nähe von Funktürmen leben, können neuropsychiatrische Probleme entwickeln und sowohl positive als auch negative Veränderungen in ihrer Leistungsfähigkeit hinsichtlich der neuropsychologischen Funktionen erfahren. Deswegen wird eine Überarbeitung der offiziellen Richtlinien zur Exposition der Öffentlichkeit von hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung von Funktürmen und die Benutzung einer neuropsychologischen Testbatterie zur regelmäßigen Bewertung und Früherkennung biologischer Effekte auf Bewohner rund um solcher Anlagen empfohlen.

Übersetzung des Originalartikels ins Englische von G. Abdel-Rassoul et al. Neurobehavioral effects among inhabitants around mobile phone base stations, NeuroToxicology (2006), doi:10.1016/j.neuro.2006.07.012

G. Abdel-Rassoul *, O. Abou El-Fateh, M. Abou Salem, A. Michael, F. Farahat, M. El-Batanouny, E. Salem

Community, Environmental and Occupational Medicine Department, Faculty of Medicine, Menoufiya University, Shebin El-Kom, Egypt

Eingang: 20 Oktober 2005; Veröffentlichung: 18 Juli 2006

Übersetzung: [Name am 21.08.2014 gelöscht]

Nachricht von Pesché Jeannot (Luxemburg)

Neuropsychologische Beobachtungen um Funktürme

Raylauncher @, Mittwoch, 22.11.2006, 17:37 (vor 6415 Tagen) @ Gast

Was hat man unter einer "Testbatterie" zu verstehen?

Raylauncher

Neuropsychologische Beobachtungen um Funktürme

Frans, Mittwoch, 22.11.2006, 18:30 (vor 6415 Tagen) @ Raylauncher

http://www.iddd.de/umtsno/emfkrebs/EgyptStudy.pdf

as published in English

Sehe Seite 3.

Neurobehavioral test battery (NBTB) (Lezak, 1995; Wechsler, 1981): a series of eight neurobehavioral tests translated into Arabic by Meleka (1991) was used. They included tests of: (1) Visuomotor Speed (Digit Symbol and Trailmaking B), (2) problem solving (block design), (3) attention and short-term auditory memory (PASAT, Letter Cancellation and Trailmaking A), (4) memory [(Digit Span forward and backward and Benton Visual Retention Test (BVRT)].

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Neuropsychologische Beobachtungen um Funktürme

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 22.11.2006, 19:44 (vor 6415 Tagen) @ Raylauncher

Was hat man unter einer "Testbatterie" zu verstehen?

Das weiß Wikipedia

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Neuropsychologische "Beobachtungen"....

AnKa, Mittwoch, 22.11.2006, 21:26 (vor 6415 Tagen) @ Gast

Methodik: Es wurde eine Querschnittsstudie bei 85 Personen durchgeführt, die in der Nähe des ersten Funkturms im Gouvernorat Menoufiya in Ägypten leben.

Wie sind denn bei dieser als "Querschnittsstudie" bezeichneten Fragebogenaktion sogenannte "Veränderungen im Gedächtnis (28,2%)" festgestellt worden?

Neuropsychologische "Beobachtungen"....

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 22.11.2006, 23:31 (vor 6415 Tagen) @ AnKa

Methodik: Es wurde eine Querschnittsstudie bei 85 Personen durchgeführt, die in der Nähe des ersten Funkturms im Gouvernorat Menoufiya in Ägypten leben.


Wie sind denn bei dieser als "Querschnittsstudie" bezeichneten Fragebogenaktion sogenannte "Veränderungen im Gedächtnis (28,2%)" festgestellt worden?

Die Antwort steht auf Seite 3 (des PDFs der Studie) unter Punkt C: Der Fragebogen wurde zusätzlich zur neuropsychologischen Testbatterie (NBTB) verwendet, offenbar beides zusammen im Verlauf einer einzigen Testsitzung. Zu dem Gedächtnistest selbst (digital span forward/backward test) habe ich im Netz folgendes gefunden:

The digit span test comprises two different tests, digit span forward and digit span backward. In both tasks increasing numbers of orally presented digits at a rate of one per second have to be repeated—in digit span forward in the same order and in digit span backward in reversed order. Digit span forward starts with three digits and digit span backward with two digits. Every other trial the number of digits is increased by one. When errors in two consecutive trials are made, the test is ended. The number of correctly recalled trials is counted for forward and backward span. Digit span forward is considered to be related to efficiency of attention, while digit span backward is related to working memory functioning.

Auch die TNO-Studie (PDF) hatte ja so einen Gedächtnistest im Programm, da mussten sich die Testpersonen eine kleine 2x2-Buchstabenmatrix einprägen und später im Verlauf der Testsitzung bei der Wiedervorlage diejenige mit den darin enthaltenen Buchstaben wiedererkennen.

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Neuropsychologische "Beobachtungen"....

caro, Donnerstag, 23.11.2006, 17:54 (vor 6414 Tagen) @ H. Lamarr

Die Gedächtnisleistung wird in der sehr gut gemachten Studie nicht nur durch den digital span forward/backward test erfasst. Auch der verwendete progressive auditive serielle Additions-Test (PASAT)erfasst u.a. Gedächtnisleistungen, ebenso der Benton Visual Retention Test (BVRT), bei dem man sich geometrische Figuren merken muss.

Alarm, mal wieder...

AnKa, Freitag, 24.11.2006, 07:55 (vor 6413 Tagen) @ caro

Die Gedächtnisleistung wird in der sehr gut gemachten Studie

Fraglich ist, ob eine Querschnittsstudie zu so weitreichenden Schlussfolgerungen bzgl. der Gesundheitsgefahren berechtigt wie hier gegeben. "Sehr gut gemacht" muss man relativieren, wenn man darüber nachdenkt, welche weiteren Auslöser der gelisteten Symptome eingeräumt werden müssten. Verkehrslärm... Schadstoffemissionen unterschiedlichster Art ...genetische Prädispositionen bei den Probanden... Arbeitsbedingungen der Individuen... (Nicht in Ägypten, aber in einem vergleichbaren Land, was Umweltschutzstandards betrifft, hab ich mal in einem Hotel gewohnt, in dem es überall so sehr nach Formaldehyd oder etwas Vergleichbarem stank... mein Fragebogen bzgl. Kopfweh etc. pp. hätte wüst ausgesehen, wäre mir denn einer eingeworfen worden...) - die Binnenfaktoren sind recht gut systematisiert, der Blick auf mögliche äußere Einflussgrößen ist willkürlich und sehr eng eingegrenzt.

Eine Querschnittsstudie kann man mit einer Blitzlichtaufnahme vergleichen. Was auf dem Bild zu sehen ist, hängt davon ab, wohin der Fotograf das Objektiv seines Apparates gehalten hat. Dementsprechend ist das Studienergebnis zu bewerten. Nämlich nicht über-zubewerten.

Das werden aber die Newsletterverteiler wieder mal nicht kapieren und aufs Neue einen ihrer Alarme anschlagen...

Sehr gute Untersuchung

Frans, Freitag, 24.11.2006, 09:13 (vor 6413 Tagen) @ AnKa

Haben Sie das Original gelesen?

http://www.iddd.de/umtsno/emfkrebs/EgyptStudy.pdf

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Spyware, Trojaner, Würmer

Alarm, mal wieder...

caro, Freitag, 24.11.2006, 13:10 (vor 6413 Tagen) @ AnKa

Ich glaub, Sie haben am Studien-Design was missverstanden oder Sie wollen es nicht verstehen. Es ist auch sehr komplex. Die Studie besteht nicht wie von Ihnen angenomen, aus einem schlichten Fragebogen, sondern aus vier Ebenen.
Der Fragebogen erfasst in so einer Studie lediglich die Vorgeschichte (u.a. auch die von Ihnen genannten möglichen genetischen Prädispositionen) und andere statistisch relevante Daten.
Die "Symptome" wie schlechte Gedächtnisleistung etc. wurden in diesem Fall überwiegend durch eine sehr gute Auswahl hoch valider und jahrzehnetlang bewährter diagnostischer Tests erfasst.
Es wurden außerdem medizinische und neurologische Untersuchungen an den Probanden vorgenommen. Das macht eine Differentialdiagnose möglich.
Und als vierte Ebene wurde das EPQ angewendet, an Hand dessen man u.a. auch sehr gut beurteilen kann, ob sich eine Person Symptome möglicherweise einbildet.
Und genau die Verwendung dieser vier Ebenen machen die Studie hochinteressant.

EPQ

H. Lamarr @, München, Freitag, 24.11.2006, 16:28 (vor 6413 Tagen) @ caro

Und als vierte Ebene wurde das EPQ angewendet, an Hand dessen man u.a. auch sehr gut beurteilen kann, ob sich eine Person Symptome möglicherweise einbildet.

Ist dies hier (PDF, 10 KByte) der richtige EPQ? Und wäre dieser EPQ Ihrer Einschätzung nach eine Hilfe bei der Aufgabe, "echte" Elektrosensible von "unechten" unterscheiden zu können?

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EPQ

caro, Freitag, 24.11.2006, 18:02 (vor 6413 Tagen) @ H. Lamarr

Das ist die in Deutschland meistens verwendete Version des EPQ, das EPQ-R. Für die ägyptische Studie wurden die meisten Tests ja übersetzt, und ich nehme an, dass sie die englische Version des EPQ als Vorlage benutzt haben. Die unterscheidet sich von der deutschen, aber nicht grundlegend.
Das EPQ erfasst Persönlichkeitsdimensionen.
Eysenck hat eine Verbindung zwischen den Skalen Introversion/Extraversion und Neurotizismus und verschiedenen Krankheiten hergestellt. Eine solche explizite Verbindung ist aber unter Psychologen umstritten.
Ich würde es so sehen: Sie können bei der Auswertung aus bestimmten Skalen ablesen, ob jemand evtl. prädestiniert für "eingebildete Krankheiten" ist.

EPQ

H. Lamarr @, München, Freitag, 24.11.2006, 18:40 (vor 6413 Tagen) @ caro

Ich würde es so sehen: Sie können bei der Auswertung aus bestimmten Skalen ablesen, ob jemand evtl. prädestiniert für "eingebildete Krankheiten" ist.

Danke caro, das hört sich so an, als ob auch ein Laie wie ich, wenn er denn nur die "bestimmten Skalen" hätte, mit dem EPQ näherungsweise herausfinden könnte, ob ein Fragebogenausfüller zu eingebildeten Krankheiten neigt - oder eben nicht. Sehe ich das so richtig? Wenn ja, müsste sich durch Offenlegung der Skalen im Prinzip doch auch jeder Elektrosensible selber testen können, ob er anfällig für eingebildete Krankheiten ist. Ein Schwarz-auf-Weiß-Bescheid könnte dem womöglich vagen eigenem Empfinden vielleicht auf die Sprünge helfen. Andererseits könnte eine Offenlegung der Skalen dazu führen, dass Leute sich gezielt auf EPQ-Tests vorbereiten, um eben nicht als besonders disponiert zu erscheinen.

Zum Schluss noch eine Frage: Wäre dieser EPQ mit seinen gut 100 Fragen nicht die perfekte Ergänzung zu den Betroffenen-Befragungen von Dr. Waldmann-Selsam? Meines Wissens macht sie keinerlei derartige Erhebungen, wodurch die Qualität ihrer Kasuistiken wenig mehr als den Status von Selbstauskünften der Betroffenen hat. Wenn es gelänge, mit dem EPQ zu jeder Kasuistik eine Art Bewertungsziffer zu vergeben, müssten sich doch mit der Zeit Personen herauskristallisieren, denen zumindest der beliebte Vorwurf der Hypochondrie nicht länger substanziell unwidersprochen gemacht werden kann.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Alarm, mal wieder...

AnKa, Freitag, 24.11.2006, 20:03 (vor 6413 Tagen) @ caro

Ich glaub, Sie haben am Studien-Design was missverstanden oder Sie wollen es nicht verstehen.

Ja, schon recht, caro.

Aber zur Sache:

Es können neben den von Ihnen genannten Binnenfaktoren, denen entlang die Probanden für die Teilnahme an der Studie qualifiziert worden sind, nun einmal auch noch äußere Faktoren wirken, die durch das Studiendesign nicht ausgeschlossen werden können. Problematisch wird es dann, wenn diese nicht erkannt oder unterschätzt werden.

Wenn z.B. bei einem der Häuser, in denen sich die Probanden während der Exposition aufhielten, ein nicht entdeckter oder nicht beachteter Einfluss auf Nervensystem, Psyche, Befindlichkeit der Bewohner wirksam ist, könnte dessen Auswirkung durchaus dem Einfluss der Strahlung zugeschrieben werden.

Aus der Studienbeschreibung ist, nur so zum Beispiel, nicht zu erkennen, wie etwaige unterschiedliche Verkehrslärmverhältnisse isoliert worden wären.

Im für die Studie ungünstigsten Fall wären die Standorte der exponierten Gebäude eher zentral verkehrslärmträchtig gelegen (könnte man für den Funkmaststandort übrigens als von Vorteil angesehen haben), das Haus der Kontrollgruppe aber weiter draußen im Grünen. Der wirksame Einfluss, der dann ermittelt worden sein könnte, wäre somit der unterschiedliche Schallpegel an den Standorten gewesen.

Kann denn die Annahme, dass hier etwa letztlich der Einfluss unterschiedlicher Verkehrslärmverhältnisse auf das Nervenkostum der Beteiligten gemessen worden ist, aus den Angaben der Studie heraus entkräftet werden?

Die durchaus sachgerechte räumliche Trennung von Kontroll- und Expositionsgruppe lässt Unterschiede dieser Art denkbar erscheinen. Für eine Studie zur Wirkung von Verkehrslärm könnte man das Studiendesign sogar sehr ähnlich ansetzen.

Die Studie lief, wie geschildert wird, von "März bis Dezember". Genaue Angaben nicht nur zum Befragungszeitraum, sondern zur Befragungs- und Untersuchungstageszeit und zum Ort der Befragung wären wünschenswert. War das beliebig gestreut, oder gab es Präferenzen, etwa gar bei einer Gruppe? Z.B. während der Arbeit, danach, am Wochenende; in entspanntem oder eher gestresstem Zustand?

Und die Aussage, den Probanden sei der Zweck der Untersuchung nicht mitgeteilt worden, um Simulier-Effekte auszuschliessen, erscheint mir ohnehin ein wenig vorschnell. Dass sich die Probanden über den recht langen Zeitraum von 9 Monaten und angesichts des nicht unerheblichen Aufwandes der ganzen Prozedur die Frage gestellt haben werden, wozu das Ganze, und sich die diejenigen in Sendernähe die Antwort wohl auch erraten oder erfragt haben dürften, ist doch recht wahrscheinlich.

Die Studie kann man also nicht überbewerten, wie überhaupt die Aussagekraft solcher Querschnitts-Ansätze wegen der vielen denkbaren Einflussgrößen ihre engen Grenzen hat.

Aber wie gesagt, ich warte schon auf den ersten Alarmnewsletter.

Alarm, mal wieder...

caro, Montag, 27.11.2006, 14:35 (vor 6410 Tagen) @ AnKa

Menschen sind glücklicherweise komplexer als technische Vorgänge, deswegen können Sie nie alle Faktoren ausschliessen.
Zu Ihren allerdings recht willkürlichen "Einwänden": Falls es Sie wirklich interessiert, empfehle ich Ihnen, sich direkt mit dem Verfasser der Studie in Verbindung zu setzten, statt Mutmaßungen zu posten: Herr Abdel-Rassoul hat die Telefonnummer 0020-48-2951291, seine E-Mail-Adresse ist: gaafar17@yahoo.com.
Zum Verkehrslärm: Abgsehen mal davon, dass Sie im Großraum Kairo (die Universität, an der die Studie gemacht wurde, ist ca. 70 km von Kairo entfernt) außer in Moscheen keine ruhige Ecke finden und diesbezüglich große Unterschiede zwischen den Gruppen somit sehr unwahrscheinlich sind -
die Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen, die mit den diagnostischen Test der umfangreichen Testbatterie erfasst wurden, sind atypisch für Verkehrslärm.
Was die Untersuchungsbedingungen angeht: Natürlich werden solche Untersuchungen immer unter streng standardisierten Bedingungen durchgeführt.

...doch nur eine Verkehrslärmstudie...?

AnKa, Montag, 27.11.2006, 19:35 (vor 6410 Tagen) @ caro

die Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen, die mit den diagnostischen Test der umfangreichen Testbatterie erfasst wurden, sind atypisch für Verkehrslärm.

Davon ist nun nicht jedermann überzeugt. Bei dieser Studie gibt der vermutete Zusammenhang gar gleich das gesamte Thema vor. Zitat:

"Über das eben beschriebene Projekt zur Lästigkeit kombinierter Lärmquellen hinaus verantwortet die Abteilung "Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitspsychologie" als weiteres Projekt die Untersuchung von Lärmwirkungen auf kognitive Leistungen bei Erwachsenen. Hier werden grundlegende Funktionen menschlicher Kognition, wie Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Entscheidungsprozesse unter Verkehrslärm untersucht."

(Leider findet mein Google nicht auf, was dazu herausgefunden worden ist.)

Und diese Studie über Lärmeinfluss und kognitive Leistung bei Schulkindern indiziert den Zusammenhang ebenfalls.

Der Einwand "Lärmeinfluss" bzgl. der ägyptischen Studie ist also nicht so weit hergeholt. Die Stadt, in der das strahlenexponierte Haus steht, hat ca. 180.000 Einwohner, und der Standort des Gebäudes wird als "zentral" bezeichnet. Das Haus der Kontrollgruppe steht 2 km davon entfernt - wo genau?

Zum Verkehrslärm: Abgsehen mal davon, dass Sie im Großraum Kairo (die Universität, an der die Studie gemacht wurde, ist ca. 70 km von Kairo entfernt) außer in Moscheen keine ruhige Ecke finden und diesbezüglich große Unterschiede zwischen den Gruppen somit sehr unwahrscheinlich sind

Das ist nun sehr verallgemeinernd und auch nicht zutreffend. Entscheidend wären Gewissheiten über die Situation am konkreten Platz, Dezibelmessungen, Zeiten, Lage in Bezug zur nächsten Hauptverkehrsstrasse, sind schallschluckende Fenster vorhanden? Sprich, wie unterscheidet sich die Arbeitssituation der Probanden in Bezug auf die ermittelten Lärmverhältnisse.

Wir sprechen bei der Lärmwirkung sehr ähnlich dem Studienthema der ägyptischen Forscher ebenfalls von nichts anderem als von neuropsychologischen Einflüssen, wenn nämlich von einer durch Lärm verursachten Belastung für das Nervenkostüm die Rede ist.

Der Verdacht: Wenn das Studiendesign hinsichtlich der Verkehrslärmverhältnisse nicht sauber abgrenzt (und so sieht es nach Aktenlage nun einmal aus), dann schwächt dieser Umstand die Aussagekraft in Bezug auf die angeblich indizierte Wirkung der Mobilfunkstrahlung.

Und nur mal so gebrainstormt: Angriffe aufs Nervenkostüm können zum Beispiel auch hoher Arbeitsdruck, überstrenge Chefs, anmaßende Hausmeister, ständig aussetzende Klimaanlagen, flimmernde Monitore oder ausdünstende Formaldehydgase darstellen. Und beliebige, sich zeitlich ändernde Kombinationen solcher Einflüsse.

Unter dem Strich frage ich mich dann schon, ob die Ermittlung und Abgrenzung all dieser möglichen Einflussgrößen ausgerechnet im umwelt- und arbeitssituationsbewussten Ägypten so vorbildhaft geglückt sein soll, dass dabei die beeindruckend glatten Ergebnisse der vorliegenden Studie haben herauskommen können...

die Mechanismen schwarzer PR....

caro, Dienstag, 28.11.2006, 09:39 (vor 6409 Tagen) @ AnKa

Wie gesagt - wenn es Sie wirklich interessiert, warum rufen Sie dann nicht einfach den Autor an? Ich habe Ihnen Telefon und E-Mail genannt.
Mir scheint, dass Sie gar nichts Näheres über die Studie wissen wollen, sondern um jeden Preis und notfalls auch mit viel Aufwand irgendwie Zweifel säen möchten. Das ist schwarze PR, nichts Weiter. Funktioniert aber nicht immer.
Kontaktieren Sie einfach den Autor der Studie. Er wird Ihnen Ihre Fragen sicher gerne beantworten. Dann brauchen Sie hier nicht so viel Mühe und Zeit auf fachlich wenig begründete willkürliche Mutmaßungen zu verwenden.

die Mechanismen schwarzer PR....

AnKa, Dienstag, 28.11.2006, 19:18 (vor 6409 Tagen) @ caro

Mir scheint, dass Sie gar nichts Näheres über die Studie wissen wollen, sondern um jeden Preis und notfalls auch mit viel Aufwand irgendwie Zweifel säen möchten.

Genau. Es wird erst Ruhe gegeben, wenn sie ihre Studie widerrufen. :-D

...doch nur eine Verkehrslärmstudie...?

Frans, Dienstag, 28.11.2006, 12:03 (vor 6409 Tagen) @ AnKa

Was meinen Sie mit 'Nervenkostum'?

Frans

Test!

AnKa, Dienstag, 28.11.2006, 19:22 (vor 6409 Tagen) @ Frans

Was meinen Sie mit 'Nervenkostum'?

Frans

Learning by doing...

:rotfl: :lol: :lol2: :rotfl: :lol3: :rotfl: :lol: :-D :rotfl:

...doch nur eine Verkehrslärmstudie...?

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 29.11.2006, 00:02 (vor 6409 Tagen) @ Frans

Was meinen Sie mit 'Nervenkostum'?

Frans, das ist hierzulande bloß ein "geflügeltes Wort" für das Nervensystem eines Menschen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
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